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Mit sorbischer Geige in die Lawine

Die Spremberger Heidemusikanten hier mit (v. l.) Erik Federau, Stefanie Herholz, Melanie Federau, Karola Hipko und Christiane Joppe. Ihre Auftrittskleidung erinnert an die Wolkenberger Tracht.
Die Spremberger Heidemusikanten hier mit (v. l.) Erik Federau, Stefanie Herholz, Melanie Federau, Karola Hipko und Christiane Joppe. Ihre Auftrittskleidung erinnert an die Wolkenberger Tracht. FOTO: Martina Arlt/mat1
Spremberg. Die wunderbare Kraft der Folklorelawine haben die Spremberger erstmals 2004 und 2009 erlebten. Am Samstag werden die Folkloristen aus aller Welt von den Spremberger Heidemusikanten mit sorbischem Dudelsack begrüßt. Annett Igel-Allzeit

Im Podiumssaal im Spremberger Schloss hängt ein Gemälde der Malerin Irmgard Kuhlee. Es zeigt blutjunge Musikanten mit Akkordeon, Geige, Dudelsack. In den Röcken der Mädchen schwingen die sorbisch-wendischen Weisen. Erik Federau erinnert sich genau, wie sie am Groß Buckower See, wo die Malerin lebt, Modell standen. "Wir hatten Kuchen mitgebracht. Als Irmchen endlich vor ihrer Staffelei saß, spielten wir los. Sie malte, erzählte, griff immer wieder zu ihrer Mundharmonika." Dass eine Maus im Auto der Malerin wohnte, wird er wohl nie vergessen.

Zu den Spremberger Heidemusikanten gehören heute die Geigerinnen Laura Biele, Christiane und Charlene Joppe, die Cellistin Heike Joppe sowie Karola Hipko, Melanie Federau und Stefanie Herholz, die Akkordeon spielen, sowie Erik Federau, der neben dem Akkordeon zum Dudelsack greift. Sie haben inzwischen studiert, Familien gegründet, leben in Berlin oder wieder in Spremberg. Seinen Doktor hat der 31-jährige Erik Federau in der Elektrotechnik. Obwohl sie kaum sorbisch-wendische Wurzeln haben, sind sie dem Ensemble treu geblieben. "Das liegt an den gemeinsamen Erlebnissen. Ganze Wochenenden haben wir zusammengesessen und Musik gemacht", erzählt Erik Federau. Oder 2005 die Konzertreise mit der Sorbischen Volkstanzgruppe Schmerlitz. "Sie brauchten Musiker, die sie live begleiten. Erst nach der Ankunft am Morgen in Frankreich haben wir erstmals miteinander geprobt."

Gefunden haben sie sich 2001 in der Musik- und Kunstschule. Aber die Tradition der Heidemusikanten ist älter: Als die Kreismusikschule Spremberg 1979 gegründet wurde, sollte sie sich auch der sorbisch-wendischen Musik widmen. Für die Teilnahme am "V. Fest der sorbischen Kultur in Bautzen" gründete der damalige Musikschulleiter Peter Junghänel die "Heidemusikanten". Er und Karsten Mickein lernten bei Karl Tillich aus Klein-Neida den sorbischen Dudelsack spielen. Violinenlehrerin Gudrun Weber befasste sich mit der dreisaitigen Geige. Zu den ersten Ensemblemitgliedern gehörten Roland Bartko, Bruno Marks, Helmut Matz und Siegfried Kalwack. Doch nach erfolgreichen 80er-Jahren fiel die Gruppe auseinander. Erst ein Telefonat 2001, in dem Kerstin Kossack, Sorbenbeauftragte des Spree-Neiße-Kreises, mit Musikschulleiterin Sonja Junghänel über die Brauchtumspflege sprach, ließ die Heidemusikanten in einer Reihe junger Musikschüler auferstehen. Peter Junghänel bearbeitete das Repertoire für sie. Schnell waren sie gefragt bei Dorf- und Heimatfesten, privaten Jubiläen, überzeugten bei Landesmusikschultagen, in den Ministergärten in Berlin, bei Rundfunkkonzerten. 2003 sicherten sie sich den ersten Preis der Lotto GmbH Brandenburg "100 % Musik" in Potsdam, 2004 den Förderpreis bei den Schüler-(Klein)-Kunst-Tagen in Cottbus.

Dass sie am morgigen Samstag am Schloss Folkloristen aus der ganzen Welt überraschen dürfen, ist eine Ehre. "Sonst haben wir unsere vier, fünf Auftritte im Jahr eher in Sachsen. Den Trebendorfern sagen wir besonders gern zu", so Erik Federau. Jetzt im Juli geht es doch noch einmal wieder mit Musikschülern des Spree-Neiße-Kreises auf Tour - und zwar nach Luckenwalde zum Landesfestival der Musik- und Kunstschulen.

Zum Thema:
10.30 Uhr Ankunft der Folkloristen in der Georgenstraße13 Uhr Spaziergang vom Markt zum Schloss13.30 Uhr Spremberger Heidemusikanten auf der Bühne am Schloss13.50 Uhr Begrüßung Festival-Teilnehmer und LuftballonaktionBühnenprogramm14.05 Uhr Deutsch-Sorbisches Ensemble Cottbus14.25 Uhr Associazione culturale 'A Ziarella di Reino (Italien)14.45 Uhr Kindertanzensemble Szaranaki (Polen)15.15 Uhr Folkloretanzgruppe Wi'j eren t Olde (Niederlande)15.35 Uhr Folklorevereinigung der Stadt Lakatarnia (Zypern)15.55 Uhr Volkstanzensemble Rodnik (Russland)16.25 Uhr Rang Surbhi School of Performing Art (Indien)16.45 Uhr Folklore Studios Etnos (Mazedonien)17.05 Uhr Volkstanzgruppe Memelite (Lettland)17.35 Uhr SD Al Azhar Pusat (Jakarta/Indonesien)17.55 Uhr Zespól Górali Czadeckich Jodelki (Polen)18.15 Uhr Folkloretanzensemble Sedenchitsa (Bulgarien)18.35 Uhr Dunedin Dance Academy & North Berwick Pipe Band (Schottland)Moderation Christian Matthée