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| 20:32 Uhr

Spremberg
Meerjungfrau verzaubert Manege

 Celine Köllner macht als Meerjungfrau auch in luftiger Höhe eine gute Figur.
Celine Köllner macht als Meerjungfrau auch in luftiger Höhe eine gute Figur. FOTO: LR / Marcel Laggai
Spremberg. Neben zahlreichen Luftnummern gibt es auch tierische Unterhaltung.

Wer Spremberg dieser Tage in Richtung Zerre verlässt oder aus eben jener Richtung kommt, wird direkt an der Kraftwerksstraße ungewöhnliche Zaungäste entdecken können. Da stehen seit dem vergangenen Wochenende nämlich Kamele, Esel, Ponys, Ziegen und Lamas. Die zotteligen Vierbeiner gehören zum Circus Astoria, der von Donnerstag an bis zum Sonntag seine Manege für das Besucherpublikum öffnet, um es in die fantastische Welt der Schausteller und Tierkunststücke zu entführen. Zirkusleiter ist Ricardo Köllner, dessen Familie bereits 1870 damit begann, den Leuten ein staunendes Lächeln auf die Lippen zaubert.

„Wir bezeichnen uns selber als Komödianten, die früher als Gaukler und Artisten auf Jahrmärkten ihr Können präsentierten und heutzutage natürlich im Zirkuszelt“, so der 48-Jährige, während er zufrieden nickt. Dass sein Zirkus in den eher unüblichen Wintermonaten durch die Lande zieht, sieht der Komödiant indes eher entspannt, waren er und sein Zirkus doch elf Jahre in Skandinavien unterwegs. „Da waren wir fast täglich in einer anderen Stadt und hatten dort unsere Auftritte.“ Aufbau, Show, Abbau – von Tag zu Tag ein anderer Ort. In knapp sieben Monaten sei dies schon sehr viel Stress gewesen, gibt Köllner offen zu. „Da die Zirkusleute in Skandinavien aber so ein hohes kulturelles Ansehen genießen, hat die Arbeit sehr viel Spaß gemacht.“ Unabhängig davon würde der dieselbetriebene Heizlüfter das Zelt rasch aufwärmen, fügt er hinzu.

Sowohl auf Reisen als auch in der Manege konnte sich Köllner stets auf seine Kinder und Frau Velicka verlassen. Sie stammt aus Tschechien und entspringt ebenfalls einer Zirkusfamilie. „Da wächst man halt in so ein Leben rein und weiß dann auch genau, was für Arbeit dahinter steckt.“ Manchmal müsse man bis in die Nacht hinein arbeiten, fügt Köllner hinzu.  Das wissen auch die Kinder Celine, Jamie und Diego, die auch in das Zirkusleben hineinwuchsen und seit den Kinderschuhen ihren Platz im Programm haben. „Ich hatte mit vier Jahren meinen ersten Auftritt“, erinnert sich Celine, die mittlerweile in luftiger Höhe und unmittelbar unter dem Zeltdach ihre Auftritte absolviert. Im Zelt ist Platz für 450 Zuschauer und mit ihren Luftnummern – unter anderem als Meerjungfrau verkleidet – hält die Artistin das Publikum regelmäßig in Atem.

Selbstverständlich hat auch Diego sein Programm. Neben einem akrobatischen Balanceakt hat er mit den Zirkushunden gar eine eigene Nummer einstudiert. „Dafür musste ich knapp fünf bis sechs Monate üben, aber nun sitzt es“, so der 14-Jährige zufrieden. Nun würden die Fellnasen fast immer aufs Wort hören, beteuert der junge Schausteller. Ricardo Köllner  hat sich derweil etwas zurückgenommen. „Ich kümmere mich um die Tiere, während die Jugend für die Action in der Manege sorgt“, so der 48-Jährige, während er zu schmunzeln beginnt. Der Chef mit den italienischen Wurzeln verdiente sich einst als Clown seine ersten Sporen. „Wie meine Kinder zog es auch mich sehr früh vor das Publikum, was ich als Clown auch recht schnell unterhalten konnte.“ Doch dabei bleib es nicht. So entdeckte er die Akrobatik für sich und schwang sich in die Höhe. Immer spektakulärer und immer höher, bis sein Übermut für ein jähes Ende sorgte. „Ich schwang wagemutig an Seilen über die Köpfe des Publikums hinweg, rutschte ab und landete hart zwischen den Stühlen“, so der Zirkuschef, während er kurz ins Stocken gerät. Die Show beendete er trotz Schmerzen. Selbst mehrere Handstände ließen Köllner nicht davon abbringen, aber im Anschluss ging es sofort ins Krankenhaus – auf Drängen der Mutter. Nach einem ausgedehnten Check der Ärzte, dann die Hiobsbotschaft: Bruch des fünften Lendenwirbels. „Ich war daraufhin dreieinhalb Monate ans Bett gefesselt, aber ans Aufgeben verschwendete ich keine Zeit.“ Dabei hatte der damals 19-Jährige Glück im Unglück. Die gut austrainierten Muskeln hätten in dieser Zeit eine stützende Funktion erfüllt, weshalb er relativ schnell wieder auf die Beine gekommen sei, ist sich der 48-Jährige gewiss.

Der Zirkusleiter möchte allerdings eher nach vorn schauen und so freut er sich auf die Zukunft. „Es ist immer wieder schön, den Leuten ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern und das ist wirklich unser liebster Lohn.“ Sicherlich müsse so ein Zirkus auch finanziell unterhalten werden und vor allem  die Tiere bräuchten ihr Futter. Aber glückliche Gesichter seien unbezahlbar, freut sich Köllner schon auf die erste Vorstellung in Spremberg.