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| 18:01 Uhr

Integration im Jugendclub
Am Ostseestrand vergessen sie das Handikap

 Auf Paddeltour war der Jugendclub Erebos in den Ferien. Von Szprotawa aus ging es mit jungen Polen und Ukrainern an den Fluss Pliszka.
Auf Paddeltour war der Jugendclub Erebos in den Ferien. Von Szprotawa aus ging es mit jungen Polen und Ukrainern an den Fluss Pliszka. FOTO: LR / erebos
Landrat Harald Altekrüger hat den Spremberger Jugendclub Erebos besucht. Der ist in gewisser Sicht einzigartig in der Region. Von Annett Igel-Allzeit

Der Cottbuser Macht-los-Verein und der Spremberger Jugendclub Erebos hecken öfter etwas gemeinsam aus. Im Mai hatten sie den Cottbuser Oberbürgermeister Holger Kelch und Spree-Neiße-Landrat Harald Altekrüger (beide CDU) an mehr Barrierefreiheit – nicht nur auf Bahnhöfen – erinnert. Das hatte in dieser Woche in Trattendorf ein Nachspiel. Altekrüger kam mit Annett Noack, Integrations- und Behindertenbeauftragte des Landkreises, in den Jugendclub Erebos, um die Einrichtung mal kennen zu lernen. „Mit Jugendlichen, die ein Handikap haben, arbeiten zwar einige Einrichtungen und Vereine im Landkreis. Wir haben auch Anlauf- und Beratungsstellen. Aber dass junge Leute mit und ohne Handikap in dieser Weise etwas gemeinsam unternehmen, haben wir bisher so nur in Spremberg“, sagt Annett Noack.

Der Macht-los-Verein hatte vor seiner Fahrt nach Spremberg in Cottbus Kuchen gebacken und Melonen ausgesucht. Die Spremberger schnippelten Obst und Gemüse und setzten Kaffee an. Harald Altekrüger fühlte sich sofort wohl. Er schwatzte mit Danilo, den er aus seiner Heimatstadt Drebkau kennt. Von Marie ließ er sich erzählen, warum sie es genießt, einfach mal quietschen und schreiben zu dürfen. Phillip erzählte vom Angelcamp und Carola von ihrem Konzertbesuch in Dresden, den sie ohne Betreuer geschafft hat. Und die Erfahrungen, die die Cottbuser und Spremberger Sozial­arbeiter auf ihren Bahnfahrten zu den Urlaubsorten gesammelt hatten, interessierten Altekrüger natürlich auch.

Während die Cottbuser vom Macht-los-Verein mit ihren jungen Leuten in Groß Bademeusel Urlaub genossen hatten, waren die Spremberger zuerst in Zingst und anschließend in einem deutsch-polnische-ukrainischen Projekt auf Paddeltour.

„In Zingst“, so die Sozialarbeiterin Justine Cisar, „konnte ein Großteil unserer Jugendlichen und Erwachsenen zum ersten Mal die Weiten des Meeres genießen. Wir erkundeten die Stadt, fuhren mit der Darßbahn, kletterten in die Tauchgondel, besuchtes die Strandpartys, machten eine Radtour und eine Dampferfahrt auf dem Bodden, trafen uns in unserer Jugendherberge zu Spieleabenden. Und wirklich jeder Tag wurde durch Sprünge in die Ostsee abgerundet.“

Ausgangspunkt für die Paddeltouren war die Spremberger Partnerstadt Szprotawa. Als die Spremberger dort ankamen, trafen sie nicht nur auf polnische Jugendliche, sondern auch auf junge Ukrainer. Das Projekt wurde finanziell von der Euroregion Spree-Neiße-Bober unterstützt. Ein Spieleabend mit Bowling, Billard und Air Hockey erleichterte das Kennenlernen. Nicht nur das Paddeln auf dem Fluss Pliszka war ein Erlebnis, sondern auch das Zelten und die internationale Küche. Das Spremberger Unternehmen Juno-Bau hatte Erebos einen Bus für das Projekt zur Verfügung gestellt. „Insgesamt waren wir 32: die Jugendlichen im Alter zwischen zwölf und 16 Jahren und wir Betreuer“, sagt Sozialpädagoge André Heisler. Die Verständigung klappte mit Händen und Füßen, so Justine Cisar. Das sei nicht einfach gewesen, aber eine tolle Erfahrung. Und Höhepunkt der Tour war dann das Überqueren eines Wasserfalls.

Auf einer großes Beamer-Wand haben die Spremberger und die Cottbuser ihren Gästen aus der Kreisverwaltung die vielen Urlaubsfotos gezeigt. Während den Cottbuser Freizeitklub des Macht-los-Vereins  laut Sozialarbeiterin Kathrin Machnow rund 150 Leute aus Cottbus und der Umgebung nutzen, zählt der Spremberger Jugendclub Erebos 28 feste Mitglieder. „Aber beim Alter sind wir nicht so streng. Unser ältestes Mitglied feiert noch in diesem Jahr 50. Geburtstag“, sagt André Heisler.

In die Zusammenarbeit werde auch ein Finsterwalder Club einbezogen. „Dass sie alle gern nach Spremberg kommen, liegt daran, dass wir einen Tanzsaal haben“, so Heisler. „Hier darf gefeiert werden.“

 Auf Paddeltour war der Jugendclub Erebos in den Ferien. Von Szprotawa aus ging es mit jungen Polen und Ukrainern an den Fluss Pliszka.
Auf Paddeltour war der Jugendclub Erebos in den Ferien. Von Szprotawa aus ging es mit jungen Polen und Ukrainern an den Fluss Pliszka. FOTO: LR / erebos