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| 14:43 Uhr

Fäule nistet sich im Holz ein
Nässe lässt Spremberger Rathausturm wackelig werden

Nässe kriecht in den Spremberger Rathausturm. Deshalb muss er saniert werden.
Nässe kriecht in den Spremberger Rathausturm. Deshalb muss er saniert werden. FOTO: LR / René Wappler
Spremberg. Eine erste Sanierung des Bauwerks kostet voraussichtlich 500 000 Euro. Von Rene Wappler

Der Turm des Spremberger Rathauses droht, auf die Lange Straße zu knallen, wenn er nicht bald saniert wird. Diese Warnung richtet der Vorsitzende des Spremberger Bauausschusses an Stadtverordnete, die sich mit Zweifeln tragen. So sieht Peter Reininger (CDU) keine Alternative zu den Bauarbeiten, die voraussichtlich 500 000 Euro kosten werden. Ihm stimmt Fachbereichsleiter Gerd Schmiedel zu. Kritiker ziehen den praktischen Nutzen des Plans für den Rathausturm in Frage – und fühlen sich dabei übergangen.

Ein „leichter Schock“ befiel die Stadtverordnete Elke Franke, als sie von der Summe erfuhr, die für den Turm nötig ist. „Eine halbe Million Euro“, sagt sie, „können wir uns das überhaupt leisten?“

Diese Frage stellt Elke Franke im Spremberger Bauausschuss, in dem sie für die Linke mitarbeitet. Ihr entgegnet Fachbereichsleiter Gerd Schmiedel: „Wir müssen es uns leisten.“ Sonst werde es nötig den Turm abzubrechen. „Eine Sanierung ist dringend nötig“, erläutert Gerd Schmiedel. In einer Hinsicht stimmt er Elke Franke zu. „Ja, es ist sehr teuer.“

Da hört für sie jedoch das Verständnis auf. „Warum stellen wir immer hinterher fest, dass etwas falsch gebaut wurde?“, hakt sie nach. Als ein Beispiel nennt Elke Franke das Bürgerhaus. Im Jahr 2017 blieb nach starkem Regenguss der Ratssaal unter dem Dach des Gebäudes für eine Woche geschlossen, weil Wasser hineinlief.

Eine Antwort auf ihre Frage erhält Elke Franke nicht. Allerdings erläutert die Begründung der Rathaus-Mitarbeiter detailliert, warum der Turm saniert werden muss. Demnach habe sich schon im Jahr 2015 herausgestellt, dass die Holzkonstruktion „erhebliche Schädigungen aufweist“. Daraufhin blieb der Turm gesperrt. Fachleute eines Ingenieurbüros untersuchten ihn genauer. Sie entdeckten Braunfäule und weißen Porenschwamm. Nach Angaben von Baubiologen befällt dieser Schwamm nasses Holz, das eine Feuchtigkeit von ungefähr 40 Prozent aufweist. Darüber hinaus zeichnet sich Befall mit Salpeter am Rathausturm ab. Im Sockelbereich fehlen horizontale und vertikale Sperren, die das Wandern der Nässe verhindern könnten.

Deshalb schlagen die Mitarbeiter des Ingenieurbüros vor, den beschädigten Putz zu erneuern, den Sockel senkrecht abzudichten, das Dach neu einzudecken und die Holzbauteile zu sanieren, die nicht mehr tragfähig sind. In der schriftlichen Begründung merkt Fachbereichsleiter Gerd Schmiedel an: Aufgrund der Baugrundprobleme des Rathauses könnten „auch nach der Sanierung weitere Schäden am Turm nicht ausgeschlossen werden“. Langfristig bleibe die Aufgabe bestehen, den Baugrund zu stabilisieren.

Darüber wundert sich ein Mitglied der Vereinten Wählergruppen. Jens-Uwe Winkler arbeitet ebenfalls im Spremberger Bauausschuss mit, und er sagt: „In meinen Augen reicht es nicht, jetzt nur das Dach in Ordnung zu bringen.“ Wichtiger sei es doch, gleich den Baugrund zu reparieren oder den Turm besser am Rathaus zu fixieren. Sonst bestehe die Gefahr, bei der Sanierung den  zweiten Schritt vor dem ersten zu gehen. „Eine Horizontalsperre würde zumindest dafür sorgen, dass die Feuchtigkeit nicht nach oben steigt“, gibt Jens-Uwe Winkler zu bedenken.

Ob diese Hinweise in den Plan für die Sanierung eingehen, steht momentan noch nicht fest. Der Spremberger Haushaltsplan für die Jahre 2019 und 2020 enthält die Baukosten von 500 000 Euro für den Rathausturm bereits.