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| 15:03 Uhr

Wanderung
Viele grüne Akzentein der Natur entdecken

Auf der Wanderung in den Bloischdorfer Alpen.
Auf der Wanderung in den Bloischdorfer Alpen. FOTO: Bogott Detlef / Picasa
Bloischdorf. Naturfreunde bis aus Cottbus und Forst treffen sich am Pinokkiohof Bloischdorf zur Kräuterwanderung.

20 interessierte Menschen mittleren und jüngeren Alters aus Cottbus, Forst, Bagenz, Döbern, Kölzig, Schönheide, Graustein, Bloischdorf und Großräschen waren am Samstag zum Wandern und zum Austausch von Kräuter-und Lebensweisheiten auf den Pinokkiohof gekommen.

Mit frischem Apfelmus vom Klarapfelbaum begrüßten Barbara und Frank Matthias die Naturfreunde mit ihrem Wunsch, in diesen hochsommerlichen Tagen noch grüne Akzente in der Natur zu entdecken. Die Großräschener hatten sich erst kürzlich auf Dörrys Hoffest den Veranstaltungskalender vom Pinokkiohof mitgenommen. Nach einer Kurzgeschichte von Erwin Strittmatters „Lob auf den Juni“ und einer kurzen Einführung in die Welt der Pflanzen durch Botaniker Christian Hoffmann startete die Wandergruppe in Richtung Wiesen und Wälder.

Es ging in die Bloischdorfer Alpen: Diese liegen am nördlichsten Ende des Lausitzer Grenzwalls am Fuße des Muskauer Faltenbogens und erreichen eine Höhe von knapp 150 Metern. Die gutgelaunte Wanderung mit Christian Hoffmann von Grünplan, Büro für biologische Gutachten, und Vorsitzender des Naturschutzbundes Weißwasser begann entlang der Bergstraße. Schon hier boten die kargen Randstreifen bei genauem Hinschauen doch so einiges an lebenshungrigen Kräutern. So leuchtete an einem Zaun das echte Lebkraut, eine Seltenheit, aber in Bloischdorf noch ganz gut zu Hause. Auch Schöllkraut blieb der Gruppe nicht verborgen. In früheren Zeiten war Schöllkraut unter vielen verschiedenen Namen bekannt. Es wurde auch als Warzenkraut, Marienkraut oder Augenwurz bekannt. Alte Kräuterbücher führten Benennungen wie Hergottsgnade, Marienkur, Gottesgabe oder Herrgottsblatt, ebenso Goldwurz oder Blutkraut. Diese zahlreichen Titel lassen noch heute darauf schließen, welch hohes Ansehen Schöllkraut in Volkskreisen genossen hat. Die hochgelobte Heilpflanze wurde zu Beginn der chemischen Arzneimittelindustrie neben anderen Kräutern als giftiges Unkraut verbannt. Deshalb habe es das Schöllkraut laut Christian Hoffmann bis heute schwer, den beschädigten Ruf wiederherzustellen.

Hoffmann, Mitgestalter der Bürgerinitiative „Essbare Stadt“ Weißwasser, zeigte auf der Tour einfache Erkennungsmerkmale einiger Pflanzenfamilien und untermauerte dies mit seinem profunden Wissen um das Zusammenspiel der verschiedenen Baumarten und ihren Unterwuchs. Dabei landete das eine oder andere „Grünzeug“ in den Henkelkörbchen, darunter auch Futter für die Kaninchen und  Ziegen des Pinokkiohofes. Aber auch nach Nahrung für eine Vesper wurde gesucht.

Am alten Waldfriedhof zitierte Barbara Matthias Verse von Eva Strittmatter und ging auf die Historie des Waldes ein. Freudig überrascht war die Wandergruppe, als Barbara Matthias im Wald mitteilte, dass man gegenwärtig auf dem Europäischen Fernwanderweg Nr. 10 wandelte, der von Skandinavien bis Italien verläuft. Wieder in der Gartenstraße angekommen, wurde nach einer kleinen Stärkung die Pflanzenvielfalt in Hof, Feld und Garten unter die Lupe genommen. Viele Fragen gab es auch zum Leben und Arbeiten mit Bienen. In der Hofküche wurden Kräuter und Lebensweisheiten gemischt. Anschließend verzehrten die Wanderer Kräuterleckereien und selbst gebackenes Brot bei einer Brennesselsuppe.

(dbo)