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| 02:55 Uhr

Marode Brücke soll abgerissen werden

Streit um die Brücke bei Proschim: Die Stadt will das beschädigte Bauwerk abreißen. Proschimer CDU-Abgeordnete wollen das verhindern, weil die Brücke als Sichtschutz zu den hässlichen Ruinen von Alt-Haidemühl dient.
Streit um die Brücke bei Proschim: Die Stadt will das beschädigte Bauwerk abreißen. Proschimer CDU-Abgeordnete wollen das verhindern, weil die Brücke als Sichtschutz zu den hässlichen Ruinen von Alt-Haidemühl dient. FOTO: Würz
Welzow/Proschim. Die Stadt Welzow will das marode Brückenbauwerk am Ortsausgang von Proschim in Richtung Alt-Haidemühl abreißen lassen. Die turnusmäßige Brückenprüfung hat erneut alarmierende Erkenntnisse über den Bauzustand erbracht. Doch in Proschim gibt es Widerstand gegen den Abriss der Brücke, die hier als "Bollwerk" gegen den Tagebau und die unansehnlichen Ruinen von Alt-Haidemühl angesehen wird. Catrin Würz

"Das muss ein gewaltiger Aufprall gewesen sein. Denn der Brückenunterbau ist um rund zehn Zentimeter versetzt und die Auflegerbank zerrissen. Gewaltige Kräfte haben hier gewirkt", sagt Hans Siedentopf vom Büro Aring Bauplanung. Ein schweres Fahrzeug muss gegen den vier Meter hohen Brückenauflieger aus Stahl gefahren sein. "Und das ist nicht nur einmal passiert. Aus beiden Fahrtrichtungen weist die Brücke Spuren dafür auf, dass Fahrzeuge an die Brücke angeprallt sind. Allerdings sind die Verursacher und die Zeiten dieser Unfälle nicht bekannt", erklärt der Ingenieur aus Spremberg.

Sein Büro war von der Stadt Welzow beauftragt worden, den aktuellen Zustand der Radwege-Brücke in Karlsfeld/Proschim zu beurteilen. Sein Fazit: Das Bauwerk ist durch die alljährliche Brückenprüfung bereits in die Bauwerksklasse 4 abgewertet worden. Es gibt verschobene Lager, Risse und aufgebrochene Schweißnähte, durch die Wasser in die Stahlkonstruktion eindringen kann. Die Brücke kann Temperaturschwankungen nicht mehr ausgleichen, und der Beton weist ebenfalls durchfeuchtete Stellen auf. Kurz: Die Brücke stellt ein Sicherheitsrisiko dar, und die Stadt als Rechtsträger hat dringenden Handlungsbedarf, sagt Hans Siedentopf. Der Bauplaner stellte der Stadt auch gleich vier mögliche Varianten vor, wie man mit dem Dilemma jetzt umgehen könnte: Von teurer oder minimaler Instandsetzung über Abriss bis hin zum Neubau reichten seine Vorschläge.

Gebaut wurde die Brücke im Jahr 1939 als Kohlebahnbrücke. 1998 wurde das Bauwerk als Radwegebrücke in einer Stahlkonstruktion erneuert. Damals flossen dafür Fördergelder aus dem Radwegeprogramm von Land und Bund.

Schon seit vielen Monaten ist die Straßenüberquerung jedoch aus Sicherheitsgründen für Radfahrer gesperrt. Der Radweg zwischen Bluno und Welzow ist damit nicht mehr passierbar. "Es muss etwas geschehen - und zwar schnell", das ist die Auffassung von Bürgermeisterin Birgit Zuchold (SPD). Sie wird deshalb in der nächsten Stadtverordnetenversammlung den Beschlussvorschlag einbringen, die Brücke abreißen zu lassen und für die Fahrradfahrer eine Abfahrtsrampe und die Möglichkeit zur Straßenüberquerung zu schaffen. Schon dies wird einen schönen Batzen Geld kosten, woher das finanziert werden soll, ist bislang aber unklar.

Strikt gegen den Abriss ist dagegen die CDU-Fraktion in der Welzower Stadtverordnetenversammlung. Fraktionschef Günter Jurischka und Erhard Lehmann - beide sind Proschimer - wehren sich rigoros gegen die Abrisspläne der Stadt. "Diese Brücke ist das Bollwerk gegen den Tagebau und der Sichtschutz gegen die hässlichen Ruinen von Alt-Haidemühl. Das darf auf keinen Fall weg", fordert Jurischka. Erhard Lehmann ergänzt: "Wäre die Brücke schon in den 90er-Jahren abgerissen worden, wie es damals angedacht war, hätten wir Proschimer jetzt bereits zehn Jahre lang auf das Drecksloch Alt-Haidemühl gucken müssen", schimpft er. Gegen den Abriss wolle man sich vehement wehren.

Der Vorsitzende des Welzower Bauausschusses, Reinhard Franke, sieht in der Brücke dagegen eine tickende Zeitbombe. "Wir haben keine andere Wahl, wir müssen handeln. Niemand kann sagen, ob die Brücke in fünf oder in zehn Jahren zusammenbricht. Klar ist nur: Wenn jemand erneut gegen die Brücke fährt, kann Schlimmes passieren", sagt er. Auch habe der Landesbetrieb Straßenwesen schon die Stadt als Eigentümer der Brücke zum Handeln aufgefordert.

Das Thema wird zur Stadtverordnetenversammlung am 18. März sicher erneut für eine heiße Debatte sorgen