| 19:30 Uhr

Mit Englisch, Händen und Füßen

Thomas Eisenträger zeigt den Studenten im Workcamp, wo noch rauer Speckstein weggefeilt werden kann.
Thomas Eisenträger zeigt den Studenten im Workcamp, wo noch rauer Speckstein weggefeilt werden kann. FOTO: Annett Igel-Allzeit
Bohsdorf/Spremberg. Jubel im Internationalen Workcamp am Felixsee: Der braune Speckstein, aus dem sich fließende Torsi leicht schnitzen lassen, kommt aus Brasilien. Es ist zwar kein aus Brasilianer unter den Studenten, aber in der schwierigen Weltlage wird jede gute internationale Nachricht gefeiert. Annett Igel-Allzeit

Auch Steine aus China, Finnland, Schweden zeigt Thomas Eisenträger, der Speckstein-Künstler aus Schwarze Pumpe. Seit Jahren sagt er Birgit Kamenz, im Mehrgenerationenzentrum Bergschlösschen Standortleiterin der Stiftung SPI, einen Kurs zum internationalen Workcamp zu. An zwei Tagen zeigt er, wie sie sich einen Speckstein zurechtsägen, ihn bohren, schleifen können - bis er eine beeindruckende Erinnerung ist.

13 Jugendliche sind in diesem Jahr an den Felixsee gekommen, um hier bei sozialer Arbeit Multikulti, alte Bräuche, neue Landstriche zu genießen, ein paar Sätze Deutsch zu lernen und ihr Englisch zu trainieren. Neben vier Deutschen sind Türken da, Italienerinnen, eine Französin, Japaner, erstmals Mexikaner.

Das Camp ist ein Gemeinschaftsprojekt der Stiftung SPI und des Internationalen Jugendgemeinschaftsdienstes. "In unserem Ferienobjekt am Felixsee läuft es zum 16. Mal. Jedes Jahr ist etwas auf dem Feriengelände entstanden oder saniert worden. Doch weil wir das Ferienobjekt im Herbst abgeben, lohnt es sich diesmal nicht", erklärt Birgit Kamenz.

Genug Arbeit fand sich trotzdem. Ein Team betreute Flüchtlingskinder, während die Eltern in Sprachkursen lernten. Das zweite Team unterstütze die Mitarbeiter im Bergschlösschen und brachte Grünanlagen wieder auf Vordermann. Die dritte Gruppe half im Museum im Strittmatter-Laden bei der Archivierung und Pflege.

Vincent Moeller aus Mecklenburg-Vorpommern half beim Robotertag im Bergschlösschen. "Ich habe die Schule abgeschlossen und will Physik in Rostock studieren. Weil mein Studium erst im Oktober startet, suchte ich noch etwas Soziales." Ryuki Higa aus Japan studiert Maschinenbau. Im Camp konnte er sein Englisch ausprobieren und den Tag mehr genießen. In Japan, so erzählt er, sei der Tag sehr durchstrukturiert. In Deutschland sei das nicht so hart, so der 19-Jährige. Abends werden sie kreativ, sprühen Graffiti auf Leinen, fahren Boot. Berlin haben sie besucht, Polen, den Spreewald.

Thomas Eisenträger ermutigt Loïse aus Frankreich, das Specksteinmehl zu zerreiben. Es wird auch für Kosmetik verwendet. Sie will einen Becher für ihre Stifte schaffen. Tiefer als fürs Teelicht muss Eisenträger deshalb den Stein bohren. Was außen noch weggesägt werden soll, muss Loïse entscheiden. Sie will Design studieren. Als Gruppenleiterin ist Jasmin Kampa nach Bohsdorf gekommen - zum zweiten Mal: "2016 ist für mich hier nicht alles gut gelaufen. Das wollte ich diesmal besser machen. Ich glaube, ich habe das auch geschafft." Die 22-Jährige studiert Philosophie und Germanistik und versucht, Eisenträgers Hinweise ins Englische zu übersetzen. In den Büchern entdecken die Studenten, dass ihre Vorgänger Widmungen in vielen Sprachen hinterlassen haben. Und während vorm Bungalow Herzen, Pilze, Schalen, Serviettenhalter entstehen, schlängelt sich der Duft des Abendessens aus dem Küchenfenster. Es gibt Taco mit scharfer Salsa. Dass es das letzte Workcamp des SPI im Spremberger Raum ist, möchte Birgit Kamenz verhindern. "Wir sind im Gespräch mit einer Pension, wo die Studenten im nächsten Jahr wohnen könnten."

Zum Thema:
Zu den sechs Grundsäulen des Internationalen Jugendgemeinschaftsdienstes (ijgd), der seinen Sitz in Berlin hat, gehören Interkulturalität, Freiwilligkeit, Selbstorganisation, die Emanzipation der Geschlechter, soziales Lernen und der Umweltschutz. An Workcamps teilnehmen können Jugendliche ab einem Alter von 16 Jahren. Wo Workcamps in Deutschland und auch im Ausland möglich sind und zu welchen Terminen man sich bewerben kann, lässt sich auf der Internetseite des Dienstes unter www.ijgd.de herausfinden.