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| 18:08 Uhr

RUNDSCHAU-Tour in Spremberg
Die Faltenschau am Felixsee

Wolf-Udo Scholz (r.) zeigt im Geopark das besonders große Exemplar eines Windkanters. Die Kante geschärft haben soll nicht das Eis sondern der Wind.
Wolf-Udo Scholz (r.) zeigt im Geopark das besonders große Exemplar eines Windkanters. Die Kante geschärft haben soll nicht das Eis sondern der Wind. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Felixsee. RUNDSCHAU-Sommertour: Geoparkführer Wolf-Udo Scholz zeigt Geschichte im Wald.

Das Glitzern im „Heede­sand“ haben sie entdeckt und das Reuthener Moor in voller Blüte gesehen. Sie naschen Beeren, riechen an Feuersteinen,  befühlen scharfe Windkanten und finden die Legende um Förster Finke schöner als die Geschichte von Friedrich August von Sachsen und einem wilden Eber in einem Kirchenbuch. Nach 160 Stufen zur Plattform des Aussichtsturms am Felixsee sehen sie Windräder, Kraftwerke, Wald, Türme, Schornsteine und wieder Windräder.

Mehr als 30 Wanderfreunde aus der Forster, Spremberger und  Cottbuser Region sind am Donnerstag auf RUNDSCHAU-Sommertour mit dem Geoparkführer Wolf-Udo Scholz gegangen.

Sein Schäferhundmischling, der viel Bewegung brauchte, hatte ihm vor Jahren gezeigt, wie schön die Bohsdorfer Umgebung ist. Wolf-Udo Scholz saugte Wissen zur Natur, zur Geologie, zur Geschichte, zur industriellen Entwicklung auf und hat nun als Rentner Zeit, es in Geoparkführungen weiterzugeben. Aus zwei werden trotz eines guten Wandertempos drei Stunden. Freiherr Sebastian von Rotenhan grüßt aus dem Auto, Radler klingeln. Auch mancher Tourteilnehmer hatte den Muskauer Faltenbogen in  Sachsen, Polen oder eben in Brandenburger Teil schon mit dem Rad erkundet. Aber die Falten und Mulden verstanden, sich die  großen Findlinge und kleinen Steine mal genauer angeschaut, das hatten die wenigsten.

Der Weg von Bohsdorf in Richtung Friedrichshain führt durch den Teil des Muskauer Faltenbogens, auf dem die meisten Gieser zu sehen sind. Das sind abflusslose feuchte Täler. Auf ihnen wachsen nicht nur Pflanzen, die es feuchter lieben. Sondern sie verraten auch, wie die Braunkohle im geologischen Tiefenbau verläuft. Ein zehn bis zwölf Meter mächtiges Kohlenflöz befindet sich in der Regel unter den Giesern. In der Elstereiszeit vor 450 000 Jahren hatte der Muskauer Gletscher diese Flöze buchstäblich in die Mangel genommen, sie gefaltet und verschuppt.

Wolf-Udo Scholz lässt Faltenbogen-Rohbraunkohle durch die Hände gehen. Und  Sandsteine, die fester und schwerer sind als im Elbsandsteingebirge. Auch vom Quarzsand, der nach Ende des Siebenjährigen Krieges 1763 neben Quellwasser, Holz und Holzkohle wichtig für die erste Glashütte wurde, hat er dabei. Ein Foto vom Einweckglas zeigt er. Das Eisenoxid im Quarzsand, so erzählt er, habe dem Glas in den Hütten automatisch den grünlichen Schimmer gegeben.

Gespannt wird den Geschichten zum Kohlenabbau gelauscht: Von 1841 bis 1973 wurde im Faltenbogen in mehreren Gruben, die zum Beispiel Franz, Felix, Conrad, Providentia, Julius und Sophie hießen, Kohle abgebaut. Oft unter schweren Bedingungen des Tiefbaus, aber auch im Tagebau. Größter Tagebau war der heutige Felixsee. Den Namen trage er noch nicht lange. Wolf-Udo Scholz: „Wir sind im ,Tagebau’ baden gegangen, und das Ufer war steiler.“

Rundschau Sommertour 4c
Rundschau Sommertour 4c FOTO: LR / Schubert, Sebastian
Das Glas mit dem typischen grünlichen Schimmer.
Das Glas mit dem typischen grünlichen Schimmer. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Rohbraunkohle, wie sie sich noch immer im Faltenbogen finden lässt.
Rohbraunkohle, wie sie sich noch immer im Faltenbogen finden lässt. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit