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Land plant neuen Deich in Cantdorf

Frank Jannack (links) und Werner Schiemenz von der Cantdorfer Initiativgruppe, hier an einer Brücke über die Kochsa, fühlen sich an die DDR erinnert. Schon damals habe die Maßgabe gelautet: Cottbus wird gerettet, und wenn Cantdorf dabei untergeht.
Frank Jannack (links) und Werner Schiemenz von der Cantdorfer Initiativgruppe, hier an einer Brücke über die Kochsa, fühlen sich an die DDR erinnert. Schon damals habe die Maßgabe gelautet: Cottbus wird gerettet, und wenn Cantdorf dabei untergeht. FOTO: René Wappler
Spremberg/Potsdam. Die brandenburgische Landesregierung trägt sich mit konkreten Plänen für den Hochwasserschutz in Cantdorf – zum Beispiel dem Bau eines neuen Deiches. Dies geht aus der Antwort auf mehrere Fragen der CDU-Fraktion hervor. René Wappler

Im Detail sieht der Plan der Landesregierung für Cantdorf vor, den Spreedeich auf der rechten Seite behutsam zu öffnen, um den Querschnitt des Abflusses zu vergrößern und damit den Wasserspiegel im Wohngebiet zu senken. Zudem soll ein verschließbarer Durchlass in der Kochsa am Bahndamm entstehen. Er könnte einen Rückstau aus der Spree verhindern. Im Falle eines Hochwassers ließe sich der Abfluss der Kochsa angepasst an die aktuelle Lage steuern, wie die Landesregierung erläutert.

Auch den geplanten Deich östlich von Cantdorf führt das Antwortschreiben an die CDU-Fraktion auf. Die genauen Kosten für das Projekt werden derzeit noch analysiert.

Die Anfrage stammte von den Abgeordneten Dieter Dombrowski und Raik Nowka. "Die gute Nachricht: Cantdorf ist ein Schwerpunkt der Betrachtungen des Ministeriums beim Hochwasserrisikomanagement an der Spree", erklärt Raik Nowka. Allerdings besteht nach seinen Worten die Gefahr, dass "die wichtige Frage des Grundwassermanagementes in Cantdorf unberücksichtigt" bleibt. So gibt der Politiker zu bedenken: Eine bessere Wasserregulierung über ein Grabensystem im Hinterland des geplanten Deiches sei nötig. Denn sonst werde das nachdrückende Grundwasser bei einer Überschwemmung der Spree nicht aus dem Dorf entfernt. Dieses Grundwasser stelle aber für mehr Häuser eine Bedrohung dar als die Überflutung mit dem Oberflächenwasser.

Zu den Gründern der Initiativgruppe "Hochwasser Cantdorf" zählt Werner Schiemenz, der sich auch für die Gründung eines eigenen Ortsbeirats einsetzt. Er merkt kritisch an: "Es ist vorstellbar, dass sich der Bearbeiter für den Hochwasserschutz nicht um das erneute Ansteigen des Grundwassers kümmern muss." Dabei sei es jedoch äußerst unwahrscheinlich, dass dieser befürchtete Anstieg in Cantdorf ausbleibt - "obwohl er in Brunnen und an zwei Stellen schon oberirdisch sichtbar ist". Nicht zuletzt dringe das Grundwasser in allen ähnlich gelagerten Orten der Lausitz nach oben. So stellt Werner Schiemenz die rhetorische Frage: "Was nützt uns der Schutz vor dem Hochwasser, wenn wir schon vorher im nicht abfließenden Grundwasser absaufen?"

Die Vertreter der zuständigen Ministerien in den deutschen Bundesländern arbeiten momentan an Risikomanagementplänen. Eine Tagung dazu mit Fachleuten und Politikern fand am 2. April an der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) in Cottbus statt. Auch Mitarbeiter des Spremberger Rathaus nahmen an der Konferenz teil: Bürgermeisterin Christine Herntier (parteilos) hatte zuvor erklärt, der Plan des Landes Brandenburg zum Risikomanagement sei für die Stadt "von großer Bedeutung". Im Mai wollen sich nach ihrer Aussage die Mitarbeiter des Landesamtes für Umwelt mit Angestellten der Städten und Gemeinden treffen, um die Details des regionalen Maßnahmeplans zu beleuchten.

Während der Konferenz an der BTU wies Frank Trosien vom Landesumweltamt bereits auf den Inhalt hin: Im Bereich der ausgewiesenen Überschwemmungsgebiete sollen demnach Neubauten nicht mehr möglich sein. Ebenso werde die Sanierung von Bauten in gefährdeten Gebieten eingeschränkt.

Der Spremberger Bundestagsabgeordnete Ulrich Freese merkte im Gespräch an der BTU an, dass auf Drängen der SPD-Fraktion für die Jahre 2016 bis 2018 insgesamt 300 Millionen Euro für den Hochwasserschutz im Haushalt verankert wurden. Er hatte im März im Haushaltsausschuss des Bundestages darauf hingewiesen, dass diese finanzielle Ausstattung dringend nötig sei.

Kommentar: Cantdorf verliert die Geduld

Zum Thema:
Mitarbeiter des staatlichen schwedischen Zivil- und Katastrophenschutzes haben sich im März in Cottbus über die Aktivitäten der Stadt während der beiden letzten Hochwasser informiert. Der Besuch wurde von der deutsch-schwedischen Handelskammer organisiert. Die Gäste interessierten sich in den Gesprächen mit den Fachleuten aus Cottbus vor allem dafür, wie der Konflikt zwischen Hochwasser- und Naturschutz gelöst werden kann.