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| 18:40 Uhr

Bergbaufolgen
Kein „schwarzer Schnee“ von gestern

Jetzt soll sich die Landesregierung zum „schwarzen Schnee“ von Welzow und Proschim erklären.
Jetzt soll sich die Landesregierung zum „schwarzen Schnee“ von Welzow und Proschim erklären. FOTO: Hannelore Wodtke
Potsdam/Welzow. BUND Brandenburg hat in Proben des Staubsturms vom März in Proschim und Welzow Schadstoffe nachgewiesen. Von Christian Taubert

Es ist schon zwei Monate her, dass sich der Schnee um Proschim und Welzow (Spree-Neiße) schwarz eingefärbt hatte. Die Anwohner der Tagebau-nahen Ortschaften waren verunsichert. Ein außergewöhnlicher Fall, bei dem es sich nach Untersuchungen des Tagebaubetreiber Leag um feinen Kippensand gehandelt habe.

Doch für den BUND Brandenburg war das kein „schwarzer Schnee“ von  gestern. Nach einer von dem Umweltbund in Auftrag gegebenen Analyse des Materials vom März-Staubsturm enthielten die Proben neben anderen Stoffen Blei, Arsen und Quecksilber. Wie der BUND am Mittwoch mitteilte, habe der Staub große Mengen von Eisen und Schwefel aufgewiesen, was seine Herkunft aus dem Tagebau eindeutig belege. Darüber hinaus wurden vor allem Blei, mit einer Konzentration von 27 Milligramm/Kilogramm, Arsen (16,9 mg/kg) und Quecksilber (0,12 mg/kg) festgestellt.
„Die Staubbelastung der Tagebaurand-Siedlungen muss überprüft werden, die bisherigen Aussagen zu Feinstaub und Gesundheitsgefährdung sind wenig plausibel“, erklärte BUND-Landeschef Carsten Preuß. „Hier ist das Landesamt für Umwelt gefordert.“ Wie der Cottbuser Leag-Pressesprecher Thoralf Schirmer betonte, sei in den „von uns beauftragten und durch ein unabhängiges, dafür zertifiziertes Labor durchgeführten mineralogisch-petrographischen Begutachtungen für alle drei Messstellen festgestellt worden, dass es sich bei dem Staubniederschlag um Kippensande in einer für die Lausitz typischen Zusammensetzung handelt“.

Zu den vom BUND veröffentlichten Werten könne sich der Tagebaubetreiber nicht äußern, fügte Schirmer hinzu. Zum einen würden sie der Leag bislang nicht vorliegen. Zum anderen sei auch hier wie in früheren Fällen selbstständiger Probennahmen und -auswertungen des BUND, die sich später als nicht haltbar erwiesen hatten, zu fragen, „auf welche wissenschaftlich exakte und zertifizierte Weise die Probennahme und die Untersuchung der Proben erfolgte“.

Die Grünen im Landtag verwiesen vor dem Hintergrund der BUND-Erkenntnisse darauf, dass die von  Einwohnern wegen des „schwarzen Schnees“ geforderte Hilfe durch das Landesumweltamt versagt worden sei. Der Umgang der Behörde mit den Betroffenen sei inakzeptabel, kritisierte der umweltpolitische Sprecher der Landtagsfraktion, Benjamin Raschke. Er forderte Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD) auf, im nächsten Umweltausschuss des Parlaments hierzu Stellung zu beziehen. Und die bergbaupolitische Sprecherin Heide Schinowsky fügte hinzu: „Wir verlangen Aufklärung von der Landesregierung, ob die im Staub enthaltenen Mengen an Arsen, Quecksilber und Blei für die Anwohner gesundheitsgefährdend sein können.“

Für die Vorsitzende des Umweltausschusses im Welzower Stadtparlament Hannelore Wodtke (Grüne Zukunft Welzow) sei es dringend geboten, „dass sich die Landesregierung endlich einmal bewegt und eigene Untersuchungen anstellt, anstatt sich gutgläubig auf den Bergbaubetreiber zu verlassen“. Wenn sie sich die toxische Liste der Untersuchung des BUND ansehe, würde bei ihr die Alarmglocken klingeln, sagt Wodtke.