Roland Scheffer (55) hat sich seinen Weg in die Selbstständigkeit regelrecht freigegraben. Als der gelernte Klempner 1989 den Entschluss fasste, sich mit einer Eiswaffel-Bäckerei selbstständig zu machen, brannten erst einmal alle Sicherungen durch. Nicht bei den DDR-Oberen - die hatten ihm am 1. Dezember 1989 die Gewerbegenehmigung zur Führung einer Waffelbäckerei ab dem 15. Februar 1990 erteilt, sondern in seinem Haus. In dem Moment, als er in seiner umgerüsteten Garage den polnischen Waffelbackautomaten anwarf, blieb der Strom weg. Der Energieversorger versprach zwar Abhilfe, aber den Weg frei machen mussten Scheffers selbst. Das Abenteuer mit der gut ins Laufen gebrachten Eis-Waffel-Bäckerei währte wegen der Wende nur kurz. Die Verführung zum echten italienischen Eis aber ist den Scheffers gelungen.

"Wir haben Glück gehabt", sagen sie dazu und meinen damit auch die ersten westdeutschen Geschäftspartner, mit denen Roland Scheffer nach der Wende Kontakt aufnahm, um ein Joint-Venture zu gründen. Sie haben den Garagen-Starter in der Niederlausitz besucht, ihm ihre Großproduktion gezeigt und ihm angeboten, es mit dem Vertrieb von Speiseeis-Rohstoffen aus ihrer Produktion zu probieren. Scheffer schlug ein, "zu guten und ehrlichen Konditionen", wie er sagt, und hat es nicht bereut. Von der kleinen 300-Seelen-Gemeinde aus führen Roland Scheffer und seine Frau Birgit (52) seitdem den einzigen Fachgroßhandel für Speiseeis-Bedarf in Südbrandenburg und Ostsachsen. 2500 Artikel haben sie inzwischen im Programm. Die werden von namhaften Herstellern in ganz Europa per Spedition nach Klein Loitz geliefert. Das Sortiment reicht von Speiseeis-Rohstoffen bis zur Serviette, dem bedruckten Eislöffel und dem Becher für Coffee to go. Abnehmer sind Eiscafés in der Niederlausitz, der Oberlausitz und der Magdeburger Börde. "90 Prozent des Umsatzes erzielen wir in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg." Vier eigene Fahrzeuge sind dafür täglich unterwegs. Acht Mitarbeitern sind beschäftigt, darunter zwei Saisonkräfte, die acht Monate im Jahr in Klein Loitz Speiseeis herstellen. "Das ist ein kleines zusätzliches Standbein in regionaler Direktvermarktung. Wir wollen unseren Kunden keine Konkurrenz machen", sagt Roland Scheffer. Es hat sich durch Zufall ergeben, "weil irgendwann auch mal Zutaten übrig geblieben sind. Es war einfach zu schade, sie wegzuschmeißen." Also legten die Scheffers ein Eis-Diplom ab und erhielten so auch einen Einblick mehr, worauf es ankommt bei der Eisproduktion. "Man lernt immer etwas dazu", bestätigen sie. Seit 25 Jahren besuchen sie deshalb regelmäßig die MIG, die wichtigste internationale Messe für handwerkliche Speiseeisherstellung im italienischen Longarone in Norditalien. Hier werden die Trends gesetzt.

"Wir haben uns kontinuierlich entwickelt, natürlich auch Lehrgeld bezahlt, zum Beispiel bei Zahlungsausfällen. Aber wir haben keine krassen Einbrüche erlebt", zieht Roland Scheffer Bilanz. In seinem Sohn Robert (32) hat er einen Mitarbeiter, der sich um Präsentation und Ausstattung von Eiscafés kümmert, und zusätzlich einen Onlineshop für Verpackungen und Party-Bedarf eingerichtet hat. Seit neun Jahren arbeitet der gelernte Elektroinstallateur im väterlichen Betrieb mit. Die Unternehmensnachfolge scheint gesichert - und auch der Bedarf an leckerem handwerklich hergestellten Speiseeis. "Eis ist immer noch ein Produkt, das sich jeder gönnt", beobachten die Fachgroßhändler aus Klein Loitz. Vor allem an heißen Tagen wie diesen.