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| 15:17 Uhr

Wenn Fahrzeugverkehr zur Plage wird
Mieter nervt der Straßenlärm

Wegen des Straßenlärms können sich die Nachbarinnen Heidi Schubert-Hönsch (links) und Gisela Schäfer kaum auf dem Balkon entspannen.
Wegen des Straßenlärms können sich die Nachbarinnen Heidi Schubert-Hönsch (links) und Gisela Schäfer kaum auf dem Balkon entspannen. FOTO: LR / René Wappler
Spremberg. Die Bewohner der Spremberger Kantstraße wagen sich nur noch selten auf den Balkon.

Einen Antrag für wirksame Schritte gegen Verkehrslärm haben die Mitarbeiter des Spremberger Rathauses am Montag beim Spree-Neiße-Kreis eingereicht. Das bestätigt Fachbereichsleiter Gerd Schmiedel. Falls die Kreisverwaltung als zuständige Behörde den Plan genehmigt, könnten viele Bewohner der Spremberger Innenstadt davon profitieren. Zu ihnen zählen die Mieter in der Kantstraße, die nach eigenem Bekunden jeden Tag bis spät in den Abend mit den Folgen des Verkehrslärms leben müssen.

Sobald Heidi Schubert-Hönsch die Balkontür einen Spalt öffnet, dringt das Rauschen in ihre Wohnung. Mal ebbt es kurz ab, dann verwandelt es sich in ein Dröhnen. Aber es verschwindet nie.

Busse fahren vorbei, Lastwagen, Müllautos, von früh bis spät, montags bis sonntags. Vor fünf Jahren zog Heidi Schubert-Hönsch gemeinsam mit ihrem Mann von Drebkau nach Spremberg, zuerst in die Westbahnstraße, dann weiter in die Kantstraße. „Mein Mann brauchte Pflege, und hier fanden wir dafür beste Bedingungen“, berichtet die 76-Jährige. „Es gibt einen Fahrstuhl, ein gut ausgestattetes Bad, und die Wohnung liegt mitten in der Innenstadt.“

Wenn nur der Lärm nicht wäre. Ihren Balkon hat Heidi Schubert-Hönsch mit Blumen geschmückt. Trotzdem kann sie die kleine Oase vor dem Fenster kaum genießen. Mal mit einer Tasse Kaffee draußen zu sitzen und zu entspannen, das gelingt ihr nicht. „Nach zwei Minuten kehre ich entnervt in die Wohnung zurück.“

Die Spremberger Mieterin erlebt die Folgen eines Prozesses, der sich kaum noch aufhalten lässt. Bis zum Jahr 2030 wird der Güterverkehr in Deutschland um 38 Prozent zunehmen. Das besagt eine Prognose des Bundesverkehrsministeriums. Dazu tragen auch die vielen Menschen bei, die sich ihre Waren im Internet bestellen und von Lieferdiensten nach Hause bringen lassen. Auch der Fachbereichsleiter im Spremberger Rathaus, Gerd Schmiedel, stellt fest: „Vor 25 Jahren war der Verkehrslärm noch nicht so ein wichtiges Thema wie heute.“ Die Leute zeigten sich inzwischen sensibler gegenüber der Geräuschkulisse, die sie durch ihren Alltag begleitet.

Mehr als 70 Einwohner der Kantstraße und der Geschwister-Scholl-Straße in der Spremberger Innenstadt müssen mit Straßenlärm leben, der tagsüber 65 Dezibel überschreitet. So steht es in den Unterlagen des Rathauses. Fachleute vergleichen diesen Wert mit einem Fernseher in Zimmerlautstärke.

Das bestätigt die 81-jährige Gisela Schäfer, die ebenfalls in der Kantstraße wohnt. „Ich bedauere, dass ich meinen Balkon nicht so nutzen kann, wie ich es mir wünsche“, sagt sie. „Die Fenster lasse ich nur für kurze Zeit offen, auch wenn ich Essen zubereitet habe.“ Vor allem in den Morgenstunden und am Nachmittag fühlt sie sich durch „die extreme Welle“ der Lastwagen gestört, die durch die benachbarte Geschwister-Scholl-Straße fahren. „Es tut mir leid, dass ich nicht draußen sitzen kann“, sagt Gisela Schäfer.

Da es anderen Mietern ähnlich geht, haben die Mitarbeiter des Rathauses die Kantstraße und die Geschwister-Scholl-Straße in den Katalog möglicher Tempo-30-Zonen aufgenommen, der seit Montag der Kreisverwaltung vorliegt. Weitere Straßen mit einem Tempolimit dieser Art könnten die Friedrichstraße und die Karl-Marx-Straße sein, Abschnitte der Dresdener Straße, die Berliner Straße und die Hoyerswerdaer Straße. Die Rechnung lautet: Fahren Autos langsamer, sinkt auch die Lärmbelastung.

Ob der Landkreis diesem Plan für Spremberg zustimmen wird, steht momentan allerdings noch nicht fest.