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März weckt patriotische Erinnerungen und lässt Frühlingslaune aufkommen

Wirt bittet zum Bockbierfest.
Wirt bittet zum Bockbierfest. FOTO: LR Archiv
Spremberg. Was Harri Piel beim Blättern in den Ausgaben des "Spremberger Anzeigers" in der Zeit vom 2. bis 8. März des Jahres 1914 entdeckte, berichtet er hier: hpl1

"Der Monat März erweckt mit seinem Beginn und seinem Ausgang hohe patriotische Erinnerungen." Welche das in Preußen sein könnten? Natürlich gedachte man zuerst der Siege bei den vergangenen Keilereien. "Am 1. März 1871 zogen die siegreichen deutschen Truppen in Paris ein, am 31. des Jahres 1814, also gerade vor hundert Jahren, erfolgte mit dem Einzug der Verbündeten in die französische Hauptstadt die Krönung der opferreichen Befreiungskriege vom Napoleonischen Joch."

Ach, lassen wir das und wenden uns lieber dem Frühling zu. "Wo die Sonne ins Haus kommt, braucht der Arzt nicht hineinkommen." Das vermeldete der Redakteur gleich anschließend und fabulierte über den warmen Winter - so etwas gab es tatsächlich schon vor 100 Jahren - um dann das Leben in der Großstadt in den schwärzesten Farben zu zeichnen. Eben so ganz ohne Sonne. Am 12. März sollte sogar der Mond über Spremberg bei einer partiellen Mondfinsternis größtenteils verschwinden. "Die Größe der Verfinsterung in Teilen des Monddurchmessers ist 0,916."

Wie allmonatlich wurde bei der Gelegenheit das Wetter für den laufenden Monat nach den Mondvierteln vorausgesagt: ". . . freundliche Tage, aber kalte Nächte - kalt und neblig - deutet auf Wind - verspricht angenehme Witterung." Beim ersten Viertel scheint es auch 2014 zu stimmen - wir hoffen auch weiterhin besonders auf das Letztere. Noch eine weitere Frühlingsmeldung: "Reichlich 2 Stunden nimmt im März der Tag zu!" Da dürfen dann auch die Bauernregeln nicht fehlen. Eine Auswahl: "Märzenblüte ist ohne Güte. (...) Wenn im März viel Winde weh'n, wirds im Maien warm und schön. (...) März hat Gift im Sterz. (...) März versteht (treibt seinen) keinen Scherz."

Erstmals erschien der Spremberger Geschäftsanzeiger im Spremberger Stadtanzeiger. Über zwei ganze Seiten wurden die Firmen kurz vorgestellt, die zuvor dafür gelöhnt hatten. Wir lesen, dass es drei Auto-Verkehr-Betriebe, zwei Badeanstalten, fünf Geschäfte für Fahrräder-Nähmaschinen und acht Schuhmacher gab. C. F. Saebisch nannte in eigener Sache gleich fünf Geschäfte.

Dann erinnerte uns der Meister an "Abzählreime der Kinder". Einige wissen wir ja noch, andere sind neu. Den erzieherischen Faktor erkennen wir allerdings erst jetzt, im fortgeschrittenen Alter: "Eins, zwei, drei vier, auf dem Klavier steht ein Glas Bier, wer daraus trinkt - stinkt." Oder: "Ein zwei drei, vier, eine Flasche Bier, eine Flasche Rum, du bist dumm." Endlich ein Altbekannter: "Sechs mal sechs ist sechsunddreißig, ist die Frau auch noch so fleißig und der Mann ist liederlich, taugt die ganze Wirtschaft nicht." Uns zur Erinnerung lieferte der Redakteur sogar die Begründung. "Viele Spiele wie Wettlaufen, Fangen, Verstecken, Murmelspiel usw. sind ohne abzählen gar nicht zu denken." Diese Spiele haben allerdings bald nur noch Erinnerungswert. Sie wurden durch elektronische Spielzeuge ersetzt.

Eine neue Krankheit: Arbeiterfrau auf der Polizeiwache sich über ihren Mann beklagend: Er schimpft den ganzen Tag und haut und tritt mich." - Wachtmeister: "Da hat er wohl die Maul- und Klauenseuche!"