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| 17:18 Uhr

Lara schlägt bei Strittmatter nach

Die Sprembergerin Lara Kantor an der Gitarre im Film "Die Mücke am Blatt".
Die Sprembergerin Lara Kantor an der Gitarre im Film "Die Mücke am Blatt". FOTO: Peter Moschall
Spremberg. Fröhlich radelt Lara über den Tiedesteg zur Schule. Wenige Stunden später rennt sie wütend aus dem Unterricht. Annett Igel-Allzeit / ani

Liebeskummer, Stress mit der besten Freundin und überhaupt: "Es ist alles so sinnlos." In der kleinen Bibliothek des Erwin-Strittmatter-Gymnasiums will sie Ruhe finden. Da knarrt die alte Bücherschranktür, ein Buch poltert heraus. So entspinnt sich ein Dialog zwischen Lara und Erwin Strittmatter - wie zwischen Großvater und Enkelin.

25 Minuten lang ist Peter Moschalls Kurzfilm "Die Mücke am Blatt". Der Titel sprang ihm aus Strittmatters Kurzgeschichte "Mücke am Blatt" im "Schulzenhofer Kramkalender" entgegen. Eine winzige Episode über Glück und Heimatgefühl an zwei halben Regentagen auf der Unterseite eines Birkenblattes. Moschall wurde 1956 in Spremberg geboren. Er wuchs in dem Haus an der Spree auf, wo heute in der Georgenstraße die Volkssolidarität zu finden ist. Früh begann er, sich für Fotografie zu interessieren. Nach der Ausbildung zum BMSR-Mechaniker in Schwarze Pumpe bewarb er sich an der Filmhochschule - und hatte Mückenglück. "Meine Mutter war Weberin, mein Vater Bauarbeiter - ich durfte versuchen, Kameramann zu werden. Dass ich schon einen Beruf hatte, war wie ein Auffangnetz. Sollte es mit der Filmkunst nicht klappen, könnte ich zurück in die Energiewirtschaft." Zuerst arbeitete er als Kameramann fürs Fernsehen der DDR. Und weil ihn das ZDF nach der politischen Wende im Landesstudio Sachsen-Anhalt übernahm, leben die Moschalls bereits seit 30 Jahren in Magdeburg.

Doch die Spremberg-Besuche des Vorruheständlers, der Moschall inzwischen ist, häufen sich. "Seit einem Jahr arbeite ich mit Lara und einem kleinen Team am Filmprojekt. Es braucht unterschiedliche Jahreszeiten und Geduld", sagt Moschall. Sie haben viel Drehorte in und um Spremberg und Döbern-Land entdeckt. Rudi Kantor und Rüdiger Budek helfen bei der Suche, aber auch Spremberger Geschäftsleute unterstützen das Projekt. "Dass mich Jürgen Gäßner, bei dem wir für Vater immer Bier holten, erkannte, hat mich so gefreut."

Lara Kantor, Zehntklässlerin im Gymnasium, ist Moschalls Nichte. "Als sie mich als Vierjährige dabei beobachtete, wie ich eine Pusteblume von unten aufnehmen wollte, pflückte sie mir die Blüte, weil es so doch viel leichter sei. Sie sieht Bilder", sagt Moschall.

2015 besuchte Lara Kantor als jüngste Schülerin der Lausitziale-Filmschule unter der Leitung von Andreas Köfer. Ihr Kurzfilm wurde als bester des ersten Seminars ausgezeichnet, erinnert sich Moschall. Während Strittmatters Anteil am Dialog überwiegend aus seinen "Selbstermunterungen" stammt, hat Lara ihren Part allein geschrieben. Peter Moschall hofft, dass der Film bei jungen Leuten wieder das Interesse am Werk Strittmatters weckt. Poetische Bilder fand Moschall in Laras, in Strittmatters und seiner Heimat noch viele.

Zum Thema:
Premiere hat der Film "Die Mücke am Blatt" am 13. August, wenn der Erwin-Strittmatter-Verein auf dem Hof des Ladens in Bohsdorf den 105. Geburtstag des Schriftstellers feiert. Ab 14 Uhr liest Michael Becker, Schauspieler des Staatstheaters Cottbus, Texte. Ab 15 Uhr läuft der Film. Danach lassen sich Lara Kantor und Peter Moschall ausfragen. (ani)