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Manchmal brauchen Ideen Zeit

ASG-Chefin Petra Lehmann (l.) und Bürgermeisterin Christine Herntier schauen sich auf dem Wochenmarkt um.
ASG-Chefin Petra Lehmann (l.) und Bürgermeisterin Christine Herntier schauen sich auf dem Wochenmarkt um. FOTO: wr
Spremberg. Im RUNDSCHAU-Interview sprechen sie über die Lage des Einzelhandels in Spremberg, über die geplante Diskussionsrunde zur Belebung der Innenstadt und über Chancen für Menschen, die sich in der Region niederlassen wollen: Bürgermeisterin Christine Herntier (parteilos) und die Chefin des Wirtschaftsförderers ASG, Petra Lehmann, glauben, dass die Spree-Neiße-Region gegenüber den Metropolen viele Vorteile bietet.

Frau Herntier, der von Ihnen erhoffte Supermarkt im City Center fehlt nach wie vor.

Christine Herntier: Gerade bin ich noch mal durchs Haus gegangen.
An vielen Stellen wird deutlich, dass etwas passieren muss: Vor allem an den Markttagen ist in der Innenstadt viel los, während es im City-Center relativ ruhig bleibt. So erfüllt es noch nicht die Funktion eines Magneten. Allerdings hat die Projektgesellschaft das Haus ja genau deshalb an den Investoren verkauft - damit er den Plan in die Tat umsetzen kann. Wir erwarten also nach wie vor, dass ein Vollsortimenter einziehen wird, und dabei haben wir dem Investoren jede Unterstützung zugesagt.

Frau Lehmann, Sie sprechen davon, dass Spremberg für den Einzelhandel ideale Rahmenbedingungen bietet.
Petra Lehmann: Auf jeden Fall. Das kostenlose Parken, die sanierte Innenstadt . . .

Christine Herntier: . . .und die kurzen Wege nicht zu vergessen.

Petra Lehmann: Schwieriger gestaltet sich oft die Frage der Unternehmensnachfolge, wenn alteingesessene Geschäftsleute in den Ruhestand gehen. Ich glaube, dass wir unsere Vorzüge für Zuzügler stärker herausstellen sollten. Schließlich herrschen in Spremberg gute Arbeitsbedingungen.

Christine Herntier: Und das bei einer Arbeitslosigkeit von 7,2 Prozent.

Das ist die offizielle Quote. Die tatsächliche Zahl dürfte um einiges höher liegen.
Christine Herntier: Trotzdem sinkt die Arbeitslosigkeit, und im Vergleich mit anderen Regionen stehen wir hervorragend da. Unsere Aufgabe ist es, Leute zu finden, die eine Chance in Spremberg sehen. Da fallen mir die beiden Damen ein, die ein Café im Sportlerheim von Sellessen eingerichtet haben. Das Thema geht weit über die Belebung der Innenstadt hinaus.

Einfacher dürfte es nicht werden, Menschen zur Rückkehr in ihre Heimat zu bewegen. Fachkräftemangel herrscht in Bayern ebenfalls, und das bei höheren Durchschnittsgehältern.
Christine Herntier: Ein gutes Gehalt gehört dazu, wenn man gute Leute anwerben will. Aber es gibt auch andere wichtige Aspekte. Viele Rückkehrer sagen, ja, sie haben mal in großen Städten gelebt, aber sie konnten die Vorteile nicht nutzen, weil sie dort zu viel mit der Organisation ihres Alltags zu tun hatten.

Petra Lehmann: Da bieten wir Standortvorteile. Zentralität, funktionierender Nahverkehr - für Familien kann das entscheidend sein.

Christine Herntier: Nicht zu vergessen, dass wir im ostdeutschen Vergleich bei den Gehältern recht gut dastehen, nicht zuletzt dank des Industrieparks Schwarze Pumpe. So veranstalten wir auch in diesem Jahr zum Heimatfest wieder eine Rückkehrerbörse. Das ist mühsam, aber niemand wird uns die Leute mit dem Bus vor die Tür bringen. Mich beflügeln dann jedoch Beispiele wie jenes vom Weinhändler in der Karl-Marx-Straße, der ja ebenfalls in seine Heimatstadt Spremberg zurückgekehrt ist.

Für den 21. Juni planen Sie eine weitere Diskussionsrunde zur Innenstadtbelebung. Was versprechen Sie sich von dieser Veranstaltung?
Petra Lehmann: Zwei Beispiele: Wir haben uns mehrere Referenten eingeladen, unter anderem von der Wirtschaftsförderung des Landes Brandenburg. Außerdem will der City-Werbering ein Projekt für den Internethandel präsentieren.

Im März hatte der Spremberger Unternehmer Jens-Uwe Winkler noch zu geringes Interesse vieler Händler an diesem Online-Projekt beklagt.
Petra Lehmann: Manchmal brauchen solche Ideen einfach etwas Zeit. Ich denke, das Projekt ist inzwischen auf einem guten Weg.

Mit Christine Herntier

und Petra Lehmann

sprach René Wappler