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| 15:14 Uhr

Historischer Einblick auf 112 Seiten
Neuer Heimatkalender erschienen

Spremberg. Die Autoren erzählen Episoden aus der Spremberger Stadtgeschichte. Die neuen Exemplare gibt es unter anderem bei der Touristinformation und bei Gewerbetreibenden.

Der Kulturbund hat den Spremberger Heimatkalender für das Jahr 2019 veröffentlicht. Die Autoren widmen sich unter anderem dem Schicksal der Spremberger Soldaten im Deutsch-Französischen Krieg, dem Bahnhof an der Strecke zwischen Berlin und Görlitz und einer Kollision zweier Lokomotiven. Insgesamt umfasst der Heimatkalender 112 Seiten mit vielen Illustrationen und historischen Fotos.

Der frühere SPD-Kommunalpolitiker Andreas Lemke forschte für seinen Beitrag in alten Dokumenten nach, zu denen die Verlustlisten in Regimentsbüchern zählen. Demnach starben in den Jahren 1870 und 1871 im Deutsch-Französischen Krieg 38 Soldaten aus der Spremberger Region. 80 weitere wurden verwundet. Als „blutigste Schlacht“ galt nach den Worten von Andreas Lemke die Konfrontation deutscher und französischer Truppen bei Spichern, das südlich von Saarbrücken liegt. „In der an der Spitze des 3. Armee-Korps marschierenden 5. Infanterie-Division kämpften viele Spremberger“, schreibt er. Die hohe Zahl der deutschen Toten und Verwundeten sei durch die „Brechstangen-Taktik“ der kommandierenden Generäle verursacht worden, die sich unzureichend an die Vorgaben des Generalstabes hielten. Das Spremberger Kriegerdenkmal aus den Jahren 1870 und 1871 wurde nach dem Zweiten Weltkrieg „ohne Weisung oder Vorschrift“ willkürlich entfernt, wie Andreas Lemke schreibt.

In einem weiteren Beitrag für den Heimatkalender erläutert der Leiter des Niederlausitzer Heidemuseums, Eckbert Kwast: „Das Denkmal wurde im wahrsten Sinne des Wortes vom Sockel gestoßen und vergraben.“ Erst in diesem Jahr konnte es der Georgenberg-Verein wieder freilegen. „Nach Klärung mit den behördlichen Stellen soll es am ursprünglichen Standort auf dem Georgenberg aufgestellt werden“, berichtet der Museumsleiter.

Über den Bau des Bahnhofs an der Strecke zwischen Berlin und Görlitz schreibt Harald Großstück im Heimatkalender. So schildert er, dass am 31. Dezember 1867 der Spremberger Abschnitt eröffnet wurde. Nur erahnen lasse sich, wie die Fläche des Bahnhofs ursprünglich aussah, „da bisher keine Pläne aus dieser Zeit bekannt sind“. Der Autor vermutet, dass mindestens vier Gleise existierten, zwei Bahnsteige, das Empfangsgebäude und der Güterschuppen. Auch den Plänen für die Zukunft widmet sich Harald Großstück in seinem Beitrag. Demnach sehen sie vor, in den Jahren 2019 und 2020 das elektronische Stellwerk wieder aufzurüsten, „um gleichzeitig den Bahnhof in Graustein von Spremberg aus bedienen zu können“. Später sei auch der Anschluss von Bagenz und Neuhausen an das Stellwerk geplant.

Von einer folgenschweren Pause erzählt wiederum Jürgen Hübner in den „Spremberger Kneipengeschichten“, ebenfalls im Heimatkalender veröffentlicht. Ein Lokomotivführer habe am 5. August 1904 in der Dresdener Straße seinen Zug verlassen, um sich ein Bier in einer Kneipe zu holen. Daraufhin sei die Stadtlokomotive wegen des Gefälles der Straße von allein losgerollt und durch die Schützenstraße gerast, bis sie in der Wilhelmstraße auf eine haltende Lok prallte. „Die Cottbuser Strafkammer verurteilte ihn zu 60 Mark Geldstrafe“, schreibt Jürgen Hübner. „Es war damit sicherlich das teuerste Bier, das in unserer Stadt je getrunken wurde.“

Der neue Heimatkalender ist seit Montag dieser Woche zum Preis von vier Euro erhältlich, unter anderem bei der Touristinformation am Spremberger Markt und bei Gewerbetreibenden der Innenstadt.