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| 17:26 Uhr

Glaube in der Lausitz
Kirchenkreise vor Veränderung

Michael Moogk, der Superintendent des Kirchenkreises Senftenberg-Spremberg, tritt im kommenden Jahr nicht mehr zur Wiederwahl an. Seine Stelle wird dann nicht mehr neu besetzt, der Kirchenkreis wohl aufgelöst.
Michael Moogk, der Superintendent des Kirchenkreises Senftenberg-Spremberg, tritt im kommenden Jahr nicht mehr zur Wiederwahl an. Seine Stelle wird dann nicht mehr neu besetzt, der Kirchenkreis wohl aufgelöst. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Senftenberg/Spremberg. Die evangelische Kirchenkreis Senftenberg-Spremberg ist der Landeskirche zu klein. Deshalb soll er aufgelöst werden. Was hat das für Auswirkungen auf die Gemeinden in der Lausitz? Von Daniel Friedrich

Es ist noch ein gutes Jahr Zeit, dann wird Michael Moogk Kirchensiegel und Schlüssel abgeben und sein Büro in Drebkau räumen. Der Superintendent des evangelischen Kirchenkreises Senftenberg-Spremberg will nach über 20 Jahren nicht mehr Superintendent sein. Er möchte weniger Verantwortung tragen und wieder mehr als derjenige arbeiten, der er eigentlich immer war: als Pfarrer nah bei den Menschen.

Schon heute ist klar: Die Stelle des 59-Jährigen wird nicht mehr neu besetzt. Und ohne Superintendenten wird es auch den Kirchenkreis Senftenberg-Spremberg nicht mehr lange geben. Rund 10 500 Gemeindeglieder zählt der Kirchenkreis aktuell – zu wenig, sagt die Landeskirche. „Deshalb sollen sich die Kirchenkreise in der Lausitz zu einer neuen Struktur verständigen“, erklärt der scheidende Generalsuperintendent Martin Herche (65), der Michael Moogk vorsitzt. Dabei spiele die Richtzahl von 20 000 Gemeindegliedern eine Rolle, die ein Kirchenkreis haben sollte, „um die Arbeit gut zu organisieren“. Diese Zahl kann der Kirchenkreis, zumal bei sinkenden Prognosen, schon jetzt nicht mehr vorweisen. Generalsuperintendent Herche verspricht sich von einer Fusion unter anderem flexiblere Vertretungen untereinander.

Wie es für den Kirchenkreis ab Ende 2019 weitergeht, das wird derzeit in zwei Arbeitsgruppen diskutiert. Immerhin beschäftigt die evangelische Kirche zwischen Döbern, Drebkau und Klettwitz über 20 Mitarbeiter. Dazu gehören unter anderem zehn Pfarrer, Kirchenmusiker, Jugendwarte und Verwaltungsangestellte. Aus finanzieller Sicht gebe es nach jetzigem Stand keinen Grund, ihre Stellen auslaufen zu lassen, beruhigt Michael Moogk.

Doch wie wird der Kirchenkreis dann organisiert? Am wahrscheinlichsten sind aktuell zwei Möglichkeiten.

Erstens: Ein Zusammenschluss mit den benachbarten Kreisen Niederlausitz (28 000 Mitglieder) und Cottbus (26 000 Mitglieder) zu einem Riesenverbund. Dafür spricht, dass die Amtszeiten der beiden Superintendenten Thomas Köhler (Niederlausitz) und Ulrike Menzel (Cottbus) ohnehin in den kommenden zwei Jahren enden.

Oder aber: Der Kreis wird in zwei Bereiche zerteilt. Das westliche Gebiet rund um Senftenberg könnte dann an den Kirchenkreis Niederlausitz mit Sitz in Lübben angeschlossen werden. Der östliche Teil rund um Spremberg ginge an den Kirchenkreis Cottbus.

Für beide Optionen gebe es verschiedene Interessen und Ansprüche, so Michael Moogk. „Da geht es natürlich auch um Vermögensfragen und die Entscheidung, wie Geld ausgegeben wird.“ Kirchenkreise haben eine eigene Planungs- und Wirtschaftsebene und entscheiden beispielsweise, wie welche Mitarbeiter eingesetzt werden.

Er selbst, das sagt Michael Moogk ganz offen, plädiere für eine großflächige Lösung – einen Zusammenschluss der drei großen Südbrandenburger Kirchenkreise also. „Damit zerstört man nicht die bereits gewachsenen Strukturen und schickt Mitarbeiter in Gegenden, die sie gar nicht kennen.“ Denn der Kirchenkreis Senftenberg-Spremberg ist bereits ein Zusammenschluss aus den zwei ehemaligen Kreisen Senftenberg und Spremberg. Deren gemeinsamer Superintendent ist Moogk mit einer Wiederwahl seit 1999. Eine erneute Teilung wäre insbesondere der ehrenamtlichen Gemeindearbeit nicht zuträglich, befürchtet er. Schon jetzt gebe es innerhalb des länglichen Gebildes weite Fahrwege.

Sollte es zu einer großen Fusion kommen, müsse auch das Leitungssystem der Kirchenkreise überdacht werden. „Man muss den Menschen vor Ort, die sich auskennen, mehr Verantwortung geben. Ein Kreiskirchenrat, der irgendwo 100 Kilometer weit weg sitzt, kann doch keine konkreten Entscheidungen für das Gemeindeleben treffen.“

Michael Moogk wünscht sich, dass auch die Aufgaben des Superintendenten neu definiert werden, bestenfalls mit Unterstützung eines Referenten. „Ich habe heute so viel zu tun, was nicht ureigenste Aufgabe der Kirche ist. Das zermürbt und macht fantasielos“, beschreibt er das Problem.

Und dann sind da noch die 42 Kirchengebäude in den 28 Gemeinden. Nicht alle Gotteshäuser werden zukünftig zu halten sein, macht Michael Moogk klar. „Deshalb sollten wir jetzt, da wir noch die Wahl haben, die Zukunft gestalten. Wenn wir erst zu Entscheidungen gegen diese oder jene Kirche gezwungen werden, tut es weh.“

Bevor es aber zu einer Auflösung des Kirchenkreises kommt, bedarf es der Anhörung aller betroffenen Gemeinden sowie der Kreissynode. Superintendent Michael Moogk erwartet, dass es eine langwierige Entscheidungsfindung werden wird – möglicherweise auch über seine Amtszeit hinaus.