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| 09:30 Uhr

Nazi-Diktator blieb Ehrenbürger

Spremberg von oben im Juli dieses Jahres.
Spremberg von oben im Juli dieses Jahres. FOTO: Sergej Kuhlke
Spremberg. Eine Recherche im Landeshauptarchiv hat ergeben, dass der nationalsozialistische Diktator Adolf Hitler auf dem Papier immer noch als Ehrenbürger der Stadt Spremberg gilt. Das wollen die Stadtverordneten nun ändern. René Wappler

Auf den 4. April 1933 geht der Beschluss zurück, mit dem sich die Spremberger Politiker konfrontiert sehen. Damals stellte die Fraktion der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) im Stadtparlament den Antrag, drei Personen zu Ehrenbürgern zu erklären: Reichspräsident Paul von Hindenburg, Reichskanzler Adolf Hitler und Oberpräsident Wilhelm Kube. Zwölf Abgeordnete stimmten dafür, neun dagegen. Am nächsten Tag schickte der kommissarisch eingesetzte Bürgermeister Kurt Kaulbars ein Telegramm ab, in dem er Hitler, von Hindenburg und Kube um ihre Zustimmung bat. Am 1. Februar 1934 antwortete ihm der Diktator, er werde die Ehrenbürgerschaft annehmen.

Auf dem Papier besteht dieser Beschluss bis heute, wie sich bei Nachforschungen in der Lübbener Außenstelle des Landeshauptarchivs herausgestellt hat. Bürgermeisterin Christine Herntier erläutert: "Ein Ehrenbuch der Stadt Spremberg für diesen Zeitraum sowie Ausfertigungen und Abschriften der Ehrenbürgerbriefe konnten bei der Recherche nicht festgestellt werden." Im Spremberger Stadtarchiv existieren nur Unterlagen ab dem Jahr 1959. Die früheren Jahre sind unterdessen im Landeshauptarchiv in Potsdam und deren Außenstelle in Lübben dokumentiert.

Im Dritten Reich wurde Adolf Hitler in ungefähr 4000 Städten und Gemeinden in Deutschland und Österreich zum Ehrenbürger ernannt. Nach Angaben der Spremberger Bürgermeisterin gibt es keine Dokumente, die darauf hindeuten, dass die Ehrenbürgerschaft nach dem Jahr 1945 aberkannt wurde. Ebenso wenig scheint sich die Stadtpolitik seitdem offiziell von dem einstigen Beschluss distanziert zu haben. Es existiert lediglich eine Direktive des Alliierten Kontrollrates in Deutschland vom 12. Oktober 1946, die den Verlust der Ehrenbürgerschaft für Kriegsverbrecher generell festlegte. Außerdem endeten Ehrenbürgerschaften üblicherweise mit dem Tod der jeweiligen Person.

Also haben sich die Fraktionen darauf verständigt, den offiziellen Schritt am nächsten Montag nachzuholen. In der Begründung heißt es: "Mitgliedern der NSDAP kann schon auf Grund ihrer Zugehörigkeit zu einer verbrecherischen Vereinigung die Ehrenbürgerschaft aberkannt werden." Andernfalls drohe dem Ansehen der Stadt erheblicher Schaden. Zudem wolle die Politik einen klaren Trennstrich "gegenüber Anschauungen, Theorien und Taten" nationalsozialistischer Ideologie ziehen.

Zum Thema
Wilhelm Kube fungierte während der NS-Zeit als Oberpräsident von Berlin-Brandenburg und Generalkommissar für Weißrussland. Zwischenzeitlich war er SS-Aufseher im Konzentrationslager Dachau.

Reichspräsident Paul von Hindenburg hatte wiederum Adolf Hitler am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler ernannt, um fast im nächsten Atemzug, am 1. Februar 1933, den Reichstag aufzulösen.