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Mit einer Stein-Story zum Sieg

Der Cottbuser Martin Bremer hat den diesjährigen "Lese-Elch" mit amüsanten Geschichten aus dem Leben eines Steins gewonnen. Kristine Messenbrink vom ATZ Welzow (r.) überreicht die Trophäe.
Der Cottbuser Martin Bremer hat den diesjährigen "Lese-Elch" mit amüsanten Geschichten aus dem Leben eines Steins gewonnen. Kristine Messenbrink vom ATZ Welzow (r.) überreicht die Trophäe. FOTO: Anja Guhlan/ang1
Welzow. Bei der fünften offenen Lesebühne, die am vergangenen Samstag im Welzower Archäotechnischen Zentrum (ATZ) stattgefunden hat, ist ein neuer Sieger gekürt worden. Unter zehn teilnehmenden Autoren konnte der Cottbuser Martin Bremer die Minitrophäe mit seinen "Stone Stories" für sich gewinnen. Anja Guhlan / ang1

Es ist ein knapper Sieg gewesen. Doch am Ende überzeugte der 27-jährige Martin Bremer die Zuhörer am meisten. Der Cottbuser Lehrer, der bereits im Jahr 2014 sein erstes Buch "Das Seelenerbe" herausgebracht und sich als Autor bewiesen hat, stellte bei der offenen Lesebühne am vergangenen Samstag im Welzower ATZ Auszüge aus seinem neu entstehendem Buch "Stone Stories - Geschichten aus dem Leben eines Steins" vor.

Seine Geschichten sind amüsant, querdenkend und immer aus der Perspektive eines "dicken, grauen, wohlgeformten Steins". So schildert der Stein, der in den ersten Kapiteln des Buches noch namenlos ist, die verschiedensten Erlebnisse, Beobachtungen und Geschichten aus seinem Leben. Die vorgetragenen Geschichten überzeugten. So überreichte ihm Kristine Messenbrink vom ATZ den begehrten Wanderpokal - den "Lese-Elch". "Ich freue mich sehr über diesen Preis", erklärt Martin Bremer, der sich zum ersten Mal zur Welzower Lesebühne wagte. "Der Lese-Elch wird einen schönen Platz in meiner Büchervitrine bekommen, wo er nicht einstauben kann", erklärt der Lehrer aus Cottbus.

Mit einem Sieg hatte Martin Bremer gar nicht gerechnet. Vor allem glaubte er, die bisherige Titelverteidigerin Sybille Tetsch aus Proschim nicht schlagen zu können. Sie las erneut aus ihrem literarischen Kinderbuch mit der Protagonisten Emmy vor, die in Weißrussland zu Besuch war und auch nach Jahren in die tragischen Folgen des radioaktiven Atomunfalls Einblicke bekam. Bereits seit Jahren kämpft die Proschimerin gemeinsam mit ihrem Mann Alexander Tetsch gegen die Nutzung der Kernkraft.

In die historische Vergangenheit entführte hingegen Günter Kalliske aus Großräschen, der sich in seiner Geschichte "Die Glocken vom Ilse-See" unter anderem literarisch den Bergbaufolgen zuwandte. Mit der in der Neuzeit korrekten Fassung der Weihnachtsgeschichte wartete der 52-jährige Hagen Röder auf. Die Autorin "Kala" trug in vier Kaffeegeschichten sogenannte Psychogramme vor. Heiter ging es bei Steffi Messenbrinks Text "Generationenkonflikt" zu. Paul Wernitz aus Tschernitz, der mit seinen 76 Jahren als ältester Autor teilnahm, trug wahre Reisegeschichten vor. Chalima Schröder, die mit ihren zwölf Jahren die jüngste Teilnehmerin gewesen ist, entführte die Zuhörer genauso wie ihre Schwester Bernicia Schröder in das Reich der Fantasie. Auch ihre Mutter Bianca Schröder trug vier recht unterschiedliche Kurzgeschichten vor - darunter auch eine mit satirischen Zügen.

Die offene Lesebühne habe sich inzwischen recht gut etabliert, zieht Kristine Messenbrink vom ATZ am Ende ihr Fazit. "An Autoren mangelt es nicht, nur etwas mehr Besucher könnten sich zu unserer Lesebühne einfinden", wünscht sie sich. Die Autoren sollen mit der offenen Lesebühne die Möglichkeit bekommen, einem erweiterten Menschenkreis ihre Werke zu präsentieren. Umso mehr Besucher kommen, umso mehr Rückmeldungen würden auch die Autoren erhalten. Auch im kommenden Jahr soll es wieder diese Veranstaltung geben, kündigt Messenbrink an.