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| 14:28 Uhr

Tatvorwurf lautet auf versuchten Totschlag
Weitere Mediziner sagen in Prozess zu Klinik-Attacke aus

Spremberg/Cottbus. Landgericht befasst sich mit Angriff in Spremberg.

Eine Ärztin der Spremberger Psychiatrie bezeichnet das Verhältnis zwischen dem Personal und einem erkrankten Angeklagten als „schwer erschüttert“. Das Landgericht in Cottbus befindet derzeit über die mögliche Gefahr, die von dem Mann ausgeht. Am Dienstag sagten weitere Zeugen in dem Prozess aus, der einen Angriff auf einen anderen Patienten der Psychiatrie vom Neujahrsmorgen des Jahres 2017 beleuchtet. Zu den Zeugen zählte die Ärztin. „Ich arbeite seit dem Jahr 2009 in Spremberg“, sagte sie. „Ein solches Ereignis hatte es seitdem noch nicht bei uns gegeben.“ Der Angeklagte Markus S., der unter Schizophrenie leidet, soll versucht haben, den Mitpatienten zu erwürgen. Nur das Eingreifen des Personals habe dies verhindert, teilt die Pressestelle des Landgerichts mit. Der Tatvorwurf lautet: versuchter Totschlag.

In ihrer Argumentation schloss sich die Ärztin am Dienstag den Worten eines weiteren Mediziners an, der bereits am Montag vor Gericht ausgesagt hatte. „Ich würde es als schwierig empfinden, ihn wieder bei uns zu behandeln“, erklärte sie über den Angeklagten. „Der Vorfall hat sich nachhaltig bei den Schwestern eingeprägt.“ Dabei gebe es grundsätzliche Regeln für den Umgang mit schwierigen Patienten. Sobald diese sich aggressiv verhalten, holt das Personal Hilfe von anderen Stationen herbei, wie die Ärztin berichtete. Falls die Situation weiter eskaliert, rufen die Fachleute die Polizei.

Derzeit behandelt den Angeklagten eine Fachärztin für Psychiatrie im Maßregelvollzug. Sie wurde von ihrer Schweigepflicht entbunden, um als Zeugin vor Gericht auszusagen. Nach ihren Worten leidet der Mann unter einem Wahnsystem, verbunden mit Halluzinationen. So fürchte er, ihm sei ein Chip in den Kopf gepflanzt worden, der seine Gedanken steuern könne. „Sein Herzenswunsch lautet zwar, auf dem ersten Arbeitsmarkt einen Job zu finden und niemandem auf der Tasche zu liegen“, erläuterte sie. „Aber da überschätzt er sich erheblich.“ Er habe sich „eine eigene Welt geschaffen, in der er sich als erfolgreich wahrnimmt“. In diese Welt ziehe er sich „in schwierigen Situationen zurück“. Im Grunde sei er ein „sehr harmoniebedürftiger Mensch“, der Konflikte eher scheue und versuche, sie zu überspielen. Seine Hoffnung, eines Tages wieder ganz gesund zu werden, teilt die Ärztin nicht. Vielmehr müsse er lernen zu akzeptieren, dass er womöglich stets auf Medikamente angewiesen sein wird. Deshalb sei ein betreutes Wohnen mit fester Tagesstruktur für ihn wohl die beste Form, seinen Alltag zu bewältigen.

Ein Rechtsanwalt aus Cottbus, als Betreuer für den Angeklagten eingesetzt, hält ebenfalls eine Obhut rund um die Uhr für angebracht. Allerdings gebe es im Land Brandenburg nur wenige dieser Einrichtungen. In Frage kämen nach seinen Worten Wohnstätten der Stiftung Lobetal in Lübben oder in Barnim. Der Betreuer hält es für möglich, dass der Angeklagte innerhalb von drei bis sechs Monaten dort aufgenommen werden könnte.

Der Prozess am Cottbuser Landgericht wird an den nächsten Tagen mit weiteren Zeugenaussagen und einer Einschätzung des Gutachters fortgesetzt.