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| 02:35 Uhr

Mehr als ein Film über "Irmchen"

Kameramann Joern Hirsch (links), Regina Stein und Regisseur Dietmar Schulz präsentieren die DVD.
Kameramann Joern Hirsch (links), Regina Stein und Regisseur Dietmar Schulz präsentieren die DVD. FOTO: Annett Igel-Allzeit
Spremberg. Egal wo "Meine Modelle müssen leben" - der Dokumentarfilm über die Malerin Irmgard Kuhlee – seit der Premiere zur Lausitziale 2014 läuft: Es herrscht Andrang. Am Freitag nun erscheint er auf DVD – liebevoll verpackt mit Bonusmaterial, Booklet und einem Druck des Bildes "Der Rote Akt". Annett Igel-Allzeit

Die roten Locken fallen verspielt über die Schulter. Ihr Rücken rundet sich weich. Die Beine hat sie angewinkelt. Angespannt wirkt dagegen der Maler vor ihr, er will alles erfassen, den jungen Körper festhalten. Im Jahr 1988 hat Irmgard Kuhlee diesen Moment zwischen einem Maler und dem Aktmodell sehen können. Der Kreiskulturbund Senftenberg hatte zu einem Akt-Plenair eingeladen. "Irmchen" kam zu spät. Vorm Modell war kein Platz mehr frei. Also malte sie den "Roten Akt" von hinten und es entstand eins der schönsten Bilder jenes Plenairs.

Für den Dokumentarfilm hat die inzwischen 88-jährige Irmgard Kuhlee noch einmal Akt gemalt. Regisseur Siegmar Schulz erinnert sich gut an jenen Sommertag am See vorm Haus der Malerin in Groß Buckow. Produzent Joern Hirsch, der in den anderthalb Jahren mit David Dotzler die Kamera führte, war ausgerechnet an jenem Tag krank. "Am Krankenbett hatte ich mir noch schnell die Kamera erklären lassen. Die Vorbereitung dauerte dann aber viel länger als der Dreh. Den richtigen Hocker, ein paar Kissen, ein Tuch für Irmchen. Mehrfach lief ich noch zwischen Haus und See hin und her", so Schulz.

Laura Völkel, die junge Sprembergerin, hat diese Nebenrolle sehr locker gespielt - aber auch über die Künstlerin gestaunt. "Irmgard Kuhlee gefiel sofort ihr langes Haar", erinnert sich Siegmar Schulz. In der Wohnstube, am See, der Besuch bei der Nachbarin, das Feld, der aktive Tagebau Welzow-Süd, der verregnete Spreewald, Schleife - es gab rund 15 Drehorte. "Irmchen im Spaziergang zu filmen, war besonders schwer. Sie ist so voller Geschichten. Und zu Weitergehen drängen lässt sie sich nicht", sagt Joern Hirsch. Plötzlich blieb sie stehen, pflückte ein Blatt vom Baum und erzählte, wie lange die Eichen dort schon stehen. Joern Hirsch kennt Irmgard Kuhlee lange - durch seine Mutter Elfriede Hirsch, auch verantwortlich für Keramikkurse im Bergschlösschen. "Aber richtig intensiv habe ich Irmgard Kuhlee erst in den Dreharbeiten erlebt. Auch wenn sie manchmal schimpft, sie ist eine ganz liebe Frau. Wir mussten nie viel fragen, die Geschichten sprudeln."

Ganze 80 Stunden Filmmaterial hatte das Team in den anderthalb Jahren gedreht. Es war viel Arbeit, daraus eine knappe Stunde Dokumentarfilm für die Lausitziale 2014 zu schneiden. Und gerade schlägt sich Hirsch erneut die Nächte um die Ohren, um aus dem Restmaterial, aus Fotografien und alten Audio-Bändern eine Bonus-DVD beizusteuern. Verlassen konnte sich das Team während des gesamten Drehs auf die gute Technik des Vereins "Back Pictures", den Joern Hirsch leitet. Nur sein Auto streikte mal, als sie den Abspann drehen wollten, erinnert sich Schulz. "Zuerst streikte die Drohne. Wir hatten die Idee, dass sich die Kamera nach oben von Irmchen und ihrem Gehöft entfernt. Als das nicht klappte, wollten wir uns mit dem Auto entfernen. Da sprang auch das Auto nicht mehr an." Zum Glück kennt Joern Hirsch aus seiner Zeit als Geschichts- und Musiklehrer viele Schüler, aus denen etwas geworden ist: Normen Müller, Inhaber einer Autowerkstatt, kam und hatte das richtige Kabel dabei.

Der Zuspruch zum Film hat Hirsch und Schulz überrascht. Mit einer Spende der Sparkasse Spree-Neiße finanzierten sie ein DVD-Paket. Und das Zeitzeugen-Filmprojekt geht auch weiter. "Seit Januar drehen wir wieder - wen, wird noch nicht verraten." Premiere ist zur Lausitziale 2016.

Zum Thema:
In der Touristinformation am Spremberger Markt gibt es ab Freitag, 13. November, die DVD vom Dokumentarfilm "Meine Modelle müssen leben" über Irmgard Kuhlee für 25 Euro zu kaufen. Doch dieses besondere Paket mit Bonusmaterial, Booklet und Druck vom Bild "Der Rote Akt" ist auf 300 Exemplare begrenzt. Regina Stein aus der Touristinformation im Bürgerhaus rechnet durchaus - wie zu den Filmen - mit Andrang. Um zehn Uhr beginnt der DVD-Verkauf. Wer es bis 16 Uhr nicht schafft, sollte es in der kommenden Woche versuchen.