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| 02:35 Uhr

Neue Glocken läuten bald in Graustein

Torsten Bark auf Inspektion: Das alte Geläut (l.) ist noch unterm Dach. Die neuen Glocken stehen schon im Vorraum der Kirche.
Torsten Bark auf Inspektion: Das alte Geläut (l.) ist noch unterm Dach. Die neuen Glocken stehen schon im Vorraum der Kirche. FOTO: René Wappler
Spremberg. 93 Prozent der nötigen Spenden für den Einbau der neuen Glocken haben die Freunde der Grausteiner Kirche bereits gesammelt. In dieser Woche findet die Montage statt. Auch der Turm wird dabei stabilisiert. René Wappler

Über Holztreppen steigt Diplomingenieur Torsten Bark hinauf in den Turm. Dort stehen die beiden alten Glocken auf einer Palette. Zwei Arbeiter kümmern sich um die Demontage, Staub hängt in der Luft.

Am Austausch der alten Glocken nimmt das ganze Dorf Anteil. 67 731 Euro sind bereits an Spenden für das Projekt eingegangen. Das Ziel liegt bei 73 000 Euro. Elf verschiedene Glocken hingen in den vergangenen 300 Jahren in der Kirche, wie der sich seit dem Jahr 2015 im Ruhestand* befindende Pfarrer Jakob Werdin ausrechnete.

Nun rüsten die Arbeiter das Gotteshaus an der Dorfaue für die Zukunft. Torsten Bark erklärt: "Die Hartgussglocken sind inzwischen altersschwach." Deshalb werden sie ersetzt - durch ein Geläut aus Bronze. Als "nahezu unkaputtbar" bezeichnet der Diplomingenieur dieses Material. Zudem zeichne es sich durch einen besseren Klang aus. Doch allein bei diesem Projekt bleibt es nicht. Eine Schwingungsanalyse im September 2014 ergab, dass der Glockenturm weiterer starker Belastung auf Dauer nicht mehr standhalten könnte. In der Beschreibung des zuständigen Büros für Tragwerksplanung und Bauphysik heißt es dazu: "Die Bolzen zum Anschluss der Schwellen an das Mauerwerk haben zum Teil mehrere Zentimeter Spiel", ebenso die Verbindungen der Etagen und Schwellen in der Kirche. Deshalb ziehen die Fachleute nun die Bolzen nach. Außerdem kommen statisch wirksame Scheiben in die Decken und Wände. Sie halten den Turm künftig stabil. Aufwändige Arbeiten fanden schon in der Vergangenheit an diesem Ort in der Grausteiner Dorfaue statt. Im Jahr 1676 wurde das ursprüngliche Gebäude erstmals durch eine Fachwerkkirche ersetzt.

Wie Diplomingenieur Torsten Bark berichtet, erstreckte sich ein nahezu vollständiger Umbau über die Jahre 1913 und 1914. Dieses Projekt setzte sich im Jahr 1919 fort. Damit prägte sich das heutige Erscheinungsbild der vorreformatorischen Holzkirche. Der Glockenturm ist ungefähr 30 Meter hoch.

Das Dach wurde im Jahr 2001 einer weiteren Sanierung unterzogen. Damals überwachte die Spremberger Firma "Aring Bauplanung" die Arbeiten bei einem finanziellen Aufwand von 92 500 Euro. Nässe hatte sich im Dachstuhl ausgebreitet. Im Rahmen der Sanierung bekam der Turm eine neue Krone. Zudem wurde die Dachhaut in Schiefer neu gedeckt.

Nach Auskunft des Gemeindekirchenrates wurde im Jahr 1346 zum ersten Mal ein Gotteshaus im Ort erwähnt, der damals den Namen Grawynsteyn trug. An diesen Bau erinnert noch heute der katholische Altar. Nach der Reformation hielt laut Gemeindekirchenrat der evangelische Glaube Einzug.

Die neuen Glocken für den Kirchturm befinden sich bereits im Gebäude. Das alte Geläut erklang zum letzten Mal am vergangenen Sonntag. Zu diesem Ereignis hatte der Gemeindekirchenrat die Einwohner eingeladen.

Kommentar: So helfen Bürger ihrem Heimatort

*Bedauerlicherweise berichteten wir, dass Pfarrer Jakob Werdin verstorben wäre. Dem ist nicht so. Er ist im vergangenen Jahr in Ruhestand getreten.