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Prozess gegen 33-jährigen Mann aus Spremberg
Beschuldigter lässt Aggressionen freien Lauf

Spremberg. Cottbuser Landgericht musste Verhandlung unterbrechen. René Wappler

Wegen aggressiven Verhaltens des Beschuldigten hat das Cottbuser Landgericht am Freitag eine Verhandlung unterbrochen: Der 33-jährige Mann aus Spremberg beschimpfte den Vorsitzenden Richter, und er ließ sich auch während der Pause nicht mehr bändigen.

Der Beschuldigte soll nach Angaben des Gerichts 16 Delikte begangen haben. Zeugen berichteten während des Prozesses, er habe sie bedroht, Autos beschädigt und Waren gestohlen – über einen Zeitraum von mindestens fünf Jahren. Das Gericht befindet derzeit darüber, ob er in einem Krankenhaus unterkommt. Denn die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er aufgrund einer psychischen Krankheit die Straftaten im Zustand der Schuldunfähigkeit begangen hat. So leidet er mutmaßlich unter paranoider Schizophrenie, die sich in Wahnvorstellungen äußert.

An diesem Freitag sagte eine Polizistin als Zeugin am Cottbuser Landgericht aus. „So lange er seine Medikamente nahm, ließ er mit sich reden“, erklärte sie. „Er hat die Taten auch nie abgestritten.“

Weiter kam sie jedoch nicht mit ihrer Aussage. Denn der Beschuldigte brüllte den Vorsitzenden Richter an, er bezeichnete ihn als „Blödmann“, und schließlich ließ er seine Hose herunter. Daraufhin unterbrach der Richter die Verhandlung.

Trotzdem kehrte keine Ruhe ein. Der Beschuldigte redete ohne Unterlass, sprang von einer wilden Assoziation zur nächsten und ließ sich nicht mehr besänftigen. „Ich bin ein anständiger Kerl“, rief er. „Was soll denn die Scheiße hier? Ich bin froh, wenn ich das nicht mehr haben muss, das ist eine Tortur.“

Die Zeugen merkte gegenüber dem Vorsitzenden Richter an, ähnlich aggressiv habe sich der Beschuldigte mitunter auch in Gegenwart von Spremberger Polizeibeamten verhalten, sobald wieder ein Krankheitsschub bei ihm auftrat. „Dann hat alles Zureden nichts gebracht.“

Der Prozess soll im Dezember mit weiteren Zeugenaussagen fortgesetzt werden. Für die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus legt das Gesetz hohe Hürden an: Laut Paragraf 63 des Strafgesetzbuches kommt diese Option nur in Frage, wenn „die Opfer seelisch oder körperlich erheblich geschädigt oder erheblich gefährdet werden oder schwerer wirtschaftlicher Schaden angerichtet wird“. Im Oktober ordnete das Landgericht diese Variante für einen psychisch kranken Täter an, der im Spremberger Krankenhaus beinahe einen anderen Patienten erwürgt hatte.