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| 02:45 Uhr

Mensch tot – Hund bleibt zurück

Schäferhündin Xana kam ins Tierheim, nachdem ihre Halter verstorben waren. Tierpflegerin Bianca Luchterhand sagt: "Solche Fälle mehren sich."
Schäferhündin Xana kam ins Tierheim, nachdem ihre Halter verstorben waren. Tierpflegerin Bianca Luchterhand sagt: "Solche Fälle mehren sich." FOTO: R. Wappler
Spremberg/Groß Döbbern. Ein Mensch stirbt und hinterlässt Haustiere, die niemand in seine Obhut übernehmen will: Inzwischen häufen sich solche Fälle, wie die Mitarbeiter des Tierheims bei Groß Döbbern berichten. Aufgrund der wachsenden Zahl von Senioren in der Region gehen sie davon aus, dass dies nur der Anfang ist. René Wappler

Die beiden Schäferhunde springen durch den Schnee, einer robbt sich an Tierpflegerin Bianca Luchterhand heran, sie greift in sein dichtes Fell. Xana und Emmy heißen die Tiere, sie lebten zusammen bei einem Rentnerpaar. Erst starb die Frau, wenige Wochen später ihr Gatte. Im Dezember kamen die heimatlosen Hunde ins Gehege am Schäferberg.

Ein paar Meter weiter versteckt sich eine Katze in einer Höhle, nahezu den ganzen Tag. Sie stammt aus dem Haushalt einer Rentnerin bei Spremberg, die inzwischen gestorben ist. Wie Tierpflegerin Bianca Luchterhand erzählt, kommt das 14 Jahre alte Tier schwer damit zurecht, dass es nicht mehr in seinem angestammten Revier lebt.

Die Familien der Verstorbenen haben es abgelehnt, die Vierbeiner bei sich aufzunehmen. Ähnlich verhält es sich in einem Beispiel aus der Stadt Forst. Erst nach Tagen bemerkten die Nachbarn, dass aus der Wohnung eines Mannes kein Lebenszeichen mehr drang. Er saß tot in einem Sessel, in den Zimmern befanden sich ausgehungerte Kaninchen, ein Vogel und ein Hund.

Gerade auf dem Land bleiben Haustiere oft allein zurück, wenn die Menschen gestorben sind. "Die Kinder leben meistens in entfernten Regionen Deutschlands", sagt Tierpflegerin Bianca Luchterhand. "Somit gibt es hier keinen Angehörigen mehr, der sich um die Tiere kümmern würde." Als letzte Zuflucht bleibt die Anlage am Schäferberg.

Mit diesem Problem werden sich die Mitarbeiter des Tierheims in Zukunft noch stärker konfrontiert sehen. In Spremberg wächst wie in anderen Städten der Altersdurchschnitt der Einwohner. So lag er im Jahr 2016 nach Angaben des Rathauses bei 48,4 Jahren - und war damit seit dem Jahr 1991 um ungefähr zehn Jahre gestiegen. 5725 Einwohner von Spremberg befinden sich bereits im Rentenalter, 188 mehr als zum Ende des Jahres 2015. Der Stadtteil Trattendorf weist mit 51,4 Jahren den höchsten Durchschnitt aller Wohngebiete von Spremberg auf.

Alle Prognosen deuten darauf hin, dass der Anteil der Senioren in den nächsten Jahrzehnten deutlich zunehmen wird - auch weil junge Menschen nach wie vor die Region verlassen, um in anderen Gegenden zu arbeiten. Das reißt Familien auseinander, und für viele Rentner bleibt das geliebte Haustier als Bezugspunkt. Tierpflegerin Bianca Lichterhand berichtet: "Mitunter nehmen sie deshalb auch Tiere bei sich auf, die noch sehr jung sind - ohne zu bedenken, dass sie vermutlich bald nicht mehr in der Lage sein werden, diese angemessen zu betreuen."

Diese Aufgabe obliegt dann den Mitarbeitern des Tierheimes. Als sie neulich den Familienangehörigen eines Verstorbenen fragten, ob er dessen Hund übernehmen wolle, lehnte er ab: Eher werde er das Tier auf der Straße aussetzen.

Zum Thema:
311 Menschen sind im Jahr 2016 in Spremberg gestorben. Für den gleichen Zeitraum meldet die Statistik des Rathauses 171 Geburten. Langfristig nimmt die Zahl der Sterbefälle zu, auch wenn sie im vergangenen Jahr nicht den Höchststand des Jahres 2015 von 357 Personen erreicht hat. Das hohe Durchschnittsalter verdeutlicht "unsere Hauptsorgen der Zukunft", wie Fachbereichsleiter Frank Kulik anmerkt. "In den nächsten Jahren werden viele Menschen ins Rentenalter einsteigen. Deshalb müssen wir mit attraktiven Arbeitsplätzen vom Wunsch vieler Leute partizipieren, nach Spremberg zurückzukehren."