Die ersten Gittermastelemente stehen auf den Fundamenten. Die Mastspitzen, auf die die Gondeln gesetzt werden sollen, liegen bereit. Die Monteure, die in luftiger Höhe schrauben, müssen immer höher. In zwei bis drei Wochen werde der große Kran aufgestellt, der Gondel und Rotor hinaufhebt, so Mandy Freudenberg aus dem Bereich Marketing und Kommunikation der WSB. Wie die 28-Jährige erklärt, werden die neun Windanlagen mit jeweils einer Gesamthöhe von 191 Metern einen der derzeit höchsten Windparks bilden. Warum die WSB so hoch hinaus will? „Jeder Meter bringt uns ein Prozent mehr Ertrag“ , erklärt Mandy Freudenberg, „und der Wind weht in solchen Höhen auch gleichmäßiger.“ 2,5 Megawatt Leistung soll jede Anlage bringen, 22,5 Megawatt wären es für den gesamten Windpark auf dem einst militärisch genutzten Gelände. Damit wären 73 000 Menschen mit Strom versorgt, und 50 000 Tonnen Kohlendioxid im Jahr würden nicht in die Luft gepustet werden.

Junges Familienunternehmen
Mit dem Gründungsjahr 1996 sei die WSB – was für Wind, Solar und Biomasse steht – ein junges Familienunternehmen. Der Geschäftsführer Achim Dorner hatte Mandy Freudenberg zufolge die Idee für die Firma bereits als Student entwickelt und mit der finanziellen Unterstützung seines Vaters auf die Beine gestellt. Inzwischen habe die WSB 173 Anlagen in Deutschland – der größte Teil davon stehe in Sachsen-Anhalt (mehr als 100). Im Land Brandenburg, so Mandy Freudenberg, seien es derzeit acht Anlagen. Zum ersten Mal aber wagten sich die Dresdner mit dem Windanlagenhersteller Fuhrländer in Spremberg wenige Meter an der Grenze zu Sachsen an einen Gittermast-Windpark – weil höher gebaut und der Ertrag vermehrt werden könne, weil die Gitter die Angriffsfläche für den Wind verkleinerten und weil der Transport der Bauteile leichter sei.
Neu war für die Spremberger Sommertour-Teilnehmer gestern, dass die Anlagen nur 20 Jahre auf dem ehemaligen Militärgelände stehen, danach wieder abgebaut und zu 98 Prozent recycelt werden sollen. Wie Mandy Freudenberg informiert, sei die staatliche Vergütung für den Strom auf diese 20 Jahre festgelegt und die Beteiligungsmodelle und Pachtverträge liefen dann aus. „Unsere ältesten Anlagen sind jetzt elf, zwölf Jahre alt und wir fangen bereits an zu überlegen, was wir mit ihnen machen. Können wir sie länger laufen lassen, lohnt sich vielleicht auch eine Sanierung? Darüber müssen wir dann entscheiden“ , sagt Mandy Freudenberg. Und sie sieht in der Windkraft und in einem Energiemix die Zukunft in Deutschland. „Noch fünf bis zehn Jahre wird die Windkraft Unterstützung brauchen – dann aber können wir mit den anderen Energieherstellern konkurrieren“ , so die WSB-Mitarbeiterin. Damit entfachte sie eine kleine Debatte zu den Energiepreisen. Viele Anbieter – niedrigere Preise? Diese Hoffnung teilte sie mit den Sommertour-Teilnehmern. Sie konnte zudem bestätigen, dass sich das an der Börse schon jetzt zeitweise abzeichne.

Bunker für Fledermäuse umgebaut
Aber auch in der Diskussion um die Belastung für Flora und Fauna durch die Windkraftanlagen war sie gewappnet. Sie bestritt nicht, dass Vögel durch die Anlagen zu Tode kommen. „Rund 8000 Vögel sind es im Jahr in ganz Deutschland – im Vergleich dazu: auf den deutschen Autobahnen kommen im Jahr eine Millionen Vögel ums Leben“ , so Mandy Freudenberg. Die Population der Fledermäuse sei durch die Windräder nicht gefährdet, das habe eine Studie in Sachsen ergeben. Zudem sei auch eine Reihe Auflagen zum Naturschutz zu erfüllen. Die WSB habe die Renaturierung im Reuthener Moors übernommen, und die Heide des Spremberger Windparks solle erhalten werden, zählt Mandy Freudenberg auf. „Bei der Erschließung des Geländes haben wir mit der Heidelerche und dem Ziegenmelker zwei bis dato für dieses Gebiet nicht bekannte Vogelarten entdeckt und die wollen wir hier auch erhalten“ , erklärt sie. Mehrere militärische Bunker seien für die Fledermäuse umgebaut und bestimmte Gehölze angepflanzt worden, die Insekten für die fliegenden Säugetiere anlocken.

Wenn die Windräder trudeln
Warum Windräder aus energiewirtschaftlichen Gründen auch mal still stehen oder bei heftigen Winden mit einer Geschwindigkeit von über 130 Kilometern pro Stunde trudeln, erfuhren die Spremberger gestern. Wie von Dresden aus die Anlagen überwacht werden, wann der Techniker vorbeischaut und wann der Vogelkundler, auch dazu blieb Mandy Freudenberg keine Antwort schuldig. Und sie machte Lust, immer mal wieder vorbeizuschauen – wenn Schwerlasttransporter durch Spremberg und ein Stück Stadtwald fahren müssen, die Gondeln auf den Mast gehoben und die Rotorblätter montiert werden. www.lr-online.de/sommertour