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| 02:37 Uhr

Mit Volldampf in den Strukturwandel

Die Stadt Spremberg bleibt dabei: Sie will den Strukturwandel mit der Kohle schaffen und auf den Kraftwerkskäufer zugehen.
Die Stadt Spremberg bleibt dabei: Sie will den Strukturwandel mit der Kohle schaffen und auf den Kraftwerkskäufer zugehen. FOTO: Daniel Schauff
Spremberg. Ein knappes Jahr ist es her, dass Spremberger mit dem Unternehmerverband Brandenburg-Berlin von einem Forschungsinstitut für die Lausitz träumten. Seit vier Monaten gibt es die Innovationsregion Lausitz GmbH. Sie will den Strukturwandel aktiv begleiten, und ihr Geschäftsführer steckt so tief in Arbeit, dass es am Dienstag Reinhard Schulze, Vizepräsident des Unternehmerverbandes übernahm, die GmbH vorzustellen. Annett Igel-Allzeit

Hans Rüdiger Lange, der Geschäftsführer der Innovationsregion Lausitz (IRL) GmbH, hat inzwischen so viele Projekte angeschoben, dass die zwölf Mitglieder des Beirats der jungen Gesellschaft als Mentoren helfen müssen. Sprembergs Bürgermeisterin Christine Herntier, die den Beiratsvorsitz übernommen hat, kümmert sich zum Beispiel um die Entwicklung der Zusammenarbeit mit Russland.

Reinhard Schulze, Vizepräsident des Unternehmerverbandes Brandenburg-Berlin, hatte zum Thema "Der Strukturwandel in unserer Region, die größte Herausforderung für den Mittelstand" Unternehmer und Kommunalpolitiker aus dem Raum Spremberg in die "Inselperle" eingeladen. Und er drängt zu Taten: "Wir haben nicht viel Zeit, wir müssen nach vorne gehen und brauchen dafür alle lokalen Strukturen und Akteure, ein kommunales Bündnis, kurze Entscheidungswege und Vertrauen." Er erläutert, wie sich die Energieregion Lausitz-Spreewald GmbH als Kooperationsgemeinschaft der Landkreise Elbe-Elster, Dahme-Spreewald, Spree-Neiße und der kreisfreien Stadt Cottbus mit den weichen Standortfaktoren wie der Organisation von Messen, Sicherung von Fachkräften, Ausbildung und Lebensraum befassen könnte, während die IRL sich um harte Standortfaktoren von Infrastrukturkonzepten bis zur Wirtschaftsförderung kümmern könnte.

Der Spremberger Bürgermeisterin schwebt vor, dass die Lausitz in Europa eine Modellregion für den Strukturwandel wird. "Einfach Geld wollen, klappt nicht." Für Bürgermeister, die von Bürgern gewählt wurden, sieht sie da neue Möglichkeiten. Mit ihren Kollegen in der "Lausitzrunde" vertritt sie bereits eine Million Einwohner zwischen Görlitz und Peitz. Und so früh wie möglich will diese Runde nun an EPH, den Käufer der Lausitzer Tagebau und Kraftwerke, herantreten. "Es war bisher ein Erfolgsrezept der Region, dass man gut mit der Kohle zusammengearbeitet hat", sagt Christine Herntier.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Raik Nowka hofft, dass die CDU auf ihrem nächsten Landesparteitag im Juni betreffs Braunkohle, Energiewende und Strukturwandel zu einer Linie findet. "Viele glauben, die Kraftwerke werden abgeschaltet und durch alternative Energieerzeuger ersetzt. Aber das würde gar nicht funktionieren, sondern Energie aus Steinkohle in Kolumbien und russisches Erdgas müssen eingekauft werden. Fürs Weltklima wird da nichts erreicht."

Der Stadtverordnete Andreas Bränzel (CDU) glaubt, dass Aktionen wie der Kohlegegner zu Pfingsten, die Menschen in der Lausitz noch mehr pro Braunkohle zusammenrücken lassen. "Noch haben wir die 8000 Arbeitsplätze in der Kohle, und wir werden sie auch eine ganze Weile als Rückgrat im Strukturwandel brauchen." Zugleich, so Bränzel, sollten sich Kommunen zurückbesinnen, was regionale Unternehmen können und Aufträge an sie - und nicht nach Berlin - vergeben.

Gerhard Hänel, einst Chef des Spremberger Wirtschaftskoordinators ASG, verurteilt, dass die Bundesregierung mit ihrer Energiewende so sehr in die Struktur der Region eingreift: " Deshalb muss die Bundesregierung der Lausitz auch helfen", sagt Hänel. Er fordert, für die innovativen Produkte der Lausitz neue Märkte zu suchen, und sieht Russland als Chance. Während Dunapack-Geschäftsführer Karsten Horn nach einem besseren Marketing für die Lausitz ruft, möchte Ronny Sembol, Sprecher der Spremberger Wählergruppe "Die nächste Generation", das Selbstbewusstsein der Lausitzer stärken.