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| 01:09 Uhr

Neues Pflaster für den Kirchplatz

3. Woche. Im Supermarkt wird immer zeitiger auf Ostern hingewiesen. Wir können dem nicht nachstehen. Wie in jedem Jahr zum Osterfest belehrte Herr Saebisch seine Leser. Da wir an dieser Stelle auch Bildungsdefizite haben, wiederholen wir es gern.

Ostern ist der erste Vollmondsonntag nach dem Frühlingsanfang . Am Mittwoch, dem 19. April 1905, war Vollmond. Damit fand also am 23. und 24. April Ostern statt. Pfingsten folgte dann sieben Wochen später, am 11. und 12. Juni 1905. Im Jahr 2005 ist Ostern viel eher, am 27. und 28. März. Durch Herrn Saebisch wissen wir jetzt, dass der Mond daran schuld ist und nicht Rot-Grün.
Am 18. Januar 1871, vor 134 Jahren, erfolgte die Reichsgründung im Spiegelsaal des Schlosses von Versailles. Seid einig! Einig wie Deutschland Fürsten in Nord und Süd . Zu bemerken wäre noch, dass Wilhelm I. dem bayerischen König Ludwig II. die Zustimmung mit vier Millionen Goldmark abkaufte. Vor 134 Jahren subventionierten die Preußen noch die Bayern. Das sollten wir nicht vergessen.
Aber auch der Geheime Legationsrat a. D. v. Dirksen auf Jessen war tatendurstig. Wir lesen drei eng beschriebene Stadtanzeiger-Seiten. Es begann mit: 114. Sitzung des Reichstages. Stenografischer Bericht zum TOP "Befähigungsnachweis für das Handwerk, Lehrlingsausbildung")
In einem anderen langen Beitrag wurde der Preußische Staatshaushalt vorgestellt. Neben einer genauen Auflistung der Einnahmen und Ausgaben jedes Ministeriums waren auch die einzelnen Gehälter sichtbar. Also: der Landwirtschaftsminister hatte ein Gehalt von 36 000 Mark im Jahr, sein Unterstaatssekretär die Hälfte - 18 000 Mark und ein Landrat kostete 3 600 bis 6 600 Mark. Regierungsräte kamen auf 4 200 bis 7 200 Mark und ein Provinzialschulrat erhielt 5 700 bis 7 500 Mark. Gemessen an den heutigen Beträgen haben die höheren Chargen ganz schön eingebüßt. Beim Regierungsrat hat sich dagegen nicht viel geändert. Dort saßen wohl schon immer treue preußische Beamte, die ihre Chefs mehr als das Gehalt liebten.
Bei Versammlungen konnten unsere Stadtverordneten auch nicht nachstehen. Sie tagten in diesem Jahr zum ersten Mal. Unser Kurzbericht: Die Wahl des Vorstandes - alles beim Alten. Eine Neu- oder Umpflasterung für die Bader-
gasse, den Kirchplatz, die Töpferstraße und die Friedrichstraße wurde beschlossen, dagegen an der Bautzener Straße zwischen der Dresdner und der Friedrichstraße das Anlegen einer Bordsteinkante für ausreichend erachtet. Frl. Edith Wirth (die älteste Tochter des Bürgermeisters) und Herr Otto Koßack wurden Lehrer an der gerade eingeweihten Mädchenschule. Das Kapital wird in 4 %igen Stadtobligationen angelegt . Abgelehnt dagegen - eine Belohnung für geleistete Dienste, der Name des Betroffenen aber nicht genannt.
Das Wassertragen auf Bürgersteigen wurde wieder einmal streng verboten. Es muss sehr kalt gewesen sein, neben einer Anzeige gab es einen redaktionellen Beitrag und ein verballhorntes Goethegedicht, als poetische Mahnung an die Grundstückbesitzer.

Vor deinem Grundstück,
Liegt Eis,
Streu - `s ist kein Kunststück
Mit Fleiß
Asche drauf.
Sonst purzeln Junge und Alte.
Warte nur, balde
Purzelst du auch!

Witz der Woche.
Frauenblick. "Nun Emilie - wie gefällt Dir der neue Professor?" - "Mein Gott, er ist ja kein übler Mann - nur hat er einen Fehler: Er spricht so gelehrt, daß man kein vernünftiges Wort mit ihm reden kann!"