ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 19:29 Uhr

LR vor Ort
Kein Heimatfest ohne Lauermann

 Räuberhauptmann Lauermann in der neuen Sonderausstellung im Schloss. Dieses Original war der Star vieler Spremberger Heimatfeste.
Räuberhauptmann Lauermann in der neuen Sonderausstellung im Schloss. Dieses Original war der Star vieler Spremberger Heimatfeste. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Wie wichtig sind Sprembergs Originale für die Stadt? Das will die Spremberger RUNDSCHAU-Redaktion mit Experten erörtern. Von Annett Igel-Allzeit

Haben Sprembergs Heimatfeste den Räuberhauptmann Lauermann berühmt gemacht, oder hat Lauermann Menschen aus der ganzen Region zu Sprembergs Heimatfeste gelockt? Eine Frage, die sich leichter beantworten lässt als die Frage nach dem Huhn und dem Ei. Die aktuelle Sonderausstellung im Niederlausitzer Heidemuseum im Schloss versucht genau das.  Die Geschichte der Heimatfeste, der falschen 1000-Jahrfeier und der  700-Jahrfeiern wird in Dokumenten erzählt. Und das zweite August-Wochenende als fester Heimatfesttermin war keinesweg schon immer gesetzt. Der Festumzug zur 100-Jahrfeier 1893 wurde mit seinen 2000 Teilnehmern und 20 Wagen in der Muskauer Straße geprobt. So mancher hohe Festwagen würde heute nicht mehr durch die Sicherheitskontrolle kommen. Die Wenden hatten damals einen ebenso prächtigen Auftritt wie die Spremberger, die die „Einverleibung Sprembergs“ durch die Preußen von 1815 darstellten. Vorm Heimatfest 1938 wurde den Gastwirten extra offeriert, dass die Polizeistunde auf 3 Uhr morgens verlegt wird. 1939 wurde schon der Lauermann-Likör anpriesen, die Presse aber nach dem Empfang mit ganz viel Heimatgeschichte zum Tee eingeladen. Und im Schlossgarten tanzte ein Hofballett.

Eines der schönsten Fotos in der Sonderausstellung ist nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden: Ein dünnes Männlein mit großer Schirmmütze und langem grauen Zauselbart sitzt mit weit hochgezogenen Schultern auf einem Hochrad: Richard Löser als Nachtwächter Kulke. Die Anstrengung steckt in seiner ganzen Gestalt. Dass er es schaffte, in einer Hand die Hellebarde, in der anderen Hand das Horn zu halten und trotzdem noch an den vielen Zuschauern vorbeizuradeln, scheint ein kleines Wunder.

Die Geschichte des Spremberger Originals und Spaßvogels Harri Piel wird erzählt. Rainer Scheudeck, der nicht nur den Nachtwächter Kulke darstellte, sondern weitere Originale für den Spremberg MC ersann,  bekommt eine ganze Wand. Und der Puppe, die im Museum Mutter Birnbaum – einst von Günter Purbs und heute von Andrea Ruhner – darstellt,  haben die Mitarbeiter des Niederlausitzer Heidemuseums den Hintern  ordertlich ausgestopft. Auch Andrea Laatz als erste offiziell gewählte Spreenixe bekommt eine Vitrine. Leise verhallt in den Ausstellungsräumen immer wieder ein Rumtata: Die Filme von den Festumzügen und Jahrmarktaufzeichnungen zu Spremberger Heimatfesten läuft als Dauerschleife. Zwei Stühle vorm Bildschirm würden gut tun, wenn es nur genug Raum dafür gabe. Denn man möchte wirklich Ausschau halten nach bekannten Gesichtern: Da winkt nicht nur Irmchen Kuhlee. Vom großen Festumzug 2001 hängen ganze Tafeln voller Fotos.

 Nachtwächter Kulke in der Sonderausstellung: Gespielt wurde er viele Jahre von Rainer Scheudeck.
Nachtwächter Kulke in der Sonderausstellung: Gespielt wurde er viele Jahre von Rainer Scheudeck. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit

Nicht alle Neuerungen zu Heimatfesten und Jahrfeiern haben überlebt: Keine Kaiser-Arnulf-Medaille wird mehr verliehen. Und Schauspiele zur Heimatsagen sind nur zu echten und falschen Jubiläen zu stemmen. Aber  ist gewiss, dass zum Heimatfest 2019 die 20. Spreenixe ernannt wird – viele Jahre war das der Höhepunkt der Maifeste. Die Räuber um Lauermann werden ihr Lager in der Langen Straße aufbauen, die Humpenbrüder des MC unterstützen den Freibieranstich, die Langen Kerls marschieren im Festumzug mit.

Andrea Ruhner, die Spreenixe war und heute Mutter Birnbaum ist, wird zum 11. Stammtisch der Symolfiguren einladen, Hagen Rittel zieht als singender Nachtwächter Kulke vom Bullwinkel in den Stadtpark. Und Jürgen Hübner wird als Harri Piel zur Stadtparkführung einladen.  Es gehört viel dazu, solch ein Ehrenamt zu leben. Reden müssen Sie schwingen können, auch mal einen Knopf annähen, gut zu Fuß sein...