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| 02:45 Uhr

Musiklehrer leben am Honorar-Limit

Wie kostspielig das Musizieren ist, erläutert Sonja Junghänel an einem Beispiel: Ein Klavier von guter Qualität kostet um die 20 000 Euro, ein Flügel sogar nahezu das Doppelte.
Wie kostspielig das Musizieren ist, erläutert Sonja Junghänel an einem Beispiel: Ein Klavier von guter Qualität kostet um die 20 000 Euro, ein Flügel sogar nahezu das Doppelte. FOTO: Catrin Würz
Spremberg. Enormer Einsatz, niedriges Honorar: Ein Berufsleben als Musiklehrer stehen nur sparsame Menschen durch. Deshalb setzt sich die Chefin der Spremberger Musik- und Kunstschule, Sonja Junghänel, für besseres Gehalt ein. René Wappler

Im ersten Moment schaut Steffen Krautz so ungläubig, als habe er sich verhört. "Die Honorare erscheinen mir aber sehr niedrig", sagt er. "Sind die marktüblich?"

Steffen Krautz nimmt als parteiloses Mitglied am Bildungsausschuss des Spree-Neiße-Kreises teil, der sich das Spremberger Kulturschloss für seine jüngste Konferenz ausgesucht hat. Direkt unter dem Dach sitzen die Gäste. Vor ihnen liegt die Honorarordnung der Musik- und Kunstschule "Johann Theodor Römhild", und eben hat ihnen Sonja Junghänel erklärt, was Musiklehrer so verdienen.

Sieben hauptamtliche Angestellte arbeiten im Haus - und 31 Fachleute auf Honorarbasis. "Es geht also gar nicht ohne sie", sagt Sonja Junghänel. Bisher erhielten sie 22 Euro brutto als Honorar für eine Gruppenstunde. Davon legen sie selbst noch Geld für die Rentenversicherung zur Seite, für Instrumente, für Fahrkosten. "Durch die Bank weisen sie alle einen Abschluss an einer Hochschule oder einer Fachschule auf", erklärt die Chefin der Schule.

Die Honorare in Spremberg sind nicht nur marktüblich, sie liegen sogar noch über dem Satz, den manche andere Häuser in der Lausitz zahlen. Die ortsansässige Musikschule befindet sich "im guten Mittelfeld", wie Sonja Junghänel anmerkt.

Heikles Thema

Die Lehrer selbst reden nicht so gern über ihre Honorare. Schließlich gilt die Frage nach dem Gehalt, egal, in welcher Branche, in Deutschland immer noch als unangemessen. Höchstens anonym geben sie einen Einblick in ihre finanzielle Lage - wie ein 27-jähriger Mann aus Cottbus, der Instrumental- und Gesangspädagogik studiert und in einer sächsischen Stadt Schüler unterrichtet. "Für eine Einheit von 45 Minuten bekomme ich dort 18,50 Euro", sagt er. "Wenn ich mit dem Studium fertig bin, werden es wohl um die 20 Euro sein."

Bei 19,99 Euro lag im Jahr 2015 zwar auch das Durchschnittsgehalt pro Stunde für Angestellte in Brandenburg und bei 19,92 Euro in Sachsen, wie die statistischen Ämter des Bundes und der Länder mitteilen. Doch wer auf Honorarbasis arbeitet, muss unter anderem Rücklagen für Krankheit und Urlaub bilden: Schon rutscht sein verfügbares Einkommen deutlich unter den Durchschnitt.

Trotzdem glaubt der Cottbuser Student, sich richtig entschieden zu haben. "Ich empfand es immer als schön, anderen Leuten etwas beizubringen, sie für Kultur zu interessieren und ihnen Freude am Musizieren zu vermitteln", erklärt er.

Solcher Idealismus führt dazu, dass Pädagogen gemeinsam mit ihren Schützlingen große Wettbewerbe gewinnen, was sich meistens jedoch kaum finanziell auszahlt. Bei sieben Delegierungen gingen sechs erste Preise im jüngsten Wettstreit "Jugend musiziert" an Honorarkräfte und ihre Schüler, wie die Leiterin der Spremberger Musikschule anmerkt. Doch trotz solcher Erfolge bietet sich ihnen nur in seltenen Fällen die Chance, fest angestellt zu werden. "Bei uns können die Lehrer Stunden abrechnen, die sie bei Wettbewerben zubringen", sagt Sonja Junghänel. "Wir sehen uns aber nicht in der Lage, wie an einer Hochschule 60 Euro pro Stunde zu zahlen."

Inzwischen beobachtet die Fachbereichsleiterin für Schule und Kultur im Landratsamt, Eva Szramek, "eine gewisse Abwerbungstendenz". Es gibt Bundesländer, in denen Musiklehrer ein höheres Honorar erhalten, weshalb Eva Szramek dafür plädiert, die Fachleute auch im Spree-Neiße-Kreis "entsprechend zu entlohnen".

Harte Arbeit

Diesem Wunsch schließt sich der Spremberger CDU-Politiker Raik Nowka an, ebenfalls Mitglied im Bildungsausschuss des Landkreises. "Die ersten Plätze bei Wettbewerben wie ,Jugend musiziert' werden nicht verschenkt", sagt er. "Dafür arbeiten die Jugendlichen hart, aber auch ihre Lehrkräfte."

Ähnlich äußert sich Christina Schönherr von der Fraktion der Vereinten Wählergruppen: "Hier gibt es wohl niemanden, der die Honorare nicht mindestens als gerechtfertigt ansieht", sagt sie mit Blick auf die anderen Bildungsausschuss-Mitglieder. "Eher halte ich sie für zu niedrig."

Nun bietet sich ein möglicher Weg an, die Honorare für die Musik- und Kunstschule des Spree-Neiße-Kreises in Spremberg anzuheben. Denn der Potsdamer Landtag hat im Dezember beschlossen, dass diese Häuser im Land Brandenburg insgesamt pro Jahr zusätzlich um die 2,1 Millionen Euro erhalten. Die Spremberger Schule kann somit ab dem Jahr 2017 damit rechnen, dass sich die Fördersumme um ungefähr 45 000 Euro erhöht: Dieses Geld soll für die Honorare der selbstständigen Lehrer eingesetzt werden - insofern die Kreistagspolitiker zustimmen.