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Nachbarn kämpfen für ihren Friedhof

Spremberg. Mehr als 100 Bewohner des Georgenbergviertels in Spremberg haben sich an einer Unterschriftenliste beteiligt, in der sie sich kritisch zum Friedhofskonzept der Stadt äußern. Dieses Konzept weist darauf hin, dass nur noch ein Achtel der Fläche des 8438 Quadratmeter großen Georgenbergfriedhofs Grabstätten beherbergt – und dass auf lange Sicht eine Schließung dieser Anlage zur Debatte steht. René Wappler

Laut der Unterschriftenliste sprechen jedoch mehrere Argumente für den Erhalt des Friedhofes. So zähle er für die Einwohner zur Parkanlage des Georgen-bergs, und er bilde einen gemeinsamen Komplex mit der deutschen und der russischen Kriegsgräberstätte.

Stefanie Kallnik wohnt in der Nähe des Georgenbergfriedhofs. Sie hat die Unterschriftenliste ins Leben gerufen, und sie sagt: "Ich sehe doch, wie viele ältere Menschen immer noch hingehen, manche von ihnen täglich." Die Kultur einer Gesellschaft definiere sich nun einmal auch über die Frage, wie sie mit ihren Toten umgehe. So gelte der Friedhof zugleich als Kommunikationszentrum und als Ort der Trauerbewältigung. Stefanie Kallnick erläutert: "Wenn jemand auf einem Friedhof liegt, und der Partner will dort eines Tages auch begraben werden - wie lässt sich dieser Wunsch denn damit vereinbaren, dass die Grabstätten womöglich aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen werden?"

Der Stadtverordnete Jens-Uwe Winkler von den Vereinten Wählergruppen hat die Unterschriftenliste bereits an die Rathaus-Mitarbeiter übergeben. Er warnt vor einem "Zerklüften der Friedhöfe".

Allerdings erwidert der Fachbereichsleiter für Bauen und Wohnen im Rathaus, Gerd Schmiedel: "Ich bin dafür, dass wir uns genügend Zeit nehmen, um uns im Detail mit allen Friedhöfen zu befassen, denn wir wollen hier nichts übers Knie brechen, sondern zu einem vernünftigen Ergebnis kommen." Das Friedhofskonzept beleuchte "nicht das Jetzt, nicht das Morgen, sondern das Übermorgen". Somit bleibe noch genügend Muße, in aller Ruhe über die Einzelheiten und die Kritik an den Vorschlägen aus dem Rathaus zu diskutieren.