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| 15:22 Uhr

Stromanbieter will weg von Freileitungen
Leitungen wandern unter die Erde

Spremberg. Lieskau musste immer wieder unter Stromausfällen leiden. Der Stromnetzbetreiber Mitnetz will nun die Versorgung auch für andere Orte sicherer machen. Von Marcel Laggai

Sobald es in der Spree-Neiße-Region stürmisch zu werden droht, blicken die Einwohner des Spremberger Ortsteils Lieskau gebannt gen Himmel. Viele Lieskauer erinnern sich nämlich mit ungutem Gefühl an jenen großen Sturm, der vor eineinhalb Jahren die Stromversorgung des Ortsteils für zwei Tage kappte. Sturmtief „Xavier“ fegte im Oktober 2017 über Deutschland hinweg und knickte zahlreiche Bäume um, die wiederum etliche Stromleitungen durchtrennten – so auch bei Lieskau. Doch die vermeintlich unsichere Stromversorgung hat bald ein Ende, wie die Mitteldeutschen Netzgesellschaft Strom (Mitnetz) mitteilt. „Die Kabel für die neue Mittelspannungsleitung werden in die Erde verlegt“, heißt es vom Pressesprecher Stefan Buscher. Der Wechsel von einer Freileitung zu einer Erdverkabelung solle noch in diesem Jahr erfolgen, fügt er hinzu.

Laut Konzerninformationen handelt es sich um einen Abschnitt von knapp acht Kilometern zwischen Groß Düben und Schleife, der den Bereich Lieskau ebenfalls mit einschließt. Laut Buscher wolle man bereits im Sommer 2020 mit den Baumaßnahmen abschließen. Welcher Umfang dieser Wechsel birgt, lässt bereits der finanzielle Aufwand des Vorhabens erahnen. So teilt der Pressesprecher auf Anfrage mit, dass man mit Kosten in Höhe von ungefähr eine Million Euro rechne. „Konkrete Zahlen können wir zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht nennen, da wir uns derzeit in der Planungsphase befinden“, erklärt Buscher. Da die Planungsunterlagen aktuell noch zusammengestellt werden, sind die nötigen Bauabschnitte ebenfalls noch unklar. Unabhängig davon müsse man vorerst die Auflagen der Genehmigungsbehörden klären und sich mit den jeweiligen Grundstückseigentümern einigen, heißt es weiter. Auch wie die neue Mittelspannungsleitung konkret verlegt wird, steht zum jetzigen Zeitpunkt noch in den Sternen. Als Option stünde zum einen ein offener Tiefbau zur Debatte oder ein grabenloser Bau mittels Spülbohrverfahren, teilt Buscher mit.

Lieskaus langjähriger Ortsvorsteher Harry Krause ist derweil froh über den Entschluss der Mitnetz, die Stromleitungen unter die Erde zu legen. „Es wird ja auch Zeit, dass diese Freileitungen endlich rückgebaut und unterirdisch neu verlegt werden“, so der Ortsvorsteher. Schließlich würden die Stürme von Jahr zu Jahr mehr werden, weshalb man immer öfters habe zittern müsse, ob der Strom bleibe oder man plötzlich wieder im Dunkeln stehe, so Krause.

Ob Sturm „Herwart“, der Lieskau für knapp zwei Stunden vom Strom abgeschnitten hatte oder Sturm „Friederike“, der für eine stromlose Zeit von satten fünfeinhalb Stunden sorgte, Ortsvorsteher Krause war in seinem Lieskauer Eigenheim stets dabei, wenn es unvermittelt dunkel wurde. Sturmtief „Xavier“ hat bei dem Senior allerdings einen bleibenden Eindruck hinterlassen. „Wir waren fast zwei Tage ohne Strom und das in unserer heutigen Zeit“, erinnert sich Krause. Aufgrund der niedrigen Temperaturen habe man mitunter ziemlich gefroren. Da Heizungsanlagen ohne Strom nicht funktionieren, blieb nur warme Kleidung, um die stromlose Zeit zu überstehen. Oder man war der glücklichen Lage, ein Notstromaggregat sein Eigen nennen können. „Einige Bewohner hatten dieses Glück und so zumindest etwas Strom“, sagt Krause. Seit dieser Zeit gebe es einige Aggregate mehr in Lieskau, weiß der Ortsvorsteher genau. Unabhängig davon hofft Krause, dass die Leitungsarbeiten reibungslos vonstattengehen, sodass man bald auf eine nahezu störungsfreie Stromversorgung bauen könne.