| 16:57 Uhr

Aktion
Kniffelige Aufgaben bis Mitternacht

Amie, Joline (beide 12) und Geburtstagskind Johanna (13) knobeln an den Mathe-Aufgaben (v.l.).
Amie, Joline (beide 12) und Geburtstagskind Johanna (13) knobeln an den Mathe-Aufgaben (v.l.). FOTO: Anja Guhlan
Spremberg. 120 Gymnasiasten beteiligen sich in Spremberg an der langen Nacht der Mathematik. In munterer Atmosphäre wurde geknobelt und gerechnet. Von Anja Guhlan

Es ist Freitagnacht. Mehr als ein Fünftel aller Schüler des Erwin-Strittmatter-Gymnasiums haben sich in der Schule versammelt, um bei der langen Nacht der Mathematik dabei zu sein. Um 18 Uhr fiel der Startschuss. In dem bundesweiten Mathematik-Wettbewerb geht es darum, in einer Nacht in 14 Stunden 30 mathematische Aufgaben zu lösen. Es gibt drei Runden mit jeweils zehn Aufgaben. Der erste Jahrgang am Strittmatter-Gymnasium steht kurz davor, die zweite Runde zu erreichen.

In den letzten Stunden haben 120 Gymnasiasten in 32 Gruppen geknobelt und geschwitzt. Sobald ein Ergebnis feststeht, kann es am Rechner auf einer Webseite eingegeben werden. Liegt die Gruppe oder der Jahrgang falsch, wird die Eingabe für zehn Minuten gesperrt. Zehn Minuten, die sich für die Schüler wie eine Ewigkeit anfühlen.

Aber jetzt: die Lösung 184 muss es einfach sein. Christoph und Til (beide 10) aus der fünften Klasse tippen die 184 ein. „Soll ich senden?“, fragt Christoph. Es ertönt ein Ja. Schüler sowie Lehrer drücken die Daumen. Christoph sendet und es erscheint ein grüner Button. „Glückwunsch“, meint Mathelehrerin Astrid Piersig. Das Ergebnis ist richtig und die Runde zwei ein Stück näher. 

„Mir macht Mathe total viel Spaß“, meint Til, der die Aufgaben ganz schön kniffelig findet, aber auch lösbar. Auch in der siebenten Klassenstufe wird geknobelt. Johanna (13), die in dieser Nacht auch ihren Geburtstag feiert, versucht gerade, mit zwei Freundinnen ein Buchstaben-Sudoko zu lösen. „Ich finde es toll, gemeinsam mit Freunden zu knobeln und gemeinsam Lösungen zu finden. Dass die lange Nacht der Mathematik auf meinen Geburtstag fällt, ist nicht schlimm.“ Schließlich hat ihr die ganze Schule ein Glückwunsch-Ständchen vorgesungen.

Auch nicht so mathebegeisterte Schüler machen mit. „Mathe ist eigentlich nicht so toll, aber die kniffeligen Aufgaben machen Spaß“, meint Jasmin aus der fünften Klasse. „Es muss auch nicht immer alles richtig sein. Das Mitmachen und der Spaß zählen.“ Auch Mathematiklehrer Matthias Dietz, der vor drei Jahren die Idee zur Teilnahme an dem fast 20-jährigen Wettbewerb hatte, meint: „Der Wettbewerb ist schon eine kleine Bühne für unsere Mathebegeisterten, aber im Gesamten ist es ein Teamevent, woran alle Spaß haben sollen und im besten Fall Teamgeist, Durchhaltevermögen und Ausdauer entwickeln.“

Selbst Lehrer, Eltern und ehemalige Schüler knobeln mit. „Das sind Mathematik-Aufgaben der anderen Art“, schmunzelt Matthias Dietz. Da geht es nicht allein um das Rechnen, sondern auch um Logik und Vorstellungsvermögen. Eine Beispielaufgabe aus den vergangenen Jahren für die fünfte Jahrgangsstufe lautet beispielsweise: Siebenhundertfünzigtausend Waldameisen (durchschnittlich neun Millimeter lang) bilden eine lange Kolonne. Wie lang ist die Kolonne, wenn zwischen zwei Ameisen immer drei Millimeter Abstand liegen und keine zwei nebeneinander gehen?  Die Antwort soll in Metern angegeben werden und einen Dezimalbruch enthalten. Lösung  ermittelt?

Selbst kurz vor Mitternacht sitzen noch fitte Schüler vor den Aufgaben. Die ganz Harten tüftelten zu Hause bis acht Uhr morgens weiter. Bis zu diesen Zeitpunkt können Ergebnisse eingegeben werden. „Wir haben es zwar noch nie bis in die Endrunde geschafft, aber der Wille, dabei zu sein, zählt“, meint Matthias Dietz. Viele Schüler pochen auf eine Teilnahme im nächsten Jahr.