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Spremberg
Mansfelder Land überm Sofa

Klaus John hat ein Bild vom Mansfelder Land im Wohnzimmer hängen. Die Heimt seiner Frau Monika John. Mit den ersten Kupferschachtplänen kam er nach Spremberg. In wenigen Tagen wird er 80.
Klaus John hat ein Bild vom Mansfelder Land im Wohnzimmer hängen. Die Heimt seiner Frau Monika John. Mit den ersten Kupferschachtplänen kam er nach Spremberg. In wenigen Tagen wird er 80. FOTO: Annett Igel-Allzeit / LR
Spremberg. Klaus John löst ein Versprechen an seine Frau ein – und gibt den Vorsitz des Verdi-Stammtischs ab. Annett Igel-Allzeit

Der Verdi-Senioren-Stammtisch in Spremberg ist jetzt „fest in Frauenhand“. Klaus John, der ihn über 16 Jahre leitete, schmunzelt schelmisch, wenn er das sagt. Monika Wagschal (SPD), einst  Integrationsbeauftragte des Landkreises Spree-Neiße, hat die Wahl gewonnen und Sigrun Dörry und Elfrun Dittmer an die Seite bekommen. John ist nicht traurig: Zum einen will er Monika Wagschal noch bis zum Jahresende helfen. Zum anderen hofft er auf mehr Zeit für seine Frau. Ihr hat er versprochen, ab dem 80. Lebensjahr kürzer zu treten. Am 28. April wird „Kupfer-John“ 80.

Schon immer gehöre in ihr Leben Aufregung „Langweilig wird es bei uns nie. Aber einer ist für den anderen da, denn die Enkel sind leider weit weg“, sagt Klaus John. Er stammt aus Delitzsch. 1952 lernte er Bergmann in Eisleben. Als Junghauer zog er mit dem Licht über der Stirn, Hacke und Bohrmaschine unter Tage, um Kupfer im Mansfelder Land abzubauen. Früh begeisterte er sich für die Gewerkschaftsarbeit in der IG Bergbau. „Ich wurde Gruppenkassierer, sammelte die zehn Pfennig für den Beitrag ein“, erinnert er sich. Bis 1957 arbeitete er im Thomas-Müntzer-Schacht. Nach seiner Zeit bei der Nationalen Volksarmee kehrte er ins Mansfelder Land zurück. „Es war Ende der 70er-Jahre, als ich als Direktor des Berufsberatungskabinetts des VEB Mansfeld-Kombinates für die Lehrlingsgewinnung auch im Bezirk Cottbus verantwortlich war.“ Lehrlinge fürs Hüttenwesen und den Bergbau suchte er. „Bei uns in Sangerhausen wurden die ersten Facharbeiter der Bergbautechnologie für die geplante Kupfer-Schachtanlage Spremberg ausgebildet.“ Mit Ehefrau Monika John und den Kindern kam er 1979 als Personalinstrukteur und Berufsberater nach Spremberg. Schon die DDR wollte das Lausitzer Kupferschieferfeld nutzen.

Monika John erinnert sich noch genau an den Moment, als etwa 2006/ 2007 im Fernseher die Kupfervorkommen der Lausitz als große Neuigkeit verkauft wurden. „Ich haben gleich beim Sender angerufen. Das Kupfer hatte doch schon die DDR entdeckt.“ Immerhin: 4000 Arbeitsplätze wollte der VEB damit einst schaffen.

Als 2011 die Bohrungen der Kupferschiefer Lausitz begannen, hofften die Spremberger 1000 Arbeitsplätze ab 2017. Auch bei einem Verdi-Senioren-Stammtisch Anfang 2011 war das  Kupfer ein Thema. Doch es scheint sich noch immer nicht zu lohnen.

2001 hat John in Spremberg den Verdi-Senioren-Stammtisch mit aufgebaut. Ver.di steht für Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft, die im März 2001 beim Zusammenschluss fünf bundesdeutscher Gewerkschaften entstand. Spannende Themen anbieten und im Gespräch bleiben wollen die Ver.di-Senioren. Unter Ex-Bürgermeister Klaus-Peter Schulze (CDU) wurde es Tradition, einmal im Jahr das Stadtoberhaupt einzuladen. „Christine Herntier hält es weiter so“, sagt John. „Nur jüngere Senioren rücken kaum nach. Waren wir anfangs 20, sind wir heute noch ein fester Stamm von zwölf. Junge Rentner haben erst einmal anderes zu tun“, mutmaßt John.

Auf die 30 Jahre, die er Angehöriger des Mansfeld-Kombinates war, ist er stolz. Überm Sofa hängt die Landschaft der Grunddörfer mit den Hütten. Der Name des Malers fällt Monika John sofort ein: Wilhelm Schmied. Sie selbst ist in Eisleben aufgewachsen und war noch ein kleines Kind, als ihr Vater bei einem Bergwerksunfall 1949 starb. Nein, das Mansfelder Land sei nie ein einfacher Landstrich gewesen. „Es war nicht leicht, als junge Frau eine Ausbildung zu finden“, erinnert sie sich. Aber dass es der Pfingsttanz ihrer Heimatregion –  das „Dreckschweinfest“ – jetzt auf die Liste des immateriellen Kulturerbes der Unesco schaffte, freut sie unheimlich. Tatsächlich spielt bei diesem Mansfelder Brauch zum Austreiben des Winters  eine Suhle die Hauptrolle. Klaus John war in seiner Zeit im Mansfelder Land weder „Dreckschwein“ noch ein Pfingstbursche in Weiß. „Aber auch als Zuschauer kann man viel Dreck abbekommen.“