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Spremberg
Spreewälder saugen Schlamm aus Vorsperre

Polier Peter Kurzbuch (l.)  auf seiner Kahnfahrt quer über die Bühlower Vorsperre zu Maschinist Ronny Hoppenz (r.) auf dem schwimmende Sauger.
Polier Peter Kurzbuch (l.) auf seiner Kahnfahrt quer über die Bühlower Vorsperre zu Maschinist Ronny Hoppenz (r.) auf dem schwimmende Sauger. FOTO: Annett Igel-Allzeit / LR
Spremberg. Gepumpt wird bis Mitte Mai: 50 000 Kubikmeter Eisenschlamm liefen seit Dezember aus der Bühlower Vorsperre ins Stapelbecken II. Annett Igel-Allzeit

Kalkmilch strullert an der Wilhelmsthaler Brücke in die Spree. Breit legt sie sich unter den Blicken eines Graureihers in die Kurve. Fließt die Spree ins Vorstaubecken Bühlow der Talsperre Spremberg ein, hält sie sich rechts. Für die Sedimente, die sie mitbringt, ist nun endlich wieder Platz. 50 000 Kubikmeter eisenhydroxidhaltigen Schlamm hat der schwimmende Saugspülbagger seit dem 8. Dezember aus der Vorsperre gesogen. Durch das Bekalken in Wilhelmsthal und die Flockungsmittel am Zulauf der Vorsperre lagern sich ganze 50 Prozent des Eisens ab. Vorher waren es 20 Prozent. Bis Mitte Mai will die Firma Tief- und Wasserbau Boblitz (TWB) den blauen Sauger noch arbeiten lassen. Das Stapelbecken II hat den Raum. „Bei uns in Boblitz im Spreewald kommt alles vorbei, was wir hier nicht rausholen“, erklärt TWB-Geschäftsführer Frank Jurisch den Tatendrang.

Maschinist Ronny Hoppenz blinzelt in die April-Sonne. Sein Bagger, genau 3,41 Meter breit und knapp zwölf Meter lang, schippert nicht allein übers Wasser. Seile, die an den Ufern befestigt sind und mit kleinen Kunststoff-Schwimmern an der Wasseroberfläche gehalten werden, sichern ihn. Ein paar Hebel hat Hoppenz trotzdem zu ziehen. Der Dieselmotor, der tuckert, treibt die Pumpe an. Mit einem Saugdruck von 3,1 bis 4,8 Bar pumpt sie in der Stunde zwischen 950 bis 1100 Kubikmeter Schlamm aus der Vorsperre und treibt sie durchs Rohr. Der Rüssel mit dem Schneidkopf arbeitet in Bühlow in einer Tiefe bis 2,60 Meter. Auf dem Display in seinem Führerhäuschen kann Ronny Hoppenz die Daten beobachten.

Minus 18 Grad Celsius war die tiefste Temperatur, die sie um den 2. März herum auf dem blauen Sauger erlebten, erzählt Polier Peter Kurzbuch. Frank Jurisch nickt: „In dieser Jahreszeit durchzuarbeiten, ist auch bei uns nicht so üblich.“ Aber der Auftrag der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbauverwaltungsgesellschaft (LMBV) war als Sofortmaßnahme kurzfristig anzugehen. Die Vorsperre war im Herbst übervoll, das Absetzvolumen von 150 000 Kubikmetern erreicht. Das Absetzbecken II des Landesamtes für Umwelt musste flink geräumt werden. Ein Teil, der nicht gleich zur Entsorgung auf die Deponie geschafft werden konnte, kam ins Becken I, das aktuell geräumt wird.

Für die besonderen Bedingungen fand TWB besondere Lösungen. Zum Beispiel dafür, dass die Kunststoffleitung über Nacht nicht zufriert. Sven Radigk, Leiter der Projektgruppe Gewässergüte Fließgewässer Lausitz bei der LMBV, zeigt die Schieber. Etwa ein Kilometer des dicken Rohrs liegt, von orangefarbenen Schwimmern oben gehalten, auf dem Wasser. Der längere Teil über Land führt über einen Höhenunterschied von fünf Metern zum Stapelbecken II. Unterwegs wird das Rohr gelegentlich von Lüftern und Schiebern unterbrochen. „Genau über diese Schieber können wir zum Feierabend alles Wasser aus der Leitung lassen, so dass da über Nacht kein Eisblock entsteht und den Betrieb lahmlegt“.

Jetzt zupft nur noch eine frische Brise an den kurzen Ärmeln des weißen T-Shirts, das Ronny Hoppenz unter der Schwimmweste trägt. Mit Hochachtung erinnert sich der Naturbursche aus Raddusch an die Minusgrade im zweistelligen Bereich. „Aber wichtiger als warme Hosen und Jacken hier draußen sind die Neopren-Handschuhe, wenn ich mit den Händen unter Wasser muss.“ so der 45-Jährige. Der Schneidkopf am Rüssel muss oft von Ästen, Schlingpflanzen, Folien und Lumpen befreit werden.

Während von Montag bis Freitag das Absatzbecken gefüllt wird, fließt übers Wochenende das klare Wasser aus dem Becken über einen Graben in die Spree zurück. Bei zehn Prozent, so Radigk, liegt der Trockensubstanz-Gehalt, wenn der Schlamm aus der Vorsperre gepumpt wird. Um zu einer Deponie abtransportiert werden zu können, sollte der Gehalt auf mindestens 20 Prozent steigen, ideal seien 35 bis 40 Prozent. Durch die Entwässerung am Wochenende entsteht im Becken wieder Platz für die nächste Arbeitswoche. Die 50 000 Kubikmeter, die für die 95 Arbeitstage anvisiert waren, hat TWB um den 60. Tag herum erreicht.

Ab 2019 soll laut Umweltministerium eine ständige Räumung der Vorsperre durch Geotubes – geotextile Entwässerungsschläuche – geschafft werden.

„Dort links wohnt der Nutria, der Biber hinterlässt weiter hinten regelmäßig Spuren“, zeigt Ronny Hoppenz. Kormorane, Silberreiher, Greifer, Enten, Gänse und seit einigen Tagen auch Schwalben hat er hier beobachten können. „Und als wir den rechten Teil freigeräumt hatten“, erzählt Ronny Hoppenz, „kam prompt ein Eisvogel gucken.“


Das AbsatzbeckenII kann seit dem 8. Dezember neu mit eisenhydroxidbelastetem Schlamm gefüllt werden. Der Schlamm der vorher drin war, wurde entsorgt oder ins Absatzbecken I gebracht. Von Montag bis Freitag wird das Becken nur gefüllt, am Wochenende fließt das klare Wasser ab, So ist im Becken wieder Platz für neuen Schlamm aus der Vorsperre.
Das AbsatzbeckenII kann seit dem 8. Dezember neu mit eisenhydroxidbelastetem Schlamm gefüllt werden. Der Schlamm der vorher drin war, wurde entsorgt oder ins Absatzbecken I gebracht. Von Montag bis Freitag wird das Becken nur gefüllt, am Wochenende fließt das klare Wasser ab, So ist im Becken wieder Platz für neuen Schlamm aus der Vorsperre. FOTO: Annett Igel-Allzeit / LR

Solche Schieber auf dem Landweg zum Absatzbecken II verhindert, dass die Leitung einfriert. Hier wird nach Dienstschluss alles Wasser herausgelassen, damit innen kein Eisblock die Leitung blockiert.
Solche Schieber auf dem Landweg zum Absatzbecken II verhindert, dass die Leitung einfriert. Hier wird nach Dienstschluss alles Wasser herausgelassen, damit innen kein Eisblock die Leitung blockiert. FOTO: Annett Igel-Allzeit / LR
Der schwimmende Sauger hat einen Schneidkopf, der gelegentlich von Folien, Ästen und Lumpen befreit werden muss.
Der schwimmende Sauger hat einen Schneidkopf, der gelegentlich von Folien, Ästen und Lumpen befreit werden muss. FOTO: Annett Igel-Allzeit / LR