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Spremberg
Mit einem Turm aus Altglienicke

Ein neues Spielhaus konnten in dieser Woche die Kinder  in Hornow Vorwerk einweihen.
Ein neues Spielhaus konnten in dieser Woche die Kinder in Hornow Vorwerk einweihen. FOTO: Annett Igel-Allzeit / LR
Hornow. Die kleinen und großen Einwohner von Hornow Vorwerk feiern ihren sanierten Spielplatz.

Wie sich die Sonne an späten Winternachmittagen auf Hornow wirft, das lässt sich jetzt prima vom neuen Spielturm in Hornow Vorwerk beobachten. Kurz blinzeln die Kinder in das Abendrot, dann ziehen sie wieder schnatternd an der langen Kette mit dem Eimer, sausen die Stange hinunter, klettern über die Sprossen. Und der kleine Hermann entdeckt, wie herrlich Fallsand rieselt. „Kuchen backen lässt sich mit diesem Sand zwar nicht“, sagt Thomas Krautz, Hornows Ortsvorsteher, „aber wir sind froh, hier in Vorwerk noch vorm Jahreswechsel diese Spielmöglichkeit für unsere Kinder einweihen zu können.“

Hornow Vorwerk an der L 48 hat etwa 45 Einwohner und kam vor zwei Jahren mit der Eingemeindung von Hornow und Wadelsdorf nach Spremberg. „Kein Haus steht in Vorwerk leer“, sagt der Ortsvorsteher, „es wird sogar ein neues Haus gebaut. Und für ein weiteres Eigenheim haben wir die Medienanschlüsse in die Erde gebracht, so dass die Familie, die dort plant, auch 2018 loslegen kann.“

Die Spielplätze gehörten zu den ersten Problemen, die die neuen Stadtverordneten aus Hornow und Wadelsdorf in den Ausschüssen ansprachen. Doch die Stadtverwaltung bremste sie zunächst. Spremberg betreut 19 öffentliche Spielplätze, fünf Bolzplätze, eine Trendsportanlage – dazu gehören seit 2016 die Spielplätze in Hornow, Wadelsdorf und Hornow-Vorwerk. 12 000 Euro braucht die Stadt im Jahr für die Unterhaltung. Etwa so viel Geld bleibt in der schwierigen Haushaltslage auch nur für Investionen auf den Plätzen.

Dass es in Hornow Vorwerk nun so schnell mit einer Verbesserung klappte, brauchte engagierte Eltern und Großeltern. Carmen Schimmack, die mit ihrer jungen Familie bald von Berlin nach Vorwerk ziehen möchte, zeigt auf den neuen Spielturm: Erst sollten auf ihm Kinder der Evangelischen Kindertagesstätte Altglienicke spielen. „Unsere Kita wollte den Außenbereich komplett umstrukturieren. Der Spielturm sollte auf einem Berg stehen. Als dann aber klar wurde, dass dafür eine Hangsicherung im Wert von mehreren Tausend Euro nötig war, wurde der Teil der Umgestaltung ad acta gelegt und für das Geld lieber ein anderes Spielgerät angeschafft“, so Carmen Schimmack.

Das angeschaffte Gerüst mit dem Turm wieder loszuwerden, erwies sich schwierig. „Als sich kein Käufer fand, kam uns die Idee, den Spielturm nach Hornow Vorwerk zu holen.“ Die Männer im Ort glaubten zunächst nicht, dass das geht. Denn auch die Spremberger Stadtverwaltung musste wollen. Mit einem Kaufvertrag zwischen ihr und der Kita begann Carmen Schimmack. Dann gelang ein Aufstellungsvertrag mit der Stadt. Und das Hornower Transportunternehmen Neusch TTB, so Thomas Krautz, lieh den Transporter, mit dem der Spielturm von Berlin-Altglienicke nach Hornow Vorwerk gebracht werden konnte.  Die Stadt Spremberg ließ das Spielgerät aufstellen, der TÜV hat geprüft. Die Schaukeln, die aus Döbern-Land-Zeiten stammen, sind noch in einem sehr guten Zustand. Wipptiere ergänzen das Angebot für die Jüngsten. Nur der Rasen muss noch anwachsen. Darauf haben die Vorwerker in dieser Woche mit Kaffee und Glühwein angestoßen.

Neun Vorwerk-Kinder sind im Spielplatzalter. Auch Kinder aus der Dorfmitte sollen ihn erobern. Thomas Krautz: „Zum Rodeln kommen sie auch nach Vorwerk.“ Er hofft, dass der Spielplatz im Ortskern auch bald saniert werden kann. Nur für einen sicheren Radweg zwischen Hornow und Vorwerk fand er bisher auch beim Landkreis kein offenes Ohr.