ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:30 Uhr

Lesung in Spremberg
Manfred Haßfeld erinnert die Groß Buckower

 Manfred Haßfeld.
Manfred Haßfeld. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Spremberg. Auch Literatur und Defa-Filme gehören zum Vereinsleben. Von Annett Igel-Allzeit

Der Kyritzer Manfred Haßfeld liest im Gemeindezentrum der Spremberger Auferstehungskirche aus seiner Kindheit. Die Groß Buckower, die vor ihm sitzen, hören plötzlich wieder die Milchkannen klappern und das Gebell der Dorfköter, sie erinnern sich an den Duft der Westpakete und murmeln den Spruch „Was macht den Lausitzer stark“ schmunzelnd mit Haßfeld mit. Der studierte Naturwissenschaftler hat mit vielen von ihnen etwas gemeinsam – eine Kindheit im inzwischen abgebaggerten Groß Buckow. Er war der „Paschterssohn“, der Junge, der es mit der Hasenscharte nicht so einfach hatte. Mit seinem Buch „Wir waren Helden“ war er in die jüngste Jahreshauptversammlung des Heimatvereins Groß Buckow eingeladen worden.

Der Heimatverein Groß Buckow schafft es trotz der Sterbefälle in seinen Reihen, die Mitgliederzahl mindestens zu halten. Jens Schima, der Vereinsvorsitzende, bittet vor der Lesung um eine Gedenkminute. „Sieben Mitglieder haben wir leider im Laufe des vergangenen Jahres wieder verloren und sie hinterlassen große Lücken“, sagt er. Doch nach 203 Mitgliedern im Jahr 2017 waren es 2018 genau 210 und 2019 trotzdem wieder 211. Und dass sich zur Jahreshauptversammlung über 50 Mitstreiter Zeit nehmen, freut Schima. Ein Vereinsleben lockt alte wie neue Vereinsmitglieder an. Nach dem Maibaumstellen mit dem Kegelturnier ist im Juni die Tagesfahrt geplant. Nach Bautzen und zum Schloss Rammenau geht der Ausflug diesmal. Am 16. und 17. August wird das Steinfest gefeiert. Für das Open-Air-Kino, das zum 15. Mal am 16. August ab 21 Uhr dazu gehört, hat Vereinsmitglied Detlef Zindler die Filmliste zur Auswahl auf den Tisch gelegt. Defa-Filme, wie „Geliebte weiße Maus“, „Spur der Steine“, „Solo Sunny“, „Hostess“ und „Karbid und Sauerampfer“ – die Vereinsmitglieder müssen sich entscheiden. Dass selbst die Auf- und Abbauten genau mit ihren Uhrzeiten im Veranstaltungskalender stehen, zeigt, dass Helfer immer gebraucht werden und dass auch bereits da Geselligkeit aufkommt.

Alte Geschichten, wie sie Manfred Haßfeld mitbringt, erzählen sich die Groß Buckower gern. Ein Foto seines Vaters, Pfarrer Siegfried Haßfeld, hängt am „Knusperhäuschen“ auf dem Vereinsgelände am Stein. Am 1. Oktober 1948 hatte er seinen Einführungsgottesdienst, 1957 verließ er mit der Familie Groß Buckow, um eine neue Pfarrstelle in Altdöbern anzutreten. Nicht alle können sich noch an den „Paschtersjungen“ erinnern. Manfred Haßfeld ist trotzdem glücklich. Siegbert Noack, sein Freund aus den Kindheitstagen, sitzt neben ihm. Das Buch „Wir waren Helden“ ist nicht Haßfelds erstes Buch. Den Naturwissenschaftler faszinieren tragische Schicksale. Nach fünf Kurzgeschichten im Buch „Im freien Fall“ (2013) brachte er mit „Das Geheimnis des Spiels“ 2016 das Psychogramm eines Mordes heraus. Das Kraftwerk Schwarze Pumpe spielt mit, die Spree, die Polizeiwache Spremberg. Und ein Spremberger soll der Mörder sein?

 Manfred  Haßfeld.
Manfred Haßfeld. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit