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Letzte Ruhe im Wald des Muskauer Faltenbogens

Sebastian Freiherr von Rotenhan hilft seinem Sohn, einen Waldfriedhof einzurichten
Sebastian Freiherr von Rotenhan hilft seinem Sohn, einen Waldfriedhof einzurichten FOTO: Annett Igel-Allzeit
Felixsee. Nach guten Erfahrungen mit dem ersten Waldfriedhof in Sachsen hat Franz Freiherr von Rotenhan seinen Vater um ein Stück Wald in Friedrichshain gebeten. 2018 könnte dort die erste Urne zwischen Baumwurzeln gelegt werden. Annett Igel-Allzeit

Zwischen den Wurzeln einer alten Eiche die letzte Ruhe finden? Sich unter zwei jungen ineinander verschlungenen Birken das Grab der ganzen Familie wünschen? Franz Freiherr von Rotenhan, der quirlige und weltoffene 30-jährige Waldbesitzer, betreibt im sächsischen Callenberg seit knapp einem Jahr den Waldfriedhof Schönburger Land. Jetzt hat er seinen Vater, Sebastian Freiherr von Rotenhan, gefragt, ob sich auch in seinen südbrandenburgischen Wäldern eine Fläche dafür anbietet. Nicht nur der Vater horchte auf. Auch die Amtsverwaltung Döbern-Land meldet Interesse an der neuen Bestattungsmöglichkeit. "Mittlerweile sind 98 Prozent unserer Bestattungen Urnenbeisetzungen - auf Parzellen, auf der Wiese, mit kleiner Tafel oder anonym. Der Wald wäre da eine neue Alternative", sagt Petra Dietrich aus dem Fachbereich Bauen, Gebäude- und Liegenschaftsmanagement in der Amtsverwaltung. Die Felixseer Gemeindevertreter haben den Grundsatzbeschluss zum "Waldfriedhof Marienberg" daraufhin einstimmig gefasst.

Der Bussard segelt über den Waldweg, eine Amsel huscht zwischen die Blaubeersträucher, auch der Seeadler lasse sich öfter blicken, weiß Sebastian Freiherr von Rotenhan. Das dickste Lob aber bekommt der Eichelhäher. "Verdammt, in der Jugend haben wir auf Eichelhäher geschossen. Dabei ist das so ein nützlicher Vogel", ruft er. Der Waldbau, wie ihn die Boscor-Gruppe, zu der die von Rotenhans gehören, betreibt, setzt auf die Naturverjüngung. Mit der Zeit und bei intensiver Jagd entwickeln sich aus gleichaltrigen Lausitzer Kiefern wieder gemischte Dauerwälder. Es wird nicht gepflanzt, sondern das gepflegt, was da unter den Baumriesen klein aus dem Waldboden strebt. Der Eichelhäher ist einer der fleißigsten Helfer, sagt Sebastian von Rotenhan: "Kaum ein Quadratmeter, wo sich nicht eine kleine Eiche aus dem Waldboden schiebt."

Immer wieder pflegen wird er den Waldfriedhof müssen, aber bejagen oder gar Bäume ernten? "Natürlich nicht mehr in der bisherigen Größenordnung", erklärt Sebastian Freiherr von Rotenhan. Rund 20 Hektar groß ist die Fläche, die er gemeinsam mit dem Sohn ausgesucht hat. Die alten Bänke an den Wegen zum einst beliebten Ausflugsziel auf dem Friedrichshainer Marienberg sind rar geworden. "Und wacklig sind sie auch. Wir werden sie durch neue Bänke ersetzen", verspricht Sebastian von Rotenhan. Auf dem Marienberg hatten die Friedrichshainer ihre Freitanzdiele, die Jugend hat sich hier getroffen, und für die Spaziergänger und Radwanderer wurde immer wieder um Sichtachsen gerungen. Er gehört neben dem Hohen Berg bei Döbern, dem Brandberg bei Reuthen, dem Horlitzaberg und dem zweiten Marienberg bei Groß Kölzig zu den höchsten Erhebungen im Geopark Muskauer Faltenbogen. Und er wäre ein guter Platz für die kleine Andachtsstelle des Waldfriedhofes, sagt Sebastian Freiherr von Rotenhan.

Der 67-Jährige ist stolz auf seine sieben Kinder, vertraut ihnen. "Sie ruhen sich nicht auf dem Vermögen aus, sondern sie sind unternehmerisch tätig, entwickeln Ideen." Als sein fünfter Sohn Franz ihn von den Baumbestattungen erzählte, wurde er neugierig. Schon im ersten Monat nach der Eröffnung im September 2016 sollen an den Bäumen im Schönburger Land 13 Urnen in die Erde zu Wurzeln gebettet worden sein, bis Ende 2016 wurden es 40. Lohnt sich so ein kleines zusätzliches Standbein auch im Süden Brandenburgs? Die nächsten Baumbestattungen haben Niederlausitzer bei Berlin oder Leipzig und Dresden. "Wenn nicht wir diese Baumbestattungen hier anbieten, übernimmt das ein anderer", sagt Sebastian von Rotenhan.

"Wichtig ist, dass auch ein paar Laubbäume auf dieser Fläche stehen", erklärt Franz von Rotenhan. Eichen, Birken, vereinzelt Buchen, "sogar Nussbäume haben wir dank Eichelhäher", weiß Sebastian von Rotenhan. Aber auch ihre Kiefer lieben die Lausitzer, ist sich Franz von Rotenhan sicher. Er rechnet mit Interessierten aus einem Umkreis von 30 bis 40 Kilometern. Dass es die Dorffriedhöfe rundum gefährden könnte, glaubt Franz von Rotenhan nicht: "Und das wollen wir auch gar nicht. Die Baumbestattung ist eine andere Form, eine Alternative - ganz ohne Grabschmuck."

Er wird seinem Vater einen Plan zeichnen. Etwas Infrastruktur am Rande für die Parkplätze muss gegeben sein. Der Waldfriedhof soll keinen Parkcharakter haben, sondern naturnah bleiben. "Ein paar Wege werden wir mulchen, noch einmal durchforsten, morsche Äste herauszuholen", so Sebastian von Rotenhan.

Nach der Zustimmung der Gemeindevertreter wird sich Franz von Rotenhan nun um weitere Genehmigungen in der Kreisverwaltung Spree-Neiße bemühen und mit umliegenden Bestattern sprechen. Frühestens im Sommer 2018 könnte der Waldfriedhof eröffnet werden. An den ausgesuchten Baum kommt ein kleines Namensschild mit den Geburts- und Sterbedaten. Die Urne muss aus biologisch abbaubarem Material sein und wird etwa 80 Zentimeter tief in die Erde ans Wurzelwerk des Baumes gelegt.

Den Grabschmuck und die Pflege übernimmt die Natur. Der Besucher hat beide Hände frei, um den Baum der verstorbenen Mutter, des Freundes einfach mal herzen.

Weitere Informationen zur Waldbestattung, zum Konzept und zu den Kosten gibt es unter der Internetadresse www.waldfriedhof-schoenburgerland.de