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| 18:08 Uhr

Leserbrief
Verantwortung im Sprach-Umgang

Zum Beitrag „Die Sucht beginnt in der Schule“

Drogen im Jugendalter sind ein besonders gefährliches Phänomen in unserer Gesellschaft. Die Ursachen dafür sind vielschichtig. Der Artikel in der LR vom 31. Mai versucht eine Analyse, die durchaus beängstigend ist, jedoch keine tiefgreifende bezogen auf die wirklichen Ursachen darstellt.

Aus der empirischen Feststellung, dass es mit 13 oder 14 Jahren los gehe, aber einfach abzuleiten, dass die Sucht in der Schule beginnt, ist fatal. Damit wird der Institution Schule der Schwarze Peter zugeschoben, und das infolge einer sprachlichen Unzulänglichkeit, die einem Journalisten, der Verantwortung für den Umgang mit Sprache trägt und dem eine Vorbildrolle obliegt, nicht passieren dürfte. Reißerische Schlagzeilen sind bei derart sensiblen Themen kontraproduktiv. Hieße die Überschrift „Die Sucht beginnt im Schulalter“, trüge sie dem informativ-kommentierenden Artikel Rechnung und würde Leser anregen, sich tiefgründiger mit den Ursachen zu beschäftigen.

Abhilfe kann nur im engen Zusammenwirken aller Erziehungsträger – vom Elternhaus über Bildungs- und Jugendhilfeeinrichtungen bis hin zu Polizei, Staatsanwaltschaften und Gerichten – erreicht werden. Denn schockierend bitter ist auch die Erkenntnis, dass es eben so sei, dass man, wenn man es wolle, überall Drogen bekäme.

Schuldzuweisungen sind da fehl am Platze, ebenso das Abschieben von Verantwortung. Lösungen können nur in einem vertrauensvollen Miteinander gefunden werden. Die Schule nimmt ihren Auftrag sehr wohl wahr – vom Fachunterricht in Biologie über die Behandlung in Lebensgestaltung, Ethik, Religion oder die Auseinandersetzung mit dem Thema an literarischen Vorlagen wie Romanen, Theaterstücken oder Filmen im Deutschunterricht, um nur einige Aspekte zu nennen.

Dr. Christina Thor, Crinitz