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| 12:49 Uhr

Landschaftsarchitektin präsentiert Zukunftspläne
Welzow rosarot auf der Tagebau-Kippe

An Welzows Industrie-und Gewerbepark Ost andocken soll die neue Terrassenlandschaft auf 110 Hektar Kippe.
An Welzows Industrie-und Gewerbepark Ost andocken soll die neue Terrassenlandschaft auf 110 Hektar Kippe. FOTO: ZVG Stadtverwaltung Welzow / BTU
Welzow. Die Stadt diskutiert ihre Aufgabenstellung an den Bergbaubetreiber Leag. Rathsburg könnte Außenstelle für Forscher werden.

Im April des Jahres 2035 blühen in Welzow auf den breiten Terrassen östlich des Industrie- und Gewerbepark die Pfirsichbäume rosa. Auch die Blätter der Esskastanie am Regenwasserauffangbecken entfalten sich. Ein Jogger überholt die mittlere Gruppe der Kita „Pfiffikus“. Die Kinder wollen sich an diesem Morgen von einer Rentnerin aus dem Welzower Weinanbau-Verein treffen und sie bis zur Ernte im Herbst regelmäßig besuchen. Noch sind an den Reben keine Knospen zu sehen. Die Winzerin wird ihnen etwas über die Vorbereitung des Bodens erzählen. Mit lautem Getute grüßt die Schmalspurbahn die Kinder.

Bei so viel Rosarot der „Neuen Landschaft Welzow“ hat sich mancher Stadtverordnete, mancher Bürger in der Welzower Stadtverordnetenversammlung am Dienstag die Augen reiben müssen. Die Landschaftsarchitektin Dr. Christine Fuhrmann war mit Studenten gekommen, um die Entwicklungskonzeption vorzustellen. Auf einer Kippenfläche von  110 Hektar am östlichen Stadtrand von Welzow will der Bergbaubetreiber Leag ab 2021 mit dem Schütten beginnen. Die Stadt Welzow soll entscheiden, wie die Fläche gestaltet und wie sie später genutzt wird. Das ist im Braunkohlenplan für den Tagebau Welzow-Süd, räumlicher Teilabschnitt I, vom Juni 2004 so festgeschrieben. Und dort steht auch, dass die Stadt die Nutzungsmöglichkeiten rechtzeitig zu erarbeiten hat und dem Bergbaubetreiber die Wünsche an die Geländeprofilierung mitteilt.

Über anderthalb Jahre wurde intensiv diskutiert: Studenten aus dem In- und Ausland schauten auf Welzow. Es gab einen Expertenwerkstatt und eine Werkstatt mit interessierten Bürger, die kommunale Arbeitsgruppe Kohle diskutierte mit. Und die BTU Cottbus-Senftenberg holte sich Designer aus der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle/Saale an die Seite.      Als Christine Fuhrmann am Dienstag die neue Landschaft mit Terrassenstufen, See und Mulden für den Regen und Baumgruppen  auf der Wandtafel zeigt, geht ein Raunen durch den Rathaussaal. Die Stadtverordnete Hannelore Wodtke (Grüne Zukunft Welzow) gesteht: „Das einzige, was mich an dieser Landschaft stört, ist, dass ich wohl zu alt sein werde, um das noch zu genießen.“ Auch Carsten Paulisch (SPD) findet die Vision „ziemlich geil“. Aber als einer der jüngsten Stadtverordneten denkt er weiter als bis 2035. „So eine Landschaft auf 110 Hektar muss gepflegt werden. Der Clara-See war am Anfang eine tolle Sache, aber jetzt sieht es dort traurig es. Und wir wollen ja auch das Schwimmbad halten, den Flugplatz, das Kulturhaus.“

Günter Jurischka (CDU) verweist auf Rutschungen wie in Nachterstedt und am Senftenberger See: „Die Kippennachfolge ist unbeherrschbar. Der Karnickelsand, den wir in der Lausitz haben, lässt sich nicht aufeinander stapeln.“ Es gebe mehr tolle Beispiele, was auf der Kippe alles geht, halten Wilfried Roick und Helmut Franz (beide SPD) entgegen: der Lausitzring und Projekte im Raum Leipzig. Uwe Rogin (Zukunft Welzow Proschim): „Seit 15 Jahren beschäftigen wir uns damit, und das ist jetzt die Aufgabenstellung an die Kohle, an den Baggerfahrer.“

Auch die Bürgermeisterin Birgit Zuchold (SPD) betont, dass die Leag die Aufgabenstellung zur Schüttung für den Produktionsplan brauche. In den sieben Jahren Rekultivierung nach 2022/23 sei genug Zeit, weiter ins Detail zu gehen – über Obstanbau und das Klima, die Esskastanienproduktion und holzverarbeitendes Gewerbe, den Sport- und Freizeitpark und die demografische Entwicklung, den Anstieg für die Mountainbiker, den Ausbau der Trasse für die Schmalspurbahn. Jetzt aber, so Birgit Zuchold, werde sich noch kein Unternehmen binden, das mal in der Landschaft loslegen will.

Eine Idee des Teams um Christine Fuhrmann, die mitten in Welzow und eher umgesetzt werden könnte, gefällt Birgit Zuchold besonders: Die Rathsburg, die durch Brandstiftung Anfang des Jahres sehr geschädigt aber inzwischen gesichert wurde, könnte eine Außenstelle für Forschungseinrichtungen und An-Instituten der BTU und eine Wabe für Raumunternehmer werden. „Die jungen Leute würden unsere Stadt beleben, der Tourismus und die Gastronomen davon profitieren“, zählt Birgit Zuchold auf.

Beschlossen werde musste die Aufgabe fürs Schütten am Dienstag noch nicht. Der Beschluss geht zunächst in eine gemeinsame Sitzung aller Welzower Ausschüsse. „Damit wirklich alle auf dem selben Stand bleiben“, sagt der Stadtverordnetenvorsteher Carsten Kupsch.

Auch die Neigung für einen Mountainbike-Park ist beim Schütten modellierbar. Der Park könnte Veranstalter von großen Sportwettbewerben nach Welzow locken.
Auch die Neigung für einen Mountainbike-Park ist beim Schütten modellierbar. Der Park könnte Veranstalter von großen Sportwettbewerben nach Welzow locken. FOTO: ZVG Stadtverwaltung Welzow / BTU