Auf den Tag genau nach 20 Jahren wollen eben diese Jugendlichen, die mittlerweile gestandene Männer geworden sind, die gleiche Tour wieder in Angriff nehmen. „Unser Ziel ist auch diesmal wieder die Veteranen- Rallye ,Retro Auto Riga'“ , so Steffen Buder, auf dessen Grundstück sich der rote Oldie befindet. Während einer gemütlichen Männerrunde machten jetzt Geschichten von einst die Runde. „Wisst ihr noch, wie wir damals wegen der Atomraketenstation vom damaligen KGB beobachtet wurden und wie wir uns bei 60 km/h am Lenkrad im fliegenden Wechsel gegenseitig ablösten?“ Schnell wurden die Erinnerungen wieder wach. Alles begann im Sommer 1981, als ein Schrottfahrzeug aus dem Erzgebirge nach Spremberg kam. Geplant war, die noch brauchbaren Ersatzteile zu bergen, und das Fahrzeug dann zu verschrotten. „Heute weiß eigentlich niemand mehr so genau, wer damals die grandiose Idee hatte, das Auto wieder aufzubauen“ , so Steffen Buder. Jedenfalls geschah es auf einer feucht-fröhlichen Geburtstagsfeier. Bereits im Herbst gingen die damaligen Kfz-Schlosser Gerd Lischke, Landmaschinenschlosser Toralf Nousch, Kranschlosser Sven Lamparsky, Karosserieschlosser Thomas Neumann, Bauschlosser Horst Kirchner, BMSR-Mechaniker Steffen Buder und Installateur Olaf Hauschulz an die Arbeit. Unter fachlicher Anleitung von Kfz-Fachmann Artur Lischke, der den Jungen so manchen fachlichen Rat gab, nahm das ehemalige Schrottauto wieder Form an. „Die Kugellager besorgten wir uns aus dem Tagebau Welzow, auch andere Ersatzteile wurden nach und nach beschafft. Manchmal war es ganz schön hart“ , verrieten die Enthusiasten. Aber die Freude, bald einen ausgefallenen Oldtimer zu besitzen, beflügelte die Jungs. 1982 hatten sie dann die offizielle Anerkennung, und auf Anhieb holten sich die Spremberger Jungen den DDR-Bestentitel, so die damalige Bezeichnung. Nur das Tatü-Tata - dieses Signal fehlte damals noch. Zu ihrer großen Tour in die ehemalige Sowjetunion hatten sie alles generalstabsmäßig geplant. „Wir waren einfach guter Dinge, dass es gut rollt“ , so die Tourteilnehmer von einst. „Damals waren wir mit unserer Feuerwehr die einzigen Teilnehmer aus der DDR. Neben Tschechen, Polen, Russen waren auch Finnen bei der Veteranen- Rallye am Start.“ " Es war ein großes Erlebnis für die damals jungen Kerle aus Spremberg.
Ihren roten Feuerwehroldie hegen und pflegen sie auch nach 20 Jahren noch. Inzwischen wurden unzählige Stunden der Freizeit in Reparatur-und Instandhaltung investiert. Mal war die Wasserpumpe defekt, ein anderes Mal funktionierte die Zentralschmieranlage nicht so wie gewünscht. „Aber wir sind ja alle vom Fach, jeder macht das, was er kann“ , so Steffen Buder. Auch bei anderen Veteranen-Veranstaltungen wie in Braunlage waren die Spremberger schon mit von der Partie. „Damals mussten wir vor Ort sogar die Kopfdichtung wechseln“ , erinnern sich die Spremberger zurück.
Nun wollen sie ihren Traum, wenn auch in etwas anderer Besetzung als damals, wahr machen und wieder mit ihrem 80 PS starken Gefährt und 60 km/h zur Veteranenveranstaltung nach Riga fahren. „Die Verbindung nach Riga ist nie ganz abgebrochen. Wir freuen uns jedenfalls schon auf die Reise“ , so die Oldtimerfreunde auf die Tage vom 9. bis 19. August blickend. Bis zur Abfahrt möchten sie noch einige Durchsichten an ihrem Feuerwehrauto durchführen, damit es bis nach Riga ohne große Panne ordentlich rollt.