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Notgeld nutzte eine Rechtslücke

Spremberg.. Der Stadt Spremberg in der Niederlausitz ging es damals nicht anders als vielen deutschen Städten und Gemeinden – bedingt durch die kriegswirtschaftliche Rohstoffknappheit machte sich ein akuter Kleingeldmangel bemerkbar, der auch nach Kriegsende weiter bestand. P. Blum / H.-P. Brachmanski

Um Abhilfe bemüht, entschloss sich die Stadtverwaltung, eigenes Notgeld zu emittieren. Dabei folgte sie bewährten Vorbildern.
Für die Geldproduktion, die ein Staatsmonopol war, ergab sich zudem ein juristisches Novum. Da die Notmünzen im strafrechtlichen Sinne nicht existierten, bestand auch keine Genehmigungspflicht. Nach dem Strafgesetzbuch stand nur das Nachahmen und das Fälschen von Reichsmünzen unter Strafe. Wohlwissend um den diffizilen Rechtszustand, duldete man staatlicherseits Prägung, Ausgabe und Verwendung der Notmünzen. Mehr und mehr kursierte das Ersatzgeld im täglichen Zahlungsverkehr. Selbst örtliche und staatliche Institutionen sowie Fremdfirmen akzeptierten das Notgeld, nahmen es in Zahlung und verausgabten es als Geldersatz. Sechs Jahre, von 1916 bis 1921, bestand die Kleingeldknappheit, der eine Vielzahl von Notmünzen ihr Dasein verdankt. Es gab auch geschäftstüchtige Stadtoberhäupter, welche die Gunst der Stunde erkannten und nutzten, indem sie aus spekulativen Absichten Notgeld in die Geldzirkulation einbr achten.
Mit Jahresende 1921 konsolidierte sich der Kleingeldmarkt in Deutschland, beziehungsweise die Geldentwertung machte dieses überflüssig. Die Herausgeber ließen jetzt ihr Stadtnotgeld für ungültig erklären. Bis Jahresschluss musste man die Notmünzen eintauschen, ansonsten drohte deren Verfall. Die fortschreitende Inflation machte allerdings demjenigen, der umtauschen wollte, einen Strich durch die Rechnung, da das Metallgeld im Wert stark gemindert beziehungsweise fast wertlos war. Auch in Spremberg gelangten die Stadtmünzen im Nominal von fünf und zehn Pfennig zur Ausrufung.