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Minister schaut auf Flocken

Mit einer Flockenschau hat der Besuch des Agrar- und Umweltministers Jörg Vogelsänger (vorn) in Bühlow begonnen.
Mit einer Flockenschau hat der Besuch des Agrar- und Umweltministers Jörg Vogelsänger (vorn) in Bühlow begonnen. FOTO: Annett Igel-Allzeit
Spremberg. Spremberg möchte nicht als Kläranlage der Spree Schlagzeilen machen. Das stellte am Mittwoch Frank Kulik, der stellvertretende Bürgermeister, bei einem Treffen mit dem Agrar- und Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD) an der Vorsperre Bühlow der Spremberger Talsperre klar. Annett Igel-Allzeit

Dass die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbauverwaltungsgesellschaft (LMBV) die Eisenbelastung mit einem Barrierekonzept im Süden auf 1,8 Milligramm Eisen pro Liter in Sprembergs Innenstadt senken will, versicherten Vogelsänger und Kurt Augustin, Leiter der Abteilung Wasser und Boden im brandenburgischen Umweltministerium. Aber reichen die Vorhaben, die bis 2023/2024 in Sachsen und Brandenburg realisiert werden, aus? "Sonst müssen wir nachjustieren", so Augustin. Immerhin: Der Wille ist da, die Finanzierung von Land und Bund geklärt. Das sichert das Verwaltungsabkommen zur Braunkohlensanierung, das von 2018 bis 2022 läuft und der Lausitz 1,2 Milliarden Euro beschert. Neben der Sicherung der Innenkippen und der Wasserqualität der Bergbaufolgeseen steht die Spree oben auf der Prioritätenliste.

Die Sichtbarkeitsgrenze fürs Eisen im Wasser liegt bei zwei Milligramm pro Liter, den Gehalt am Mittwoch unterm Geländer schätzten die Experten auf drei Milligramm. Der Bundestagsabgeordnete Ulrich Freese (SPD), der mit Vogelsänger auf die Eisenflocken schaute, will, dass Spremberger wieder in ihrem Fluss baden können. Das Übel kommt aus der Spreewitzer Rinne mit 40 bis 400 Milligramm Eisen pro Liter im Grundwasser. Auch wenn das Verwaltungsabkommen das Geld sichert, so Minister Vogelsänger, seien Genehmigungen und weitere Forschungen die andere Seite. In Burgneudorf wird in wenigen Wochen die erste Wasseraufbereitungsanlage in den Probebetrieb gehen. 2018 ist die zweite Anlage in Neustadt, 2019 die dritte Anlage an der Ruhlmühle geplant.

Noch im September startet auch an der Vorsperre Bühlow ein Großversuch mit geotextilen Schläuchen. Durch die Bekalkung und Flockungsmittelzugabe seit 2014 bleibt in der Vorsperre doppelt so viel Eisenfracht pro Jahr liegen wie noch 2013. "Früher wurde aller zehn Jahre beräumt, jetzt müssen wir das jährlich tun", erklärte Kurt Augustin. Ein Test mit einer Zen trifugenanlage 2015 zeigte, dass sich Eisenhydroxidschlamm nur sehr aufwendig entwässern lässt. Im neuen 2,2 Millionen Euro teuren Großtest werde der ausgebaggerte Schlamm in riesige Säcke gepumpt und getrocknet, bis er "stichfest" ist, versucht Eckhard Scholz, Bereichsleiter Technik bei der LMBV, das Verfahren mit Geotubes zu erklären. Gespannt sind alle auf die Entwässerungszeitdauer. Parallel zum Versuch werden die drei Absetzbecken, in denen der Schlamm bisheriger Beräumungen trocknet, geleert. Denn im Frühjahr kommenden Jahres wird die nächste dringende Entschlammung der Vorsperre noch einmal auf herkömmliche Weise erfolgen.

40 Euro kostet die Entsorgung einer einzigen Tonne Schlamm aus der Vorsperre derzeit. Das Geld würde Ulrich Freese lieber in die Forschung stecken. Denn wie Eckhard Scholz deutlich macht, ist die Frage Deponierung, Sonderdeponierung oder Wiederverwertung des Eisenoxids noch immer nicht geklärt. Gespräche mit Eisenoxid-Produzenten und Studien laufen. Aber Flussschlamm besteht aus vielen verschiedenen Stoffen.