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| 17:42 Uhr

Vor der Landtagswahl: „Brandenburg, wir möchten reden“
Jugendliche diskutieren mit Sprembergern über Geschichte, Braunkohle, Spree und mehr

 Jugendliche aus Berlin suchen das Gespräch mit Sprembergern.
Jugendliche aus Berlin suchen das Gespräch mit Sprembergern. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Zur Landtagswahl entscheiden die 16- und 17-Jährigen wieder mit. Deshalb macht sich die Jugend auf den Weg – in Spremberg und nach Spremberg. Von Annett Igel-Allzeit

In dieser Woche hat es Schokoladenkuchen unterm Spremberger Rathausturm gegeben. Jugendliche aus Berlin – sie leben, arbeiten und studieren dort, stammen aber aus verschiedenen deutschsprachigen Regionen – hatten ihn gebacken. Unter dem Motto „Brandenburg, wir möchten reden“ waren sie losgezogen. Nach Forst und Cottbus ist Spremberg die südlichste Station, bevor es über Eisenhüttenstadt in die Prignitz geht. Die Bürger nahmen ihr Gesprächsangebot gern an. „Während sich in Cottbus auch viele junge Leute zu uns an den Tisch gesetzt haben, sind es hier in Spremberg vor allem ältere Menschen“, sagt Paul. Aber von Senioren ganze Lebensgeschichten zu hören, gefällt Damaris und Lars auch. „Wir haben uns gerade ein Salat geholt und gesehen, dass Spremberg mit den vielen kleinen Geschäften wirklich hübsch ist“, sagt Marlen. Wie wichtig die Braunkohle hier in der Region als Arbeitgeber ist, haben sie erfahren und von Wegzügen gehört. „Aber eine Frau konnte uns auch erzählen, dass sie ihre ganze Familie mit Kindern und Enkeln noch hier hat.“ Mit einem alten Sozialdemokraten haben sie sehr lange gesprochen. Und dass die Spree in Spremberg ganz anders aussieht als in Berlin, wurde ihnen auch erzählt. Getragen wird ihre Tour vom gemeinnützigen Verein zur Förderung politischer und lultureller Bildung für nachhaltige Entwicklung (Acht e.V.) und von der Amadeu Antonio Stiftung. „Eine demokratische Kultur besteht aus Diskussionen und Austausch, also sich begegenen statt sich zu belehren“, sagt Marlen. Joel ärgert, dass rechte Gewalt in Brandenburg inzwischen normal zu sein scheint. „Das wollen wir nicht einfach hinnehmen“, erklärt Joel. Er habe so ein Gesprächsangebot der Jugend an die Bürger schon in Sachsen miterlebt. „Wir überlegen inzwischen ernsthaft, so eine Tour öfter in Brandenburg zu machen – auch fern ab der Wahlen“, sagt Joel.

Hannah Schollmeier, die Vorsitzende des Spremberger Jugendbeirates, ist ein bisschen traurig, die Berliner verpasst zu haben. Die Gruppe hatte sich nicht angekündigt, weil sie tatsächlich spontane Gespräche wollten. Die 17-Jährige bereitet mit dem Jugendbeirat gerade ein Wahlforum vor. Speziell für Schüler - deshalb wird es am Donnerstagvormittag, 29. August, stattfinden. „Vier Kandidaten haben uns zugesagt“, so Hannah Schollmeier. Wie Carola Bromont, Sachgebietsleiterin für das Bürgerbüro und das Personenstandswesen, bestätigt, werden unter den 19 212 Wahlberechtigten zur Landtagswahl am 1. September auch 314 Erstwähler sein. „Das sind 16- und 17-Jährige, die erstmals bei einer Landtagswahl miteinscheiden können“, erklärt sie.

„Wie haben so ein Forum ja auch schon vor den Kommunalwahlen angeboten. Aber diesmal geht es ja noch einmal um mehr um das Bundesland, das zum Beispiel in der Bildung sehr viel mehr zu entscheiden hat“, erklärt Hannah Schollmeier. Extra Fragen, um die Fragerunde in Gang zu bringen, hat der Jugendbeirat diesmal nicht zusammengestellt. „Vor den Kommunalwahlen hatten die Schüler so viele Fragen, dass gar nicht alle beantwortet werden konnten“, erinnert sich Hannah Schollmeier. „Für mich haben ich auch schon wieder mehrere Fragen aufgeschrieben.“ Ihr Konzept für einen Mehrgenerationenspielplatz in Spremberg haben sie abgegeben. „Wir haben ihn mit Figuren aus der sorbisch-wendischen Sagenwelt entwickelt. Schade ist nur, dass wir das nicht schon öffentlich in einem Ausschuss vorstellen konnten“, sagt Hannah Schollmeier. „So wird von unserer Arbeit nicht immer wirklich was sichtbar“, bedauert sie. Derzeit organisiert der Jugendbeirat eine Pop-Rock-Disco. „Wer zur Disco will, muss ja in die Nachbarstädte, nach Cottbus zum Beispiel. Deshalb wollen wir in Spremberg mal so eine Veranstaltung anbieten – sie wird vorerst einmal sein, aber wir wollen gleichen mehreren Diskjockeys aus Spremberg eine Chance geben.“ Und einen Malwettbewerb planen sie. „Unsere Mitgliederzahl im Jugendbeirat hat sich gerade wieder erhöht. Und wenn mehr Leute mitmachen, haben die natürlich auch verschiedene Interessen und bringen neue Ideen mit ein.“ Neben  Schülern aus dem Erwin-Strittmatter-Gymnasium seien auch Spremberger, die Schulen in Hoyerswerda und Schleife besuchen, dabei. „Nur aus der Berufsorientierenden Oberschule haben wir noch immer niemanden“, bedauert Hannah Schollmeier.

 Logo Wahlen 2019
Logo Wahlen 2019 FOTO: LR / Janetzko, Katrin

Das Wahlforum am Donnerstag, 29. August, wird um 10 Uhr im Bergschlösschen beginnen.            

 Hannah Schollmeier, die Vorsitzende des Jugendbeirates.
Hannah Schollmeier, die Vorsitzende des Jugendbeirates. FOTO: LR / Marcel Laggai
 Jugendliche aus Berlin suchen das Gespräch mit Sprembergern.
Jugendliche aus Berlin suchen das Gespräch mit Sprembergern. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
 Hannah Schollmeier, die Vorsitzende des Jugendbeirates.
Hannah Schollmeier, die Vorsitzende des Jugendbeirates. FOTO: LR / Marcel Laggai