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Nachwuchs für "kleine" Entwicklungshilfe fehlt

Projektarbeit-Mosambik-Vorstand Christian Hahn dankte Schulleiterin Renate Richard für die 19-jährige Unterstützung der Heidegrundschule Sellessen bei der Entwicklungshilfe des Vereins.
Projektarbeit-Mosambik-Vorstand Christian Hahn dankte Schulleiterin Renate Richard für die 19-jährige Unterstützung der Heidegrundschule Sellessen bei der Entwicklungshilfe des Vereins. FOTO: Mandy Decker
Hoyerswerda. Mitglieder, Freunde und Förderer des Vereins Projektarbeit Mosambik haben am Samstag in ihrer traditionellen Dankeschön-Veranstaltung nicht nur die Unterstützer, sondern auch den 20. Geburtstag des Vereins gefeiert. Zu einem zufriedenen Rückblick gesellten sich die Einsicht in eine unsichere Zukunft der Interessengemeinschaft und ein kritischer Blick auf die aktuelle Flüchtlingspolitik. Mandy Decker

"Ein Ziel haben wir nicht erreicht", stellt Wolfgang Zropf nachdenklich fest. Zropf konkretisiert: "Der junge Nachwuchs - unsere Ablösung - fehlt." Seit zehn Jahren ist der Berliner im Verein Projektarbeit Mosambik tätig. Auch als Vorsitzender. Sein Rückblick auf den Aufbau einer Schule und eines Gesundheitszentrums im mosambikanischen Beira ist, ebenso wie die Vorträge der derzeitigen Vorsitzenden Annemarie Henjes und der Gründerin Waltraut Spill, von Zufriedenheit und Stolz auf das Geschaffene getragen.

Die Zukunft der Vereinsarbeit dagegen stellt sich angesichts Mitgliedszahlen und Durchschnittsalter eher vage dar. Und doch sieht Wolfgang Zropf auch Lichtblicke. Vielleicht nicht in Hoyerswerda, dem Gründungsort und Ausgangspunkt der 20-jährigen Erfolgsgeschichte der Entwicklungshilfe für die Menschen im afrikanischen Beira, aber doch in der Region.

Die Partnerschaften zwischen den 900 Schülern und ihren Lehrern der "Escola Primera Completa" in Mascarenha/Beira mit dem Schiller-Gymnasium in Bautzen sowie der Heidegrundschule im Spremberger Ortsteil Sellessen sind solche Hoffnungsschimmer. Auch und vor allem, weil die Beteiligten ihre eigenen Unterstützungswege gefunden haben und die Freundschaften zwischen den Schulen inzwischen völlig unabhängig von der Vereinsarbeit funktionieren. So berichten die Heidegrundschülerinnen Cheyenne Mitrach und Alisa Schiffer den Gästen der Geburtstagsfeier unter anderem von zwei Besuchen aus Mosambik und dem jährlich stattfindenden Adventsbasar zugunsten ihrer Freunde in Afrika. Schulleiterin Renate Richard schildert ihre mal mehr, mal weniger erfolgreichen Bemühungen, auch weiterführende Schulen in die Projekte einzubinden, um das Bild der Afrika-Hilfe, mit dem die Schüler die Heidegrundschule verlassen, nicht verloren gehen zu lassen. Die Berufsorientierende Oberschule Spremberg sei über die Jahre zum verlässlichen Partner der Afrika-Projekte der Heidegrundschule geworden, erwähnt Renate Richard dankbar.

Es seien die Dinge und Beziehungen, die auseinander erwachsen, die den Sinn der Sache ausmachen, hatte Wolfgang Zropf in seinem Grußwort betont. Nicht das einmalige Einstreuen von Unterstützungsgeldern und Projekten in eine notleidende Landschaft, sondern das genaue Zuhören und das konkrete Bedienen der Fähigkeiten der Menschen mit den Dingen, die ihnen über ihre Grenzen hinweg helfen, mache nachhaltige Hilfe aus. Voraussetzung dafür aber seien Besuche vor Ort und damit die chronisch seltenen Güter Zeit und Geld. Dabei, so stellen es die Geburtstagsgäste an diesem Nachmittag im offenen Gespräch fest, sei die Arbeit, die sie geleistet haben doch die Antwort auf ein höchst aktuelles Thema, nämlich Entwicklungshilfe zu leisten, bevor Flüchtlingshilfe notwendig wird.

"Mit Stolz erzähle ich in meinen Gesprächen in Afrika, dass das alles ein kleiner Verein mit 20, 30 Leuten und viele Kinder und Jugendliche möglich machen", sagt Wolfgang Zropf und lächelt Cheyenne und Alisa hoffnungsvoll zu.