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| 16:25 Uhr

Literatur
Fast 400 Texte aus zehn Ländern

 2016 stolz unter der Hoflinde am Strittmatter-Laden: Harald Weber, Renate Brucke und Matthias Stark (r.) mit der Anthologie „Von Bohsdorf nach Schulzenhof“. Die neue Anthologie des Erwin-Strittmatter-Vereins im nächsten Jahr soll rund 90 Texte enthalten.
2016 stolz unter der Hoflinde am Strittmatter-Laden: Harald Weber, Renate Brucke und Matthias Stark (r.) mit der Anthologie „Von Bohsdorf nach Schulzenhof“. Die neue Anthologie des Erwin-Strittmatter-Vereins im nächsten Jahr soll rund 90 Texte enthalten. FOTO: Annett Igel-Allzeit
Bohsdorf. Die Resonanz auf den Literaturwettbewerb des Erwin-Strittmatter-Vereins in Bohsdorf ist riesig. Und jeden Tag kommen noch neue Texte dazu. Von Annett Igel-Allzeit

„Alltag im Wort“ – so kurz und praktisch heißt das Thema des Literaturwettbewerbes des Erwin-Strittmatter-Vereins in Bohsdorf. Doch die poetische Resonanz ist riesig. Matthias Stark, Vereinsmitglied aus Stolpen, hatte 2017 die Idee. „Dass so viele auf den Aufruf reagieren, das hätte ich nicht erwartet“, gesteht er.

Am 31. Dezember ist nun Einsendeschluss. „Jeden Tag kommen immer noch Texte dazu, Geschichten und Gedichte“, so die Vereinsvorsitzende Renate Brucke. Bis zum Freitagnachmittag waren es genau 215 Menschen, die Lyrik und Prosa geschickt haben. „Und da viele nicht nur einen Text einreichen, sondern mehrere Gedichte, kommen wir auf 390-mal Literatur“, so Stark.  Unter den Wettbewerbsteilnehmern sind gestandene Schriftsteller und Journalisten, Lehrer, die in ihren Umschlag gleich mehrere Texte von Schülern gelegt haben, Senioren, die schon ihr Leben lang gern schreiben. „Wir haben nicht nur alle Generationen erreicht, sondern wir sind auch international breit aufgestellt“, sagt Renate Brucke. Neben Deutschland kam unter anderem Post aus Österreich, aus der Schweiz, aus Frankreich, den Niederlanden, aus Norwegen, aus Italien. „Sogar aus Georgien hat uns ein Deutschlehrer geschrieben“, sagt Matthias Stark.

„Erwin wie auch Eva Strittmatter haben  die wunderbare Gabe besessen, ganz Alltägliches in ihrem Werk zu poetisieren“, so Renate Brucke. Und die Natur handelt. Die kleine Pflaume wird zur großen Fabrik, das Blatt zum Retter der kleinen Mücke im Regen, die Amsel zur „Vateramsel“, die Eva Strittmatter und die erwachsenen Söhne nach dem Tod Erwins an den Mann, den Vater erinnert. Matthias Stark: „Beide erwähnen mehrfach, dass sie das Leben zur Poesie keltern.“

Es ist nicht der erste Wettbewerb, den der Strittmatter-Verein gestartet hat. Um „Loadengeschichten“ hatten sie für das Buch „Von Bohsdorf nach Schulzenhof“ gebeten. Das Thema für diese erste Anthologie, die 2016 erschien, war etwas enger: Die Schreibenden sollten sich an ihre Begegnungen mit den Strittmatters erinnern oder sich einfach auf ihre Spuren begeben.

Diesmal nun sammelt der Verein das Kleine im Alltag vieler verschiedener Menschen. Das sei gar nicht immer die Natur, sagt Renate Brucke. „Sondern ich erinnere mich gerade besonders an eine junge Frau, die täglich mit der Bahn pendelt, Sie beschreibt die Menschen, die sie auf jeder Tour um sich hat, und wird nachdenklich, als da plötzlich einer fehlt.“ Matthias Stark beschäftigt die Geschichte über den Tod eines geliebten Pferdes. „Es gibt wirklich Texte, die mich so rühren, dass mir Tränen in die Augen steigen“, sagt er. Renate Brucke, sie ist Lehrerin im Ruhestand, freut sich zudem, dass es sich gelohnt hat, Schulämter anzuschreiben: „Das Strittmatter-Gymnasium Gransee hat uns Texte geschickt. Auch Schulen aus Sachsen haben reagiert. Sogar eine medizinische Fachschule schickte uns Literarisches.“

Anfang März will sich die Jury zum ersten Mal treffen, um über eine erste Textauswahl zu sprechen. Renate Brucke macht sich Notizen, setzt Haken und Punkte an den Rand der Geschichten. Matthias Starke dagegen vergibt, wie er erzählt, Sternchen. „Natürlich ist das Lesen so vieler Texte auch anstrengend. Es sind ja durchaus langweilige Geschichten dabei, das bringt ein Wettbewerb so mit sich. Aber es macht mir auch großen Spaß. Es gibt überraschende Wendungen, interessante Spannungsbögen, schöne Bilder. Und da ich ja selbst schreibe, lerne ich an den vielen Texten auch, wie ich eine Geschichte nie aufbauen sollte.“ Und nein, es werde bei rund 400 Arbeiten überhaupt nicht schwer sein, 90 Texte für die Anthologie zu finden.

Der große Tag soll der 31. August 2019 sein. Alle Preisträger und die Autoren, die es in die Anthologie schaffen, sind dann eingeladen. Wie viele Preise der Verein vergibt, überlegt die Vorsitzende noch. „Im ersten Wettbewerb ging es nur darum, es in die Anthologie zu schaffen. Diesmal wollen wir Preise vergeben, die Texte prämieren. Wir unterscheiden in Lyrik und Prosa. Kinder und Jugendliche bilden gegenüber den Erwachsenen eine eigene Wertungsgruppe.“ Erste Sponsoren hat Renate Brucke gefunden.

Bis zum 31. Dezember kann unter strittmattergeschichten@gmx.de „Alltag im Wort“ eingesandt werden, versichert Matthias Stark. „Dann aber schalte ich die E-Mail-Adresse ab.“