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| 17:52 Uhr

Wenn Pauker lernen
Lehrer auf Strittmatters  Spuren

  Michael Becker begrüßte im Garten des Strittmatter-Ladens in Bohsdorf Lehrer des Geschwister-Scholl-Gymnasiums Löbau zu einer Lesung. Renate Brucke hatte die Gruppe zuvor durch den Laden, die Erwin-Strittmatter-Gedenkstätte, geführt. 
Michael Becker begrüßte im Garten des Strittmatter-Ladens in Bohsdorf Lehrer des Geschwister-Scholl-Gymnasiums Löbau zu einer Lesung. Renate Brucke hatte die Gruppe zuvor durch den Laden, die Erwin-Strittmatter-Gedenkstätte, geführt.  FOTO: Ingrid Hoberg
Bohsdorf. Pädagogen aus der Oberlausitz entdecken in Bohsdorf den Schriftsteller und Dichter aufs Neue oder auch zum ersten Mal. Von Ingrid Hoberg

Es herrscht Ausflugsstimmung bei den 37 Pädagogen, die mit einem Reisebus aus der sächsischen Oberlausitz gekommen sind und den Spuren des Schriftstellers Erwin Strittmatter folgen. „Jedes Jahr organisiert eine Fachschaft für das Kollegium eine Exkursion, die während der Vorbereitungswoche auf das neue Schuljahr stattfindet“, sagt Heike Petzold. Diesmal war die Deutsch-Fachschaft in der Verantwortung und hatte die Idee, auf Dichters Spuren zu wandeln. „Mancher erinnert sich noch aus seiner Schulzeit an Erwin Strittmatter, damals waren seine Bücher Schulstoff. Das ist heute nicht mehr so“, sagt die Lehrerin für Deutsch und Musik. Grund genug, sich wieder einmal mit dem Werk des am 14. August 1912 in Spremberg geborenen und unter anderem in Bohsdorf aufgewachsenen Schriftstellers zu beschäftigen.

Zum Auftakt führt Vereinsvorsitzende Renate Brucke die Gäste durch die Erwin-Strittmatter-Gedenkstätte „Der Laden“.  Vor drei Jahren hat das Haus die Plakette „Märkische Dichterstraße“ verliehen bekommen. Mancher hat die Verfilmung „Der Laden“ von 1998 noch in Erinnerung und sucht nach Parallelen. Doch dann zieht es die Besucher in den Garten am Haus. Der Schauspieler Michael Becker erwartet sie dort zur Lesung. In einer dicken Kladde hat er Texte von und über Erwin und Eva Strittmatter zusammengetragen, die für ihn die wichtigsten Autoren seiner Heimat sind. „Eva hat mir einen neuen Blick auf die Welt eröffnet“, sagt er über ihre Lyrik.

Manche Anekdote aus dem bewegten Leben des Schriftsteller- und Ehepaars gibt Einblicke in ein pralles Leben, nicht ohne Konflikte. „Eben wie in jeder Familie“, sagt Becker und zieht wieder alle Register seines Könnens, wenn er wie einst auf der Bühne des Staatstheaters Cottbus im „Laden“ der Großvater Kulka ist, wenn er Lyrik von Erwin und Eva spricht. „Es geht darum, die Literatur dieser beiden zu pflegen“, betont Michael Becker und verweist auf das Programm „Eine feine, feine Verwandtschaft“, das er gemeinsam mit Mitgliedern des Strittmatter-Vereins gestaltet. „Das war heute der erste Teil! Wir kommen gerne für den zweiten nach Löbau“, macht er Lust auf mehr.

„Super!“, lautet das Resümee von Frank Rabel, Mathe- und Geografielehrer. Gemeinsam mit seinem Kollegen Jürgen Rudolph hat er in der ersten Reihe viel Vergnügen an dem fast anderthalbstündigen Programm gehabt. „Ich wusste vorher nicht sehr viel über Strittmatter“, sagt Rudolph. Janine Heinrich gehört zu den Jüngeren im Kollegium, die Strittmatter nicht mehr in der Schule auf dem Lehrplan hatten. „Vielleicht nehme ich jetzt mal ein Buch von Strittmatter zur Hand“, sagt sie. Die 37-jährige Diplom-Biologin ist eine Quereinsteigerin und erst seit einem halben Jahr am Löbauer Gymnasium tätig. Und Antje Büchler (39), Lehrerin für Englisch und Französisch, findet es interessant, durch Strittmatters Literatur mehr über das Leben der Elterngeneration erfahren zu können.