Legt sich einmal eine Landzunge quer ins Spreewasser, wächst sie durch weiteres angeschwemmtes Material schnell dem anderen Ufer entgegen. Mit Sorge schauten die Cantdorfer deshalb im vergangenen Jahr regelmäßig zum Fluss. Der Ortsteil ist immer besonders betroffen, wenn in Spremberg Hochwasseralarm ausgelöst werden muss.

Am Hochwasserrisiko-Managementplan für die Spree wird gearbeitet. Aber nach einem Treffen mit Vertretern aus dem Landesamt für Umwelt im Frühjahr 2015 vor Ort und einigen Versprechen auch zur Beseitigung der Landzunge tat sich über Monate nichts. Die Initiativgruppe "Hochwasser Cantdorf" hatte sich inzwischen gegründet. Der Landtagsabgeordnete Raik Nowka (CDU) half bei der Kommunikation mit dem Landesamt für Umwelt. Gefordert wird, dass der Deich am Cantdorfer Ufer verlängert wird, weitere Überflutungsflächen gefunden werden und die Ortsentwässerung ertüchtigt wird.

Zumindest zu den Engpässen beiderseits der Wilhelmsthaler Brücke fand das Landesamt für Umwelt im November doch noch Haushaltsmittel. Beiderseits der Brücke wurden jetzt Sträucher, Schilf, Gras beseitigt und Bäume gefällt. Wie Silvio Alich, Geschäftsführer des Gewässerverbandes Spree-Neiße, bestätigte, soll der Bagger noch im Februar und März aktiv werden. "Dort wo jetzt die Landzunge liegt, werden wir das Spreebett richtig ausbaggern und neu formen", so Alich.

Die Spree ist ein Gewässer I. Ordnung. Deshalb ist das Land hier in der Unterhaltungspflicht. Per Rechtsverordnung hat Brandenburg es den Wasser- und Bodenverbänden übertragen, die wasserwirtschaftlichen Anlagen und die Hochwasserschutzanlagen an der Spree zu unterhalten und zu bedienen. Allerdings werden diese Aufgaben in Absprache mit dem Landesamt für Umwelt stets genau definiert und auch vom Land finanziert.

Umstritten bei solchen Hochwasserschutzmaßnahmen ist aus Naturschutzsicht der Umfang. Mussten tatsächlich all diese Bäume weggenommen werden? Am Rad- und Wanderweg hinter der Brücke in Richtung Bühlow liegen viel Äste und Stämme. Und auch die Landzunge ist Lebensraum. Diese Interessen werden bei jedem Einsatz abgewogen. Denn wenn sämtliche Cantdorfer wieder Wasser aus ihren Kellern oder gar Wohnzimmern und Geschäftsräumen pumpen müssen, steht die Sicherheit der Einwohner und die Verhinderung größere Schäden im Vordergrund. Das weiß nicht nur Silvio Alich, das weiß auch Frank Kulik als Verantwortlicher für Ordnung und Sicherheit im Rathaus. "Ein ordentlicher Abfluss der Spree muss einfach gewährleistet sein. Es genügt, dass sich ein Baumstamm während eines Hochwassers verkeilt. Schon kann sich Wasser an einer Stelle aufstauen, wo wir vorher gar kein Problem gesehen haben", sagt Kulik.

Doch das Cantdorfer Problem hängt weniger am Spreefluss, als an der Rolle, die die Kochsa und weitere Cantdorfer Gräben - alles Gewässer II. Ordnung und damit Hauptarbeitsfeld des Wasserverbandes Spree-Neiße - für den Abfluss spielen. Das hatte das Landwirtschafts-Ministerium im April 2015 nach einer Analyse des Hochwassers 2013 erklärt.

Wie der Gewässerverband Spree-Neiße mitteilt, lädt er am 13. April zur alljährlichen Gewässerschau nach Spremberg ein. Um 9 Uhr berichten die Fachleute im Bürgerhaus am Markt über die Ergebnisse im Jahr 2015, sammeln neue Probleme und vereinbaren Vor-Ort-Termine.