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Glosse
Die Tomaten am Tellerrand

Annett Igel-Allzeit
Annett Igel-Allzeit FOTO: Sebastian Schubert / LR

Eltern, die ihre Heranwachsenden für ein Workshop-Wochenende mal sich selbst überlassen, sind keine Rabeneltern. Sie lernen familiär mächtig dazu. Ob wir uns im Singen, Skifahren oder Geschichtenschreiben weiterbilden: Zu den Mahlzeiten sitzen wir garantiert mit dem Nachwuchs verantwortungsbewussterer Eltern am Tisch. Und sehen: Auch diese Teenager schieben winzigste Tomatenstückchen an den Tellerrand. tuscheln erst einmal miteinander, bevor sie sich eine ungewöhnlich aussehende Soße mit Kräutern über ihre Lieblingsnudeln gießen und werden sich lediglich über Milchreis nicht einig. Fröhlich fahren wir nach Hause. Wir wollen Sohnemann verkünden, dass wir ihn künftig nicht mehr mit unserem Paradoxon „Ketschup aber keine Tomaten?“ nerven werden. Wir riechen schon im Flur: Er hat sich etwas gekocht. Und schnieft uns danach stundenlang etwas vor. Ein Schnupfen, weil ihn das ganze Wochenende niemand gehindert hat, barfuß zu laufen? Nee, gesteht er, sein Essen sei einfach zu scharf gewesen. Pfeffer und Chili aber keine Tomaten?