Warum nimmt man in seinem Urlaub, in seinen Ferien die Strapaze auf sich, fast 600 Kilometer mit dem Drahtesel zu absolvieren? Maria Handrejk, mit ihren 14 Lenzen die jüngste Teilnehmerin, schaut auf: „Für mich war das so etwas wie eine Herausforderung. Als mein Vati vor Wochen fragte, ob ich diese Tour mitmachen möchte, sagte ich sofort zu. Ich wollte wissen, ob ich durchhalte. Für mich war wohl die zweite Etappe am zweiten Tag die schwierigste. Am ersten Tag habe ich die Anstrengungen noch nicht so gemerkt, und am dritten und vierten Tag hatte ich mich daran gewöhnt.“ Die Knien taten ihr schon weh, aber sie musste dann durchhalten. Ging es besonders schwer, fuhr sie im Stehen. „Das Ziel Kap Arkona erreichte ich eine Dreiviertelstunde eher als die anderen, darauf bin ich schon stolz. Ansonsten habe ich mich an meinem ersten Tag ohne Fahrrad richtig ausgeschlafen, und jetzt bin ich wieder fit.“
Wenn eine größere Gruppe sich so eine Strecke vornimmt, geht nicht immer alles glatt, das erfuhren auch die sieben Spremberger aus der Zuckerstraße. Insgesamt sieben Mal mussten die Radler einen „Boxenstopp“ einlegen: Fahrradpanne. Besonders davon betroffen war Olaf Preuße, er hatte sich einige scharfe Gegenstände - unter anderem einen Hufnagel - eingefahren. Die Mitstreiter Hartmut Schwarz und Wolfgang Handrejk sorgten immer dafür, dass es wieder weiterging.
Genau fünf Tage benötigten die Spremberger, um das Kap Arkona zu erreichen. Am ersten Tag schafften sie 145 Kilometer in 7,15 Stunden, der zweite Tag hielt eine Strecke von 128 Kilometer in 6,4 Stunden bereit, am dritten strampelten sie 97 Kilometer in fünf Stunden, am vierten Tag waren es 105 Kilometer in sechs Stunden, und am letzen Tag standen noch einmal 103 Kilometer in 5,5 Stunden auf dem Programm. Am Kap Arkona eingefahren sind die Spremberger genau am vergangenen Mittwoch um 14.56 Uhr.
Organisator Jörg Kitte: „Ich glaube, die erste und die zweite Etappe waren die schwierigsten. Wir hatten viele Baustellen. Doch Aufgeben gibt es nicht, alle hielten durch. Einige von uns hatten schon Schwielen am Gesäß. Auch einen Sonnenbrand zogen wir uns zu. Wir hatten mit Wetterkapriolen zu kämpfen.“ So hatten sie sich erst lustig darüber gemacht, dass Matthias eine Plane im Gepäck hatte. Doch auf dem Heimweg von Königsstuhl waren sie froh, unter der großen Plane Schutz zu finden.
Und Olaf Preuße erzählt: „Erst einmal muss man sagen, dass wir auf unserer Tour große Gastfreundschaft erlebten und unsere Unterkünfte gut waren. Doch einmal versammelten wir uns alle zum Grillen im Garten, waren bester Stimmung. Wie es auf einem Dorf so ist, kam auch eine Katze vorbei. Es war eine sehr, sehr dünne Katze, wir streichelten sie. Doch nach kurzer Zeit mussten wir feststellen, dass wir lauter Stiche an den Beinen hatten. Das Tier hatte uns Flöhe mitgebracht.“
Obwohl die Glieder der Radler noch ein wenig schmerzen, gibt es schon wieder ein Traumziel von der Zuckerstraße aus: zum Hofbräuhaus in München. Vielleicht klappt das im nächsten Sommer.