ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:04 Uhr

Nicht mehr feierlich

Man denkt ja immer, schlimmer könnte es nicht mehr kommen. Bis zu dem Augenblick, wo man eines Besseren belehrt wird. Dem schlechten Brandenburger Erntejahr 2002 folgt für die Bauern um Spremberg nun ein noch viel schlechteres, und sie können nur hilflos zuschauen.

Das Wetter benimmt sich wie ein ungezogenes Kind, das die Extreme liebt und immer alles auf einmal haben will. Brennende Hitze, die den Boden zentimetertief verdorren lässt, oder peitschende Gewitter, die binnen weniger Minuten Grundstücke und Keller unter Wasser setzen und über Nacht - wir mussten es in dieser Woche mit ansehen - ein solides und traditionelles Unternehmen wie die Gärtnerei Golnik in Existenznot bringen können.
Unverschuldetes Unglück für Einzelne, an dem wir freilich alle unseren Teil Schuld tragen dürften. Denn so ganz ohne Grund treten die Klimaveränderungen und Wetterkapriolen in unseren Breiten nicht auf und gewinnt das Regenwasser eines einzigen Wolkenbruchs nicht solche zerstörerische Gewalt.
Die Zeit der Solidarität mit den Betroffenen sollte auch immer eine Zeit der eigenen Einsichten sein. Muss man die Umwelt in solchen Zeiten eigentlich mit noch einer und noch einer Autofahrt zum nächsten Badestrand belasten, oder tut es nicht auch mal wieder das gute alte Fahrrad„ Muss man jeden Feldweg mit Asphalt bekleben, oder lässt sich nicht auch mit Sand unter den Füßen (oder Rädern), mit kleinen Bodenwellen und einer Grasnabe in der Mitte leben“ Brauchen wir überhaupt jede erdenkliche Bequemlichkeit, nur, weil sie technisch möglich ist?
Das muss freilich jeder für sich selbst beantworten, und niemand gibt ihm dafür die Garantie, dass gerade sein Verzicht auf privaten Luxus die Welt rettet.
Wofür ich mich allerdings verbürgen kann, das ist die Tatsache, dass auch dieses Wochenende nur zweimal vierundzwanzig Stunden hat. Also nutzen Sie den Tag, bevor die Bundesregierung auch hier den Rotstift ansetzt und kürzt. Denn Sie wissen ja: Es kann immer noch schlimmer kommen.